lehrreicher für mich , da er ein Vergnügen daran findet , mir so viel davon mitzutheilen als ich zu meinem Zwecke nöthig habe . Er lebt , wie du weißt , seiner Abstammung , seiner persönlichen Vorzüge , und seines Reichthums wegen , zu Korinth in großem Ansehen ; aber er liebt die Ruhe , die Künste und den angenehmen Lebensgenuß , wozu ihn sein großes Vermögen berechtigt , zu sehr , um eine bedeutende Rolle unter den Griechen spielen zu wollen ; zumal in dem gegenwärtigen Zeitpunkt , wo man zu Erhaltung des zweideutigen Friedens , womit der Spartaner Antalcidas die alte Zwietracht der Söhne Deukalions einzuschläfern gesucht hat , durch die möglichste politische Unthätigkeit noch am meisten beitragen kann . Learch besitzt die reichste und auserlesenste Sammlung von Gemälden , die ich noch gesehen habe . Er hat , beinahe von den Windeln der Kunst an , von jedem Meister wenigstens Ein Stück aufzuweisen ; und von Parrhasius , Zeuxis , Pauson und Euxenidas mehr als man ( wie ich von vielgewanderten Personen gehört habe ) bei irgend einem Privatmann antrifft . Er ist sehr stolz auf die beiden trefflichen Stücke von unserm Kleonidas ; diese und ein Urtheil des Paris von Timanth , und die berühmte kleine Leda des Parrhasius ( die er durch einen glücklichen Zufall in seine Gewalt bekommen hat ) , sind die einzigen , die in einem zierlich gearbeiteten Schranke verwahrt stehen , und den Liebhabern erst , wenn sie sich an allem Uebrigen satt gesehen haben , aufgeschlossen werden . Wenn es nicht gar zu unartig wäre , auf einen Mann , der mir unverdienter Weise so viel Gutes erzeigt , neidisch zu seyn , so hätte ich vermuthlich Ursache genug dazu ; denn es ist mehr als wahrscheinlich , daß mein edler Wirth bei der schönen Lais dermalen den Platz einnimmt , den er durch die geduldigste Beharrlichkeit mehr als zu wohl verdient hat . Er bringt beinahe alle Abende bei ihr zu , und man kann das Glück , die dritte oder vierte Person an ihrer kleinen Tafel zu seyn , nur durch ihn erlangen . Ich werde also wohl meine Weisheit unversucht von Korinth nach Argos tragen müssen . Learch hat sich erboten , deine Briefe an mich zu befördern , wenn du Zeit und Neigung haben solltest , mir zu schreiben . Ich grüße Kleonen , Musarion und Kleonidas und bitte sie , meiner eingedenk zu bleiben . 52. Aristipp an Antipater . Die Gefühle womit du von Athen Abschied nahmst , lieber Antipater , haben mich sehr lebhaft erinnert , wie mir selbst vor einigen Jahren in ebendemselben Falle zu Muthe war , und schwerlich wird jemand , der einen langen Aufenthalt in dieser von so vielen Seiten anziehenden und an sich fesselnden Stadt gehörig zu benutzen fähig war , sich mit andern Gefühlen auf immer von ihr losreißen können . Auch die politischen Betrachtungen , die du mir bei dieser Gelegenheit mittheilst , stimmen sehr mit meiner ehmaligen Meinung überein . Aber ich habe seitdem gefunden , daß wir uns fast immer irren , wenn wir meinen , die Dinge in der Welt würden , wofern sie anders gegangen wären , besser gegangen , oder das Gute , das uns recht ist , würde auch ohne das damit verbundene Schlimme , das uns nicht recht ist , erfolgt seyn . Ich zweifle z.B. nicht , daß Athen bei der Solonischen Verfassung - wenn sie unverändert beibehalten worden wäre , und nichts von außen ihr Emporkommen verhindert hätte - eine wohlhabende , blühende , auf lange Zeit glückliche Stadt geworden wäre : aber was sie jetzt ist , was wir am meisten an ihr bewundern , was sie zur einzigen in ihrer Art und zur wahren Hauptstadt der Welt macht , hat sie durch zwei Männer von sehr ähnlichem Schlage , durch Pisistratus und Perikles erhalten , und diese hätten in der Solonischen Aristo-Demokratie nimmermehr das Ansehen , die Gewalt und die Mittel erlangen können , ohne welche das , was sie zu Verherrlichung und Verschönerung Athens gethan haben , nicht zu Stande gebracht werden konnte . Nur auf den Flügeln einer sehr großen Popularität konnte sich Pisistratus zur Alleinherrschaft emporschwingen , und trotz alles Widerstands der übrigen Aristokraten bis an seinen Tod darin erhalten ; und nur in einer Stadt , wo die höchste Gewalt in den Händen der Volksgemeine lag , konnte Perikles durch seine demagogischen Künste und Talente , indem er sich für einen bloßen Diener des Volks gab , zwanzig Jahre lang ruhiger und unbeschränkter regieren als Pisistratus . Es bedarf , um sich hiervon zu überzeugen , nur einen Blick auf das , was Athen vor der sogenannten Tyrannie des letztern war , und was es hundertundzwanzig Jahre später durch Perikles ward . Als die eigentliche Staatsverwaltung noch größtentheils in den Händen der alten Geschlechter lag , konnten sogar die Megarer den Athenern die Spitze bieten ; konnten ihnen den Besitz der kleinen , beinahe an das Attische Ufer anstoßenden Insel Salamin nicht nur viele Jahre lang streitig machen , sondern sie sogar zu der schmählichen Maßregel treiben , daß sie die Todesstrafe darauf setzten , wenn sich jemand wieder unterstehen würde , den Athenern die Wiedereroberung von Salamin anzurathen . Als hingegen Perikles in dem rein demokratischen Athen alles vermochte , wuchs diese Republik zusehends zu einer Macht heran , die der ganzen Hellas und den Persischen Monarchen selbst furchtbar ward ; und Alcibiades durfte ihnen sogar die Eroberung von Sicilien anrathen , ohne daß sie eine so mißliche Unternehmung über ihre Kräfte hielten . Erst durch Perikles ward Athen der Sitz der Künste und der Philosophie , und um es werden zu können , mußten Umstände sich vereinigen , die nur unter diesen Bedingungen zusammentreffen konnten , mußten eine Menge seltner Menschen , die nur unter diesen Umständen entstehen konnten , das Ihrige dazu beitragen ; - wie du dich leicht überzeugen wirst , wenn du die Geschichte der letzten