, halb geängstigt , um dem Knaben mit der Vorderpfote die Birne aus der Hand zu reißen , aber Kaspar nannte ihn lachend ein » neidisches Tier « und aß die Birne . Eine Traurigkeit , so fährt die Sage fort , begann alsbald den Knaben zu beschleichen , seine Lebendigkeit verlor sich und sein Auge wurde matt . So verging er wie eine Blume . Seine Mutter saß in der Sterbenacht an seinem Bett ; da richtete er sich noch einmal auf , küßte der Mutter die Hand und sprach sterbend aber leise-vernehmlich vor sich hin : Alle Liebe ist nicht stark genung , Ich muß doch sterben und bin so jung . So die Sage . Eh wir aber auf dieselbe in aller Kürze noch einmal zurückkommen , begleiten wir die Uchtenhagen durch ihre letzten Jahre bis zum völligen Erlöschen des Geschlechts . Hans von Uchtenhagen , der überlebende Vater des früh heimgegangenen Kindes , den Freuden dieser Welt für immer abgewandt und ohne tieferes Interesse , das alte Erbe des Hauses zusammenzuhalten , verkaufte , bald nach dem Tode Kaspars von Uchtenhagen , die Stadt Freienwalde samt allen seinen sonstigen Gütern an den Kurfürsten Johann Sigismund , zugleich sich verpflichtend , die reichen Besitzungen jenseits der Oder , die sogenannte Insel Neuenhagen , sofort in kurfürstlichen Besitz übergehen zu lassen . Andererseits ward ihm , dem Hans von Uchtenhagen , die Beibehaltung aller diesseits der Oder gelegenen Besitzungen , namentlich der Stadt Freienwalde , auf die Dauer seines Lebens zugestanden , auch das Recht ihm eingeräumt , bei etwaiger Geburt eines Erben , gegen Rückzahlung der Kaufsumme , in den alten Besitz wieder eintreten zu können . Aber kein Erbe wurde geboren , und in das alte , still und freudlos gewordene Stadthaus der Uchtenhagens , das sich , mit Turm und Zinnen , ein alter gotischer Bau neben der Freienwalder Kirche erhob , trat nur noch der Engel des Todes . Dem Sohne folgte drei Jahre später die Mutter , bis nach abermals zwölf Jahren voll stillen Leids und frommer Betrachtung auch Hans von Uchtenhagen aus der Unrast dieser Zeit eintrat in das Reich des ewigen Friedens . Das Kirchenbuch berichtet : » Anno Domini 1618 , am Abend Judica des 21. Martii , zwischen 12 und 1 Uhr , ist der Edle , gestrenge und Ehrenveste Hans von Uchtenhagen , dieses Städtleins Erbherr und Junker und der letzte dieses Geschlechts , selig im Herrn eingeschlafen und verschieden , und danach am Sonntag Exaudi ( war der 17. Mai ) allhier in St. Nicolaus-Kirche unter den Altar in sein gewölbtes Begräbniß , nach adliger Weise , zu seiner in Gott ruhenden Frauen und Söhnlein gesetzet , da er in seinem gantzen Alter das 64. Jahr erreicht hatte . « So weit das Kirchenbuch . Helm und Schild waren ihm in die Gruft gefolgt , Freienwalde wurde kurfürstlich , und nur das Wappen der Stadt : das rote Rad im silbernen Felde , deutet bis diesen Tag auf die Uchtenhagensche Zeit . Das Geschlecht ist erloschen , und es erübrigt uns nur noch die Frage : Was blieb in Freienwalde und Umgegend von Erinnerungsstücken an die Uchtenhagensche Zeit ? Doch noch mancherlei . Das wohlerhaltene und bis diese Stunde bewohnte Amtshaus des Dorfes Neuenhagen , früher eines der Schlösser der alten Familie , darf an sich als ein solches Erinnerungsstück gelten und die gewölbte Schloßkapelle mit Stuckaltar und symbolischen Figuren 13 verlohnte wohl , zu anderer Zeit , eine eingehendere Besprechung , als ich ihr in untenstehender Anmerkung gebe . Aber heute verweilen wir an dieser Stelle nicht länger und treten vielmehr dort ein , wo die alte Zeit der Uchtenhagens in Bild und Wort am vornehmlichsten zu uns spricht : in die alte Kirche von Freienwalde . Die Uchtenhagen haben sie gebaut , und sie ist das eigentliche und beste Monument des heimgegangenen Geschlechts . Bis vor wenigen Jahren lagen noch verschiedene Grabsteine vor den Stufen des Altars , unter dem in gewölbter Gruft die Toten ruhten ; – nun sind die Grabsteine fort und die Gruft ist verschüttet . Aber anderes ist geblieben . Über der niedrigen Sakristeitür , zur Linken des Altars , befindet sich das beinahe lebensgroße Bildnis Kaspars von Uchtenhagen , desselben , von dem die Sage erzählt , daß Bosheit ihn vergiftet habe . Das Bild ist , mit Rücksicht auf die Zeit , in der es entstand , eine vorzügliche Arbeit . Beschreib ' ich es . Ein Tischchen steht zur Seite mit einer roten Decke darüber ; auf dem Tische liegt die hohe Sammetmütze des Knaben , in Form und Farbe den Otterfellmützen nicht unähnlich , denen man noch jetzt in den Oderbruchgegenden begegnet ; vor dem Tisch aber steht der Knabe selbst ; blaß , durchsichtig , mit schmalen Lippen und rotblondem Haar , ein feines Köpfchen , klug , und durchgeistigt , aber wie vorausbestimmt zu Leid und frühem Tod . Seine Kleidung zeigt reicher Leute Kind . Ober dem roten Unterkleid trägt er einen grünen Überwurf mit reichem Goldbesatz , und eine getollte Halskrause , weiße Ärmelchen und schwarze Sammetschuhe vollenden seine Kleidung und Erscheinung . In der Rechten hält er eine schöne , große Birne , während ein Bologneser Hündchen bittend , liebkosend an ihm emporspringt . Die Umschrift aber lautet : » Da ich , Caspar von Uchtenhagen , bin gewest dieser Gestalt , war ich viertehalb Jahr alt , Anno 1597 den 18. November . « Es ist ersichtlich , daß dies überaus anziehende Bild , das wirklich eine Geschichte herauszufordern scheint , die äußere Veranlassung zu jener Sage gegeben hat , die ich bereits erzählt habe . Die Birne , das Hündchen , der Ausdruck von Wehmut in den Zügen , dazu der frühe Tod , – es hätte , der Kiezer und ihrer sagenbildenden Kraft ganz zu geschweigen , in den Herzen der Freienwalder selbst kein Fünkchen Poesie lebendig sein müssen , wenn sie sich die Gelegenheit hätte entgehen lassen wollen