an meine Brust , nickte mit großer Freundlichkeit und sagte : » Lassen ' s schaun , haben ' s wirklich ein Herz ? « » Ich glaube , ja ! « antwortete ich und sah das liebreizende , ganz nahe Gesicht mit offenem Munde an . Sie nickte nochmals , und wir wollten in dem wieder gelösten Tanzwirbel dahinfahren , als Huldas Freundin uns fand , anhielt und ihr Hut und Tuch mit der Ankündigung übergab , sie wolle jetzt heimgehen , da sie in der Frühe wieder zur Arbeit müsse . » Auch ich muß um sieben Uhr dahinter sein ! « rief Hulda lachend ; » denn ich habe wegen der Fahnenschneiderei meine gewohnte Kundschaft vertröstet und soll ' s nun nachholen ! Aber ich mag doch nicht gleich jetzt nach Hause ! « » Nun , du kannst ja noch ein Weilchen bleiben « , sagte die andere , » unser guter Bekannter und Freund geleitet dich nachher schon sicher heim , nicht wahr , Sie sind so gut , Herr Stangenmacher ? « Ich versprach gern , den Dienst zu übernehmen , worauf das letzte der Liebespaare sich verabschiedete , Hulda dagegen mit mir an den verlassenen Tisch zurückkehrte . Wir saßen nun allein unter den Silberpappeln ; der Mond stand hoch am Himmel , uns daher nur noch durch den grauen Schimmer bemerkbar , der in den obersten Gewölben der Baumkronen lagerte ; unten war es ziemlich dunkel , denn auch der Fluß glänzte nicht mehr an jener Stelle , und die Laterne war erloschen . » Da wollen wir noch ein klein wenig ausruhen und dann auch gehen ! « sagte sie und lehnte sich ohne Bedenken in meinen Arm , den ich um ihre Hüften legte . Ich zog indessen den Arm zurück , um ein Glas Punsch oder heißen Wein herbeizuschaffen . Allein sie verhinderte mich und stellte selbst die alte Lage wieder her . » Nicht trinken ! « sagte sie leis , » die Lieb ist eine ernstliche Sach und will nicht betrunken sein , auch wenn sie nur Scherz ist ! « » Was wissen Sie denn schon so viel von Liebe , schönstes Kind , das ja in der Tat fast noch ein Kind ist ? « » Ich ? Gerade siebzehn Jahre bin ich ! Seit fünf Jahren steh ich ganz einzig in der Welt und habe mich jeden Tag , vom zwölften Jahr an , mit Arbeit ehrlich erhalten und viel erfahren . Darum lieb ich die Arbeit , sie ist mir Vater und Mutter ! Und nur eines gibt ' s , das ich ebenso liebhabe , nämlich die Liebe . Eher sterben als nicht lieben ! « » Ei , du süßes Zuckerbrot ! « sagte ich und suchte den rosigen Mund zu erkennen , welcher solche Worte hervorbrachte . » Bin ich ? « flüsterte Hulda ; » glaubten Sie , ich sei von dem Holz , aus welchem man Essig macht ? Schon zwei Liebhaber sind in diesem Herzen gewesen ! « » Himmel , schon zwei ! Wo sind sie hin ? « » Nun , der erste war noch zu jung und hier in der Fremde ; der mußte weiterwandern und hat mir dann geschrieben , daß er in der Heimat ein Liebchen habe , das er einst heiraten werde . Da gab ' s Tränen ; aber das konnte mir nicht helfen . Dann kam der zweite , der wollte aber nicht arbeiten , und ich mußt ihn beinah ganz erhalten ; das ging nicht auf die Dauer , auch schämt ich mich für ihn und ließ ihn laufen ! Denn wer nicht arbeitet , soll nicht nur nicht essen , sondern braucht auch nicht zu lieben ! « » Und läuft dieser hier in der Stadt herum ? « » Leider nicht , denn er ist eingesperrt , weil er etwas Schlechtes verübt hat , als ich ihm nichts mehr gab . Darüber hab ich mich so geschämt und gegrämt , daß ich ein halbes Jahr lang niemand anzusehen wagte ! « » Aber jetzt kann ' s wieder angehen ? « » Gewiß ! Wer wollte sonst leben ? « Ich wurde immer verwirrter , das jugendliche Geschöpf mit solchem Bewußtsein , solcher Bestimmtheit und Leichtfertigkeit sprechen zu hören , eine so zarte , zerbrechliche Existenz sich erklären zu hören , daß sie in Arbeit und Liebe aufgehe und sonst nichts von der Welt begehre . Und doch war es wiederum wie eine Erscheinung aus der alten Fabelwelt , die ihr eigenes Sittengesetz einer fremden Blume gleich in der Hand trug . Es wurde mir zu Mut , als ob eine wirkliche Huldin sich aus der Luft verdichtet hätte und mit warmem Blute in meinen Armen läge . Unser Reden war bereits ein leises Kosen geworden ; nach einem Weilchen flüsterte sie mir zu : » Und wie steht es denn mit Ihnen ? Sind Sie frei ? « » Leider ganz und gar seit Jahren ! « » Nun denn , so lassen Sie uns ganz still und gemächlich eine Bekanntschaft anfangen und ruhig sehen , wohin sie uns führt ! « Diese prosaisch gemeinen Gewohnheitsworte sagte sie aber mit der Stimme und dem Ausdrucke eines Mägdleins , das sein erstes Geständnis preisgibt , oder gewissermaßen mit dem Tone eines jener unsterblichen Wesen , das die Gestalt einer armen Dienstmagd angenommen hat , um in ewiger Jugend und Neuheit einen Liebeshandel zu eröffnen . Freilich lag hierin auch die Sicherheit , daß sie über meinen Verlust ebenso unbeschädigt zur Tagesordnung gehen würde wie über jeden andern . Das fühlte ich deutlich und suchte dennoch ihre kleine Hand und ihren Mund , der mir mit ambrosischer Frische entgegenkam , so rein und duftig wie eine aufgehende Rose . » Nun wollen wir gehen ! « sagte sie ; » wenn Sie so gut sein wollen , mich bis zu meiner Wohnung zu begleiten , so sehen