ich bin uneigennützig . « » So uneigennützig , daß mir ordentlich vor dir graut . Du hast alle Anlage zu einem vortrefflichen Kuppler . Gott stehe dir bei , oder dem armen Menschen , gegen den du agirst . « » Nun also bis acht Uhr ! « sagte lachend der Andere ; worauf er dem Freunde die Hand schüttelte und sich empfahl . Graf Fohrbach begleitete ihn bis in den Vorsaal , wo die Wachen langweilig auf und ab schritten , und wo der einzige Lakai , der keinen Vorwand gefunden , sich zu entfernen , hinter dem Ofen saß und sanft den Schlaf des Gerechten schnarchte . Fünfundfünfzigstes Kapitel . Einladungen zu Hofe . In sein Zimmer wieder zurückgekehrt , ging der dienstthuende Adjutant mit leichten , gefälligen Schritten eine Zeit lang auf und ab , von einer Thüre zur andern , bei dem großen Spiegel vorbei , in welchen hie und da einen nicht ganz unzufriedenen Blick zu werfen er sich nicht enthalten konnte . Er träumte von dem Abend , der vor ihm lag , und sein Herz schlug sehr vergnügt ; nur zuweilen blieb er an einem der Fenster stehen , schaute nachdenkend hinaus und zog die Augenbrauen düster zusammen . In solchen Momenten dachte er an die Nebenbuhlerschaft des Herzogs und an alle möglichen Folgen derselben ; er wußte ganz genau , was bei vielen Frauenherzen die Durchlaucht vor einem Namen zu sagen hat . Und dann war auch der Herzog in anderer Richtung ein nicht zu verachtender Gegner . Hübsch war er allerdings nicht , weder am Körper noch am Gesichte , aber er tanzte gut und unermüdlich , und was seine Zunge anbelangte , so war sie glatt und behende wie ein Aal . Wenn Graf Fohrbach das alles überlegte , namentlich aber die Leichtigkeit in Betracht zog , mit der der Herzog fast zu jeder Stunde des Tages die in den Gemächern seiner Mutter oder Ihrer Majestät befindlichen Damen sprechen konnte , so überlief es ihn fröstelnd , er faßte krampfhaft den Griff seines Säbels und bohrte die Scheide so heftig in das Parkett ein , daß ihn der Hofmarschall , wenn er es gesehen hätte , unfehlbar wegen freventlichen Verderbens des königlichen Eigenthums verklagt haben würde . Im anderen Augenblicke dachte er dagegen an die Stunden , die er schon mit Eugenien zugebracht , sei es bei den Hoffesten , sei es im Hause seines Freundes , und wenn er sich diese in ' s Gedächtniß zurückrief , so baute er sich aus Blicken , aus Worten , besonders aber aus einem leisen Drucke ihrer Hand auf seinen Arm , den er einstens zu fühlen geglaubt , die wunderbarsten Luftschlösser und richtete daran seine Hoffnungen wieder empor . - » Heute Abend , « sprach er zu sich selber , » ist in der That ein günstiger Moment , wir sind ganz allein , ich bin überzeugt , Eugen wird diskret sein , und dann will ich doch versuchen , ihr irgend ein Wort zuzuflüstern , was mich weiter bringen soll . - Auf jeden Fall weiter , vielleicht zu einer Entscheidung , sei es nun zu meinem Glücke oder zu meinem Unglücke . « Damit nahm er seinen Säbel wieder in die Hand und begann seinen Spaziergang durch das Zimmer auf ' s Neue , hatte aber dasselbe noch nicht einmal durchschritten , als sich die Thüre des Vorsaals öffnete und der Hofmarschall herein trat , jetzt schon - es war noch nicht vier Uhr , also noch zwei Stunden bis zur Tafel - in großer Uniform , den Hut unter dem Arm , das Gesicht wie gewöhnlich mit äußerster Wichtigkeit hoch empor haltend . Die beiden Herren begrüßten sich , indem der Graf seine ganze Hand hinhielt , in welche Seine Excellenz , wie er es in der Regel zu machen pflegte , nur zwei Finger legte , die aber von dem Adjutanten freundlichst und kräftigst geschüttelt wurden . » Euer Excellenz sind früh bei der Hand , « sagte er hierauf . » Wir haben ja noch zwei volle Stunden bis zur Tafel . Nein , das mache ich mir bequemer ; höchstens eine halbe Stunde vorher wird sich angezogen , eine Viertelstunde darauf steige ich in den Wagen und komme an mit Glockenschlag . « » Dafür sind Sie auch ein freier Mann , mein lieber Graf , « erwiderte seufzend die Excellenz , » haben hie und da , wie heute zum Beispiel , eine kleine Funktion , die aber nach einigen Stunden endet , und an die Sie nicht mehr zu denken brauchen , sobald Sie den Säbel abgeschnallt und den Federhut weggelegt haben . - Aber ich ! - Dienst ! - Dienst ! - Dienst ! von Morgens früh , wenn ich meine Augen öffne , bis Nachts , wenn ich sie wieder schließe ; und auch dann noch oft keine Ruhe , denn ich träume davon . - Eine wahre Sklaverei ! « » Aber Euer Excellenz nehmen alle Dinge zu schwer ; ich glaube , ich würde es mir viel bequemer machen . « » Das glaube ich selbst , « erwiderte der Hofmarschall mit einem wichtigen Lächeln , » aber nehmen Sie mir nicht übel , da würde auch Manches drunter und drüber gehen . « » Das ist möglich : was nicht zu halten wäre , ließ ich eben fallen . « » O ihr jungen Leute habt gut sprechen ! Man muß den ganzen Tag mit Anstrengung aller seiner Kräfte die Zügel halten , denn wie man ein bischen nachläßt , so gibt ' s rechts und links Konfusionen . « » Aber heute zum Beispiel könnte es sich Euer Excellenz doch bequemer machen . Da gibt ' s doch bis zur Tafel nichts mehr zu thun : die Einladungen sind gemacht , das Diner ist seiner Vollendung nahe und die Säle in der besten Ordnung . « Der Hofmarschall war mit einer wehmüthigen Miene an