wurden naß . Dies uneigennützige Werben um das arme , versteinerte Herz that ihr so wohl , als ob es mit Banden des Blutes an sie geknüpft sei . Ehe sie aber zum Schreiben überging , nahm sie die Aussicht wahr , die sich ihr von dort aus darbot , und sie sah , daß sie einen Theil des Bauwerkes übersehen konnte , unbehindert des weiten Blickes , den sie in das Thal von Ste . Roche hatte . Vergessen war die Feder . Mit der gespanntesten Aufmerksamkeit suchte sie , was sie über das alte Schloß erfahren , an das anzuknüpfen , was sie von dem Baue vor sich erblickte . Die lange Reihe der Fenster , zu der auch das gehörte , worin sie saß , endete an einem runden , vortretenden Thurm , an dessen mittleren Fenstern ein kleiner Altan hervorsprang . Elmerice hielt den Athem an ; ihre Wangen glühten ; - das mußte der Eudoxien-Thurm sein ! Am Fuße desselben grünte und blühte ein schmales Gärtchen , welches auf der hohen , wallartigen Untermauerung , die in das Theil reichte , angelegt war . Es war nicht künstlerisch von Gärtners-Hand geordnet ; doch hatte es der Pflege nicht entbehrt . Der Eingang dazu mußte aus Fensterthüren sein , die in der verschlossenen Zimmerreihe lagen , die Emmy Gray behütete . Zwischen Rosenstämmen , die , angebunden und beschnitten , von einer sorgenden Hand zeigten , sah Elmerice sich einen Hügel wölben , mit zartem Rasen überdeckt ; darauf ruhete ein Gegenstand - leuchtend - weiß ; - er hob sich von der Erde ab , wie Menschenformen ! Ihr Athem stockte ; undeutlich verwirrten sich in ihr Begriffe und Gefühle . Die Brücke der Phantasie , wie wir mit kluger Wägung auch den Ankergrund ihr rauben , ist nie ganz zerstört ; sie harrt der Gelegenheit , um immer wieder leicht , von unbekanntem Material erbaut , sich aus dem tiefen Grunde des sehnsüchtigen Herzens vor uns zu erheben und , Sicherheit verheißend , den schönen Bogen in das Wunderland der Fabel hin zu senken , den Weg uns lockend zeigend , den wir bereit sind einzuschlagen , ohne Nachweis zu fordern vom warnenden Verstande , dessen ganzes Reich die zarte Brücke in den Lüften überwölbend deckt . Elmerice hoffte ; wer mag um Rechenschaft sie fragen ? Sie stand auf dem leichten Brückenbogen der Phantasie - und Alle , die dort stehen , hoffen , der Verstand habe sich geirrt ! - Auf der Fensterbrüstung stehend , die schlanke Säule des Fensterkreuzes umschlingend , sich an ihr vorbeugend - so waren ihre Augen auf den geheimnißvollen Gegenstand gerichtet , während Stimmen und fröhliches Gelächter zu ihr drang , dem sie noch immer das Recht der Aufmerksamkeit versagte . Doch näher kam es ; Pferde wieherten - sie schrak zusammen - ihre Augen folgten den Tönen - einem Wunder glich auch , was sich jetzt ihr darbot ! Eine fröhliche Gesellschaft zu Pferde , von Herren und Damen in reicher modischer Tracht , von Dienern in kostbaren Livreen gefolgt , zog durch den Thalweg am Fuße des Walles vorüber . Erstaunt blickte sie zu ihnen nieder ; da ward ihr klar , daß sie der Gegenstand der Beobachtung Aller sei , daß ihr weißes Kleid , vom Abendwinde leicht bewegt , die Blicke zu ihr hingezogen , daß vielleicht in dem verfallenen , menschenleeren Theile des Schlosses ihr Anblick bei den Vorüberziehenden gleiche Gefühle erregte , als die , deren sie sich eben bewußt geworden war . Obwol die Höhe ein Erkennen unmöglich machte , schrak doch ihr Herz zusammen , und schnell tauchte sie nieder und dankte Gott , als die Gebüsche sie verhüllten . Nicht so schnell schien man unter ihrem Fenster sich zu beruhigen . Sie hörte länger noch den Wechsel lebhaft sich unterbrechender Stimmen und wagte , obgleich hinreichend verborgen , doch erst frei zu athmen , als sie den Hufschlag der davon eilenden Pferde hörte . So vernahm sie mit wahrer Erleichterung Asta ' s leises Klopfen an der stets verschlossenen Thür , und auch diese trat so bang bewegt herein , als werde sie verfolgt , und Elmerice gewahrte , daß die kleine Eingangsthüre zur Treppe schon fest verschlossen war . » Was ist geschehen ? « fragte sie das bewegte Kind ; - » was hast Du ? « Und Asta hätte die Frage zurückgeben können , so bewegt sah Elmerice auf ihre kleine Gefährtin , so sicher trug sie die Spuren ängstlicher Neugier . » Ach , « sagte Asta , - » was muß im Schlosse los sein ? Zur Nacht soll es in einem Feuer glänzen , als hielten Geister dort ihr Fest ; - und bei Tage gehen Gestalten aus und ein , wie Keiner sie je gesehen - welche ganz von Gold - Andere in bunten Kleidern , wie die Feen sie tragen ! Dann singen sie und halten Tafel ; - ach , und das Alles uns so nah - wie schrecklich ! Was soll aus uns wohl werden ? Da hält ja kein Schloß , wenn sie wollen ! Gut , daß ich das Stückchen Kohle hatte - ich habe das Kreuz über die Thür gezogen - das ist die einzige Rettung ! « Sinnend hörte Elmerice den Bericht an , und nachdem sie ihn in ihre Sprache umgesetzt hatte , erkannte sie , daß das Schloß von der Gesellschaft bewohnt sein müsse , die sie so eben am Fuße des Walles erblickt habe . Aber wer konnte das sein ? Sie hatte von der Herrschaft dieses Schlosses noch nie gehört ; - wer anders konnte jedoch mit so großem Eigenthumsrechte hier walten ? » Beruhige Dich , Asta , « sagte sie - » das sind Menschen , die das Schloß bezogen , wenn ich auch nicht weiß , wer hierzu das Recht hat . Eben vom Fenster sah ich sie zu Pferde einherziehen ; sie hatten ein eben so