dem Hochaltare und zu beiden Seiten desselben führen die unter einem Überbau befindlichen Stufen in die unterirdische Kirche . Durch Geräumigkeit und überallhin verteilte Zieraten entspricht sie dem oberen Tempel . Eine vierfache Reihe von kurzen , dicken Säulen trägt das Gewölbe , an den Kapitälern der Säulen sind bizarre Vogel- , Schlangen-und Menschenköpfe angebracht ; hinter dem Altare , der sich in der Austiefung nach Morgen befindet , erhebt sich das Kreuz und der Gekreuzigte hängt daran , Maria und Johannes stehen unten am Stamme des Kreuzes und diese ganze Gruppe ist von derber Faust mit grellen Zügen der Trauer und des Schmerzes in Sandstein ausgehauen , den man , in der Absicht zu verschönern , mit glänzend weißer Ölfarbe überstrichen hat . Ringsumher sind Seitennischen , in welchen die Passionsgeschichte in kleineren Darstellungen aus Holz oder Stein erscheint , untermischt mit Grabmonumenten der Äbte , deren einige diesen unterirdischen Ort zu ihrer Bestattung wählten . Die Steine , welche von einem Teile weggebrochenen Mauerwerks herrühren , liegen in einigen unordentlichen Haufen in dem düstersten Teile der Krypte umher , dazwischen liegen auch Pfeiler , welche schadhaft geworden waren und deshalb hölzernen Stützbäumen haben Platz machen müssen , und einer ist schief gegen die Wand gelehnt . Auch hier verbreitete die ewige Lampe ein dämmerndes Licht , welches mit dem durch die kleinen Fensteröffnungen von außen einfallenden Tagesscheine verbunden , die wunderbarsten Schattenspiele um die Gruppe am Kreuz , um die Kriegsknechte , die den Heiland begleiten , um Simon von Cyrene , an den Gräbern , an den Pfeilern und ihren Kapitälern umher schuf , und selbst zwischen den Schutthaufen und den umgewandten Pfeilern dunkle geisterhafte Winkel errichtete . Die Züge des Schmerzes sahen in diesem Lichte noch schärfer und entsetzlicher aus , ein fürchterlicher Hohn schien von den Fratzen an den Kapitälern in sie hineinzuschreien ; Schutt und Trümmer erschienen größer als sie waren . Solche Krypten wurden als Grabeskirchen um die Gebeine der Märtyrer ausgetieft , über welchen sich die Kirchen der alten Zeit erhoben . Denn wie das Heidentum die Erfindungen des Lebens verewigte und die Stätten festlich bezeichnete , wo das Roß entsprang und der erste Ölbaum gepflanzt wurde , so hat das Christentum mit seiner Erfindung Besitz von der Erde genommen , mit dem Grabe . Erst das Christentum hat das Grab erfunden und seine süßen Zauber . Die morschen Knochen der Enthaupteten , Gepfählten und Gesteinigten machten , wo sie lagen , das Land in der Runde umher zinsbar und über dem Erdreiche , welches das Blut der Zeugen gedüngt hatte , blühten die Riesenblumen , die Dome , auf , in welchen Andacht , Askese , Pracht des Kultus und die Magie der Künste wie ein berauschender Duft wallte und wehte . - Geadelt wurden die Grabeskirchen durch den Gedanken an die Katakomben und Höhlen , in welchen die ersten Geschlechter der Bekenner den Auferstandenen feierten , durch den Gedanken an das Grab der Gräber , welches den Auferstandenen zu fesseln unvermögend gewesen war . Der Wanderer erlebte an diesem einsamen Orte , wo alles Gespenstische , Schattenartige , Sonnenabgewandte der Religion sich zu einer Leichenorgie zusammengefunden hatte , eine jener Stunden , die er seine mystischen nennt , von denen er aber nachmals nur stammelnd Rechenschaft zu geben weiß . In diesen Stunden malt ihm seine Phantasie keine glänzenden Bilder vor , noch erlegt ihm der Verstand , der scharfe Schütz , einen haltbaren Satz , noch treibt ihm das Gefühl Tränen in das Auge , sondern er ist in den Dingen und sie sind in ihm . Ihr wesenhaftes Leben ist der Pulsschlag seines Blutes . - Indem er auf einem der umgestürzten Pfeiler saß , den Kopf auf den Arm gestützt , umspielt von den Schatten und Lichtern dieser Grabeskluft , war er in den frühen , buntgemischten Ursprungszeiten des Christentums und sah die Götter im Streite mit dem Lamme . Lamm und Olymp kämpften um die Seelen der gottverworrenen Menschen , die mit der einen Hand sich an dem geheiligten Zeichen der äußersten Schmach , mit der andern an den Hörnern des Altars anklammern . Sie essen das Fleisch und trinken das Blut des Gottes , um den neuen Bund in sich zu stärken ; bis in die Grüfte der Toten wird der verwandelte Wein gespendet , um die Abgeschiedenen von Hades und Tartarus fernzuhalten und im Himmelreiche zu konsignieren , aber das hilft alles nichts , die Götter sind schlau und schleichen sich unter mancherlei Verkleidungen in das feindliche Lager , dort neckenden Mißverstand , Irren und Wirren anzurichten . Der Vogel der Juno spreizt sein Rad an den Wänden der Katakomben aus und schreit von Unsterblichkeit , Bacchus der Gott schickt seine Tiger , schleudert den Wurfspieß in den Weinberg des Herrn , Apoll erinnert sich , wie er bei Admeten die Schafe gehütet , und maskiert sich als guter Hirte , frech zeigt sich sogar der Phallus in der Welt , welche Entsagung buchstabierend einlernt , das allerschwerste Wort , das Wort , immer wieder von der armen Menschenlippe vergessen . Eigentümliches Kampfgewimmel , schwärmendes Larvenspiel der Vorstellungen ! Wunder auf Wunder müssen geschehen , um die Macht des drängenden Paganismus abzuwehren ; diese Zeiten , die man zu den einfachsten , geistigsten des Christentums hat umprägen wollen , sind die sinnlichsten , materiellsten ; man will es mit Händen greifen , das Heilige , der Glaube hat sich in seinen eigenen Tiefen anstatt der Wolken , die Zeus versammelt , und der Furche , in welche Demeter das Korn sät , einen neuen Stoff erzeugt . Dieser Stoff ist die Träne , das Leiden , das Geheimnis , die Entzückung . Er schwelgt an dem Stoffe , er genießt ihn . Und nun ? - Wer mag die Strömung nennen , in welcher das Schiff unserer Tage fährt . Wer das Wort des Rätsels aussprechen , an dem die Geschlechter der Erde nagen ? So viel ist richtig : der Tod und der