Pracht der Blüte im jungen Rot andeutend , und Du hast das Bild von Babetten , weißt , wodurch sie mich so unwiderstehlich fesselt . Fern von städtischer Weichlichkeit ist sie aufgewachsen , kräftig unter den Nußbäumen und Weinranken . Ach , wie wohl tut es , nach so manchem Mischgebräu , was wir haben verschlucken müssen , unsern Gaumen einmal an dem kühlen , klaren Trunke der Quelle laben zu dürfen ! Ich lebe hier unter dem Namen eines Herrn von Müller , der Alte sieht unserm Umgange nach , ich bin mit ihr vom Morgen bis zum Abend , und der Tag ist um , ehe wir uns dessen versehen haben . Deinen Namen muß sie mir hundertmal des Tages nennen , ich empfange ihn von ihren Lippen wie ein heiliges Geschenk des Himmels . Unser ganzes Verhältnis habe ich ihr erzählt , sie liebt Dich , ohne Dich gesehen zu haben , und wenn sie mich küßt , so spricht sie : » Dieser da ist für Dich , und der für Deinen Freund , da Ihr ein Herz und eine Seele seid , so darfst Du nicht eifersüchtig werden . « - Neulich sagte sie mir mit ihrer himmlischen Naivetät : » Du bist ein Edelmann und wirst mich armes Schwabenmädel nur verführen ; wenn das ist , so möchte ich Deinen Freund am liebsten heiraten , bitte , rede mir beizeiten das Wort bei ihm ! « IV. Derselbe an Denselben * den 4. September 1795 Was daraus werden soll ? fragst Du , und hast den Arsenal der Pflichtenlehre geplündert , mich hier in meinem Versteck mit allerhand Tugendermahnungen zu beschießen . Freund , wenn ich in ihren Armen ruhe , möchte ich die ganze Welt beglücken , ich bin so froh , wie Jupiter , wenn er von Liebe geschmeichelt . Regen und Sonnenschein den harrenden Geschlechtern der Menschen sendet . Ich könnte dann alles tun , opfern , hingeben , ein weinendes Auge zu trocknen , einer guten Seele eine freudige Minute zu schaffen . Ist das nun Laster ? Sind wir nicht schon unglücklich genug durch unsre Verhältnisse , ist dem wundgedrückten Sklaven auch das versagt , auf eine kurze Stunde die Kette zu lockern , die sein Fleisch schmerzlich preßt ? Hat mich mein Geschick gefragt , ob ich dieses reizende Mädchen lieben wolle ? Sind wir dafür verantwortlich , was ein geheimnisvoller Zug in uns ohne unser Zutun schafft ? Da ich ihre Augen sah , mußte ich in sie mit den Pfeilen meiner Blicke eindringen , da ihre Lippen mir winkten , wie konnten die meinigen widerstehen ? Da an ihrem Busen die süßeste Ruhestätte mir bereitet ward , hätte ich ein Tier sein müssen , mich nicht dort zu betten . Ich wälze abenteuerliche Plane um . Meine Frau macht sich nichts aus mir , mein Vater hat mich nie geliebt , was bin ich ihnen also ? Mein Dasein ist ihnen völlig unnütz , und ich bedarf wieder der Flittern des Standes nicht . Wenn ich mich mit der , die meine Seele liebt , verberge , weit , weit hinter großen Strömen und undurchdringlichen Wildnissen , und löschte aus im Angedenken der Menschen , außer in Deinem , in dem unterzugehen , für mich der moralische Tod wäre , härter als der physische . V. Derselbe an Denselben * den 8. September 1795 Daß mich meine Narrheit zwingt , alles Dir zu vertraun , obgleich ich weiß , daß Du schmälst ; aber ich besitze und genieße etwas nur , wenn ich es mit Dir teile . Ich merke es Deinen Briefen an , besonders dem letzten , daß Du mit mir zürnest , Du sprichst keine Vorwürfe mehr aus , aber alle Zeilen sind ein Vorwurf . Da wäre es nun an der Zeit , sich auch zurückzuziehn , bis der böse Freund dem andern seine Wonne mit gutem Herzen gönnte . Aber ich kann das nicht , zu meinem Glück oder Unglück ist mir die überströmende Seele gegeben , die nur in schrankenlosem Vertrauen , in unendlicher Hingebung sich befriedigt fühlt . Ich lebe jetzt mit Babetten auf diesem alten Bergschlosse , tief im wildesten Gebirg . Der Vater , nachdem er unsre Liebe lange toleriert , wollte auf einmal den Strengen spielen , untersagte mir das Haus , sperrte mein Mädchen ein . Gegen Zwang hat sich seit Adams Zeit noch immer die freie Liebe empört ; in einer Nacht , welcher Venus den funkelndsten Schein spendete , folgte mir die Getreue , die Holdselige . Nun führen wir , von Waldkronen umrauscht , zwischen Trümmern und Klippen hausend , ein Leben wie die Ritter und ihre Trauten in den alten Märchen . Es ist , außer einem alten Pachter mit seiner tauben Magd und einem halb blödsinnigen Knechte keine Menschenseele in diesem Steinklumpen , auch wohnen auf eine Stunde Weges hin keine Leute . Diese Einsamkeit hat etwas Großes , wundersam Süßes . Wenn die Sonne den Wald in einen grüngoldnen Zauberpalast verwandelt , oder der Sturm , wie der Atem des Geistes , durch die Zweige der Buchen geht , und ich mein Mädchen in den Arm fasse , da dünkt ' s uns oft , wir seien dieser Zeit entrückt , und lebten in den Tagen der Fabel . Die Liebe lebt ihre eigne Geschichte , und braucht der Außendinge nicht . Babette besorgt die Küche , ich spalte ihr das Holz , oder suche mit der Jagdflinte ihr einen Braten zu erlegen , und wenn ein Gericht wohl geraten ist , oder mein Weidwerk gute Beute gab , so sind das große Ereignisse , an welchen wir lange nachzuzehren haben . Sie hat mir eines nicht versagen dürfen , was ich Dir zitternd , leise und scheu , wie ein Kind , das vor der Mutter sich fürchtet , vertraue . Wenn Dunkel sich über Berge und Täler goß , und auch die Abendlampe erlosch , dann ruhe