sich etwas erholt hatte , aber noch nicht so sehr , daß er das Unschickliche seiner Kleidung hätte bemerken können . So lebt mein Sohn ! sagte die Gräfin mit bebender Stimme und drängte sich zu dem jungen Krieger . O ! sprechen Sie , wo lebt mein Sohn , und ist er gesund ? Werden wir ihn mit reiner Freude in unsere Arme schließen ? Der junge Mann , den , wie es schien , die vornehme Umgebung und alle die Anzeichen des Reichthums , die er vielleicht mit Evremont in seinen jetzigen Verhältnissen niemals in Verbindung gedacht hatte , etwas in Verwirrung setzten , sagte : Wenn es derselbe ist , von dem ich Ihnen Briefe bringe , der lebt , und ich habe ihn gesund bei meinen Eltern verlassen . Er ging hierauf nach dem Vorzimmer zurück und brachte ein versiegeltes Paket , das er dem Grafen reichte . Alle drängten sich hinzu , auch Dübois ; Alle erkannten sogleich die Züge der geliebten Hand . Ein allgemeiner Ausruf der Freude entschwebte allen Lippen . Der Graf hielt seine Thränen nicht zurück und sagte : Sie sind uns ein Bote des Himmels , Sie bringen nach jahrelangen Leiden Trost und Ruhe meiner kummervollen Familie . Die Gräfin faßte mit ihren bebenden Händen die Hand des jungen Mannes und sagte fast schluchzend : Im Hause Ihrer Eltern lebt mein Sohn ? O ! wenn Sie nach überstandenen Gefahren zu Ihrer Familie zurückkehren , dann wird Ihre Mutter fühlen , welchen Trost Sie mir heute gebracht haben . Emilie hob ihr schönes Kind empor und sagte , indem sie die Thränen ungehindert fließen ließ , die wie Perlen über die in erhöhter Farbe brennenden Wangen flossen : Sieh , Adalbert , dieser Herr bringt Nachricht von Deinem Vater . Der Kleine mißverstand die Mutter , und indem er die zarten kleinen Arme um den Nacken des jungen Mannes schlang und mit den rothen Lippen , wie mit frischen Rosen , die gebräunten Wangen des fremden Kriegers berührte , fragte er : Bringst Du meinen Vater mit ? Vom Gefühle der Rührung überwältigt , zog der junge Mann das Kind von den Armen der Mutter , und dessen schöne Augen küssend , sagte er : Wie sprechend sieht er seinem Vater ähnlich ! Das Kind , das die Frage , die es eben gethan , schon wieder vergessen hatte , spielte ruhig an der Brust des Fremden mit den sich vielfach kreuzenden Schnüren an dessen Uniform , die seine ganze Aufmerksamkeit erregte . Der Sturm des Entzückens legte sich endlich . Der übermäßig quellende Strom der Freude floß sanfter , und Dübois bemerkte mit Entsetzen , wie sehr er durch seine unanständige Kleidung die gewohnte Ehrerbietung gegen die gräfliche Familie verletzt habe . Er entfloh beschämt , um seinen Anzug eilig zu vollenden . Der fremde Offizier machte endlich eine Bewegung sich zu entfernen , doch die ganze Familie bestürmte ihn mit Bitten diesen Tag zu bleiben . Er gestand , daß er zwei Nächte gereist sei , um seinem Freunde Evremont Wort halten zu können und dessen Briefe selbst zu überreichen , daß er aber nun einiger Ruhe bedürfe und dann schleunig aufbrechen müsse , um zur bestimmten Zeit bei dem General einzutreffen , der ihn nach Petersburg gesendet habe und zu welchem er nun zurückkehre . Der Graf berechnete die Zeit , und versprach für Courierpferde zu sorgen und eine ziemliche Strecke ihn durch eigene Pferde zu befördern , und so ließ es sich machen , daß der junge Mann bis zum andern Morgen bleiben konnte . Dübois , der nun völlig gekleidet und gehörig gepudert wieder eingetreten war , übernahm mit großer Freude den Auftrag , für die Bequemlichkeit des Fremden zu sorgen , und es versteht sich , daß er diese Pflicht auf ' s Beste erfüllte . Als der junge Offizier sich entfernt hatte , um einige Ruhe zu genießen , ergriff ein Jeder die für ihn bestimmten Briefe , um nur Einiges flüchtig zu lesen , und sich vorläufig von Evremonts Wohl und der Fortdauer seiner Liebe zu überzeugen . Der Graf besonders konnte das an ihn gerichtete Schreiben nicht so bald beendigen , da es den ganzen Lauf der Begebenheiten enthielt , die den Schreiber seit der Schlacht bei Borodino betroffen hatten . Man beschloß also , dieß alles in seinem ganzen Umfange gemeinschaftlich nach der Abreise des Fremden zu lesen , um gegen den , der so hoch beglückende Nachrichten gebracht hatte , die Erfüllung der Gastfreundschaft nicht zu versäumen . Auf seine Erkundigungen erfuhr der Graf , daß sein Gast in einen sanften , tiefen Schlaf versunken war . Er befahl ihn nicht zu stören , da der junge Krieger dieser Erholung vor Allem zu bedürfen schien , und begab sich zu dem General Clairmont , um ihm die Freude mitzutheilen , die so eben die Familie beglückte . Gott sei gelobt , daß er lebt ! rief der General , den eigenen Trübsinn bei dieser Nachricht vergessend . Ich gestehe Dir , fuhr er fort , ich habe oft im Stillen gefürchtet , wir würden nie wieder von ihm hören , und mochte nur meine Furcht nicht zeigen , um Euch nicht die Hoffnung zu nehmen , die Ihr , wie es mir schien , aller Wahrscheinlichkeit zuwider hegtet . Willst Du nun nicht wieder Theil an der Gesellschaft nehmen ? fragte der Graf ; willst Du nicht den jungen Mann selbst über Evremont sprechen ? Nein ! rief der General verdrüßlich nach kurzem Schweigen . Ich will den Russen nicht sehen . Nun eilen sie alle nach Frankreich , und meinen dort leicht Lorbeeren zu gewinnen und unsern Ruhm zu verdunkeln ; ich mag solchen anmaßenden Menschen gar nicht sprechen . Morgen , wenn er abgereist ist , dann theile mir aus Evremonts Briefen alles mit , was nicht allein für die Familie gehört , und Du wirst sehen , daß ich mich Euers Glückes freuen kann ; aber