lebendig und heiter wie ein Sonnengott im Morgenrot ins Angesicht und drückte ihre Hände . Sie wollte sie heftig wegziehen . » Gib sie mir ewig ! « sagte er heftig . - » Kühner Mensch , « ( sagte sie verwirrt ) » wer bist du ? - Kennst du mich ? - Wenn du bist wie ich , so schwöre und sage , ob du immer wahr gewesen ! « - Albano sah gen Himmel , sein Leben wurde gewogen , Gott war nahe bei ihm , er antwortete sanft und fest » Linda , immer ! « - » Ich auch ! « sagte sie und neigte schamhaft das schöne Haupt an seine Brust , hob es aber sogleich wieder auf mit den großen feuchten Augen und sagte schnell : » Gehen Sie jetzt ! Früh morgens kommen Sie , Albano ! Addio , addio ! « - Die Mädchen kamen herauf , Albano ging hinab , die Brust gefüllt mit Lebenswärme , mit Lebensglanz - die Natur wehte mit frischern Düften aus den Gärtern her - das Meer rauschte unten wieder , und auf dem Vesuv brannte eine Amors-Fackel , ein Freudenfeuer - - durch den Nacht-Himmel zogen noch einige Adler nach dem Mond wie nach einer Sonne - und an das Himmels-Gewölbe war die Himmelsleiter aus goldnen Sprossen von Sternen gelehnt . Da Albano so einsam in der Seligkeit ging , aufgelöset in die Wonne der Liebe , in den Duft der Täler , in den Glanz der Höhen , träumend , schwebend : so sah er Zugvögel über das Meer gegen den Apennin nach Deutschland fliegen , wo Liane gelebt . » Heilige droben , « ( rief sein Herz ) » du wolltest dies Glück , erscheine und segne es ! « Unerwartet stand er vor einer Kapellen-Nische , worin die heilige Jungfrau stand . Der Mond verklärte die blasse Statue die Jungfrau belebte sich unter dem Glanze und wurde Lianen ähnlicher - er kniete hin , und heiß gab er Gott die Dankgebete und Lianen die Tränen . Als er aufstand , girrten in Träumen Turteltauben und schlug eine Nachtigall , die heißen Quellen dampften schimmernd , und er hörte das frohe Singen der fernen Menschen herauf . Neunundzwanzigste Jobelperiode Julienne - die Insel - Sonnenuntergang - Neapel - Vesuv - Lindas Brief - Streit - Abreise 111 . Zykel Nach einer langen Nacht wehte der frische Morgen , wo Albano die Schätze des seligsten Traums , die vom Monde geöffneten Blumen des Glücks , vor der Sonne wiederfinden sollte . Ihm jauchzete das Leben , da er die gestrigen Höhen , die vom Firniß des Lichtes überzogen glänzten , wieder bestieg ; nicht zu einem Rosenfest , sondern zu allen Blumen- und Erntefesten auf einmal , zu Myrten- und Lilienfesten , zu Ährenlesen und Blütenlesen ging die Sonne über den glücklichen Boden hervor , und wie ein Pfau mit seinem schleppenden Regenbogen in einen Blütenbaum hineinfliegt , so hob sich der junge Tag farbenschwer und mit Gärten beladen und voll Widerscheine auf die blauen Höhen und lachte kindlich in die Welt . - Albano sah jetzt von seiner Höhe unten das Zauberschloß , worein sich gestern die mächtige Zauberin verloren . Er kam unten an . Ein singendes Mädchen auf dem blumenvollen Dache , das auf ihn gewartet zu haben schien , zeigte , unter dem Fortsingen sich herüberbeugend , ihm das nahe Zimmer unter ihr , in das er gehen sollte . Er trat hinein ; es war einsam - durch die Fenster aus geöltem Papier quoll ein wunderliches Morgenlicht - auf die hölzerne Stubendecke waren Figuren aus dem Herkulanum gemalt - in einer kampanischen Vase standen gelbe Schmetterlingsblumen und Myrtenblüten und zogen einen süßen Duftkreis um sich her . Die sonderbare Umgebung umschloß ihn immer enger , da er gar einige Bilder und Geräte fand , die ihm bekannt vorkamen . Endlich erblickte er bestürzt auf dem Tische einen halben Ring . - Er nahm seinen halben hervor , den er im gotischen Zimmer in jener Geisternacht von der angeblichen Schwester bekommen und den er für den Zufall der Vergleichung immer bei sich trug . Er drückte die Halbzirkel ineinander - plötzlich schlossen sie einfassend sich zu einem festen Ringe zu - Gott ! dacht ' er , was greift wieder ins Leben ! - Da wurde hastig die Tür geöffnet , und die Prinzessin Julienne eilte lächelnd und weinend herein und rief , ihm zufliegend : » O mein Bruder ! mein Bruder ! « - » Julienne , « ( sagt ' er ernst und innig ) » bist du endlich meine Schwester wirklich ? « - » O lange genug ist sie es « , versetzte sie und sah ihn zärtlich und selig an und lächelte ins Weinen . Dann umarmte sie ihn wieder und sah ihn wieder an und sagte : » Du schöner Albano-Bruder ! - So lange bin ich wie ein Mond um dich herumgezogen und mußte kälter und weiter bleiben wie er ; und will ich dich auch ausnehmend liebhaben , so recht zurücklieben und vorwärts dazu ! « - » Allmächtiger ! « ( brach Albano weinend aus , da er sich so plötzlich von einem gebenden Arm aus der Wolke umschlungen fand ) » das alles gibst du mir auf einmal jetzt ? « - » Ach , « ( rief Julienne lebhaft ) » weint ' ich nur auch vor lauter Freude ! Aber ich esse mein bitteres Stück Schmerz mit dazu ! Lieber Bruder , Luigi schreibt mir gestern aus Pestitz , ich sollte zurückeilen , sonst erleb ' er schwerlich meine Wiederkunft . Dacht ' ich das bei der Abreise ? So soll ich , was ich mit der einen Hand einnehme , mit der andern ausgeben . « Albano schwieg dazu , weil er am Fürsten keinen Anteil nehmen konnte . Desto mehr erquickt ' er sich mit frischer klarer Freude am offnen wehenden Orient der