die mindeste Ahnung gehabt hätte , wie weit eine verboste poetische Wespe die Rache zu treiben fähig ist . Der wüthende Komiker rächte sich an ihr152 durch eine sogenannte Anti-Lais , die an Bosheit und Bitterkeit selbst die berüchtigten Jamben des Archilochus übertrifft , und wirklich in ihrer Art für ein Meisterstück gelten kann . Indessen hat Lais gleichwohl alle Ursache , eben so gleichgültig bei diesem Schmähgedichte zu seyn , als es Sokrates bei den Aristophanischen Wolken war : denn das schändliche Zerrbild , das der beleidigte Witzling von ihr aufgestellt hat , sieht ihr nicht ähnlicher , als der After-Sokrates des Attischen Satyrs dem Sohne des Sophroniskus . Auch habe ich sie selbst darüber ganz unbefangen scherzen gehört , und in Korinth wenigstens ist niemand , der , wenn er gleich die Verse mit Vergnügen las , von dem Verfasser nicht mit der größten Verachtung spräche . Ich müßte mich sehr irren , oder die wahre Ursache der Veränderung , die den Korinthiern so seltsam vorkommt , liegt viel tiefer als sie sich einbilden . Lais ist noch nicht vierzig Jahre alt ; ihre Schönheit ist von der dauerhaftesten Art , und was sie vom Glanz der ersten Jugendblüthe verloren haben kann , wird durch die Kunst des Putztisches so leicht ersetzt , daß ihr niemand , der sie zum erstenmale sieht , über fünfundzwanzig geben wird . Eben so leicht würde es ihr seyn , die Erschöpfung ihrer Casse zu ersetzen , wofern diese der Grund ihrer veränderten Lebensart wäre ; denn es hinge noch bloß von ihr ab , so viele freigebige Anbeter zu haben als sie wollte . Ich kenne sie vielleicht noch nicht genug , daß ich mir anmaßen dürfte , sie errathen zu haben : aber alles was mir , seitdem ich sie zu Aegina täglich zu sehen Gelegenheit hatte , eine ziemlich ruhige Beobachtung von ihrem Innern verrathen hat , überzeugt mich , daß sie mit sich selbst unzufrieden ist , und wider Willen gewahr wird , sie habe die Glückseligkeit auf dem unrechten Wege gesucht , aber von dem einzigen , worauf die Natur selbst ihr Geschlecht leitet , sich schon zu weit entfernt , als daß sie nur daran denken könnte , ihn noch einzuschlagen . Ich bin gewiß , eine innerliche Stimme , die sich weder durch Vernünftelei noch Zerstreuung beschwichtigen lassen will , nöthigt sie , das Loos Musarions und Kleonens beneidenswerth zu finden , wiewohl ihr Stolz ihr nie erlauben wird es zu gestehen . Aber daß es Augenblicke gibt , worin sie es sich selbst gestehen muß , und daß diese Augenblicke immer häufiger kommen , das ist es vermuthlich , was sie mit sich selbst in Zwietracht setzt , und ihr zu einer Quelle peinlicher Empfindungen wird , welche sie wechselsweise bald unter einer reizend muthwilligen , bald witzelnden , bald philosophirenden Laune zu verbergen sucht , aber durch die Anstrengung , die es sie zuweilen kostet , nur zu sichtbar macht . Uebrigens scheint mir auch ohnedieß nichts natürlicher , als daß sie ihrer bisherigen Lebensart endlich überdrüssig werden mußte . Hat sie nicht von allem , was man auf dem Wege , den sie einschlug , genießen kann , das Höchste bis zur Uebersättigung genossen ? Was bleibt ihr übrig ? Die Anbetung der Männer und der Haß der Weiber kann ihr kein Vergnügen mehr machen . Die Täuschungen , wodurch die Eitelkeit , Unschuld , oder Schwäche eines schönen Weibes sich selbst über das , was die Männer Liebe nennen , verblenden kann , hat vermuthlich bei ihr nie stattgefunden ; und das Spiel , das sie so lange mit ihnen getrieben hat , macht ihr so wenig Kurzweile mehr , als die ewigen Feste und lärmenden Lustbarkeiten , wo die Freude eben darum immer auszubleiben pflegt , weil sie so laut und gebieterisch herbeigerufen wird . Ihr prächtiges Haus , ihr zauberischer Landsitz zu Aegina , die Juwelen und Kostbarkeiten aller Art , womit Arasambes sie überhäufte , ihre Gemälde und Statuen , die Umgebung von einer ganzen Schaar auserlesener talentvoller Mädchen , die sich in die Wette beeifern ihr Vergnügen zu machen , das alles besitzt sie schon zu lange , als daß es noch einigen Reiz für sie haben könnte . Die arme Frau hat alles , das Einzige ausgenommen was sie glücklich hätte machen können ; und dieß Einzige ist nicht mehr in ihrer Gewalt , und ist es vielleicht nie gewesen ! Bei allem dem , solltest du wohl glauben daß sie mir in diesem Zustand von Verstimmung , oder vielmehr in dieser Abstimmung aller Saiten der Laute , die einst so bezaubernde Harmonien von sich gab , in einem gewissen Sinne gefährlicher ist , als vor drei Jahren , da sie noch Vergnügen daran fand , auf ihrem prunkenden Siegeswagen über die Köpfe und Herzen aller Männer wegzurasseln ? Ich kann es mir selbst nicht erklären ; aber ich halt ' es für unmöglich , daß sie in der ersten Blume der Jugend so liebreizend gewesen seyn könne als jetzt ; und ( aufrichtig zu reden ) wofern sie etwa in den nächsten zwanzig Tagen , die ich hier noch zuzubringen habe , in die Laune käme meine Weisheit wieder auf die Probe zu stellen - ich weiß nicht - aber wenigstens hab ' ich mich selbst schon mehr als einmal über dem heimlichen Vorsatz ertappt , ihr das Vergnügen des Sieges nicht sehr theuer zu verkaufen . Learch trägt mir auf , ihn in deinem Andenken zu erhalten , und gedenkt es selbst zu thun , sobald er dir etwas Interessantes zu schreiben haben werde . Die große Kunde , die er von der innern Verfassung der Griechischen Staaten , von ihrer ältern und neuern Geschichte , ihrer Stärke und Schwäche , und dem verschiedenen Interesse , worauf ihre dermaligen Verbindungen und Mißhelligkeiten beruhen , besonders die genaue Kenntniß , die er von seiner eigenen Vaterstadt besitzt , macht den Aufenthalt bei ihm um so