essen , dann stellen wir auch ein Pärlein vor ! « Ich fand diesen Vorschlag sehr angenehm und klug und wurde von einem Wohlgefühl erwärmt , unversehens so gut untergebracht zu sein . Ich lud die artige Hulda daher ein , mir das Traktament zu überlassen ; allein sie tat es durchaus nicht anders als auf gemeinschaftliche Kosten , und als das bestellte Essen anlangte , holte sie ein anständig versehenes Täschchen hervor und ruhte nicht , bis ich ihren Anteil hinnahm . So spiesen wir denn vertraulich und waren guter Dinge ; nur wollte das anziehende Wesen nicht von den Kartoffeln nehmen , die ich zu den Karbonaden , die sie gewünscht , bestellt hatte . Vielmehr sagte sie , es scheine , daß ich noch nie einen Schatz besessen , ansonst mir bekannt wäre , daß Arbeitsmädel , wenn sie feiertags zum Vergnügen gehen , keine Kartoffeln essen wollen . Wie ich das wissen könne , fragte ich , und was denn das für ein Geheimnis sei ? » Weil sie die Woche hindurch sich fast nur von Kartoffeln nähren und davon genug bekommen ! « erklärte sie . Ich drückte mein Mitleid aus , ohne zu gestehen , daß ich schon schlechtere Tage gesehen ; denn das hätte mir ihre Achtung schwerlich erworben , wie ich wenigstens dachte . Inzwischen war von der übrigen Gesellschaft bald das eine , bald das andere Paar zu einem Tanze in den Saal gegangen und wieder erschienen , wodurch unser Tisch abwechselnd leer oder wieder bevölkert wurde . Unerwartet kehrten jetzt zwei Paare in höchster Aufregung zurück und setzten am Tische einen Streit fort , der im Saale ausgebrochen sein mochte . Das eine der Mädchen weinte , die andere schalt , und die dazugehörigen jungen Männer hatten zu tun , den Sturm zu besänftigen und allerlei Angriffe von sich selbst abzuhalten . » Da ist die Geschichte wieder los ! « sagte Hulda ; sich dicht an mich schmiegend , erzählte sie mir mit gedämpfter Stimme , das sei eine Liebschaft übers Kreuz . » Die eine hier hatte nämlich früher den andern zum Schatz und die andere diesen jetzigen ; dann haben sie alle vier , hast du nicht gesehen , gewechselt , und es hat diese jenen und jene diesen zum Liebsten . Aber alle Fronfasten gibt ' s ein jammervolles Gewitter , daß beinah die Welt untergeht . Ein so überzwerches vierspänniges Zeug tut halt nicht gut , es dürfen nur zwei bei einer Sach sein ! « » Aber warum gehen sie denn zusammen , anstatt sich auszuweichen ? « » Das weiß Gott warum ! Immer laufen ' s an die gleichen Orte hin und hocken beieinander , wie wenn sie behext wären ! « Ich war ebenso verwundert über das Phänomen wie Über die Reden meiner blutjungen Freundin . Der Streit , der sich um unverständliche , scheinbar nichtige Dinge drehte , wurde zuletzt so erregt , daß das dritte Liebespaar , welches im Frieden lebte , sich einmischte und mit Mühe einen Waffenstillstand zuweg brachte . Die Krüge , aus denen je zwei der Leutchen tranken , wurden neu gefüllt . Die streitbaren Mädchen schmollten jedoch nicht nur unter sich , sondern auch mit ihren Geliebten . Die Unparteiischen schritten abermals ein , und es wurde auf Huldas Vorschlag beschlossen , die zwei Paare sollten zur gewaltsamen Bezwingung aller Eifersucht und Unfriedfertigkeit einmal wieder jedes mit dem frühern Gesponsen tanzen und keines dürfe dazu scheel sehen . Das wurde denn auch ausgeführt ; die ausgetauschten Paare kamen nach einem langen Tanze zurück , jedes der Mädchen am Arme seines alten Genossen ; allein statt sich nun wieder zu trennen , nahmen beide neu ausgewechselten Parteien ihre Sachen zusammen und zogen , ohne ein Wort zu sagen , auf verschiedenen Wegen von dannen . Ganz verblüfft blickten wir Zurückbleibenden ihnen nach , bis sie verschwanden , und brachen dann in ein helles Gelächter aus . Nur Hulda schüttelte den Kopf und sagte : » Das Lumpenvolk ! « In der Tat hatten sie in dem Tanze nicht die gehoffte sittliche Ausgleichung , sondern lediglich einen neuen Anreiz ihrer Willkür gefunden und mochten sich nun beeilen , nach so langer Trennung die Lustbarkeiten einer Wiedervereinigung zu genießen . Bevor ich mich von meinem Erstaunen über die freien Sitten dieses einfachen Völkchens erholt hatte , fühlte ich die weiche Hand des jungen Mädchens auf der Schulter , das endlich auch einen Tanz zu tun begehrte . Obgleich ich nicht daran gedacht , dergleichen Belustigung zu suchen oder zu finden , mußte ich dennoch willfahren , da sie das als selbstverständlich ansah , auch Hut und Shawl schon der Freundin anvertraute , die mit ihrem Gesellen noch da war . Erst im Lichte des Tanzsaales , in der freien Bewegung sah ich vollends , wie hübsch sie war . Aber bald sah ich sie nicht mehr , sondern fühlte nur noch ihre leichte Last , weich wie eine Flaumfeder , wenn sie einem Geiste gleich dahinflog . Mußten wir aber anhalten , so sah ich bloß die wohlwollend warmen Augen und das zufriedene Lächeln ihres Mundes , während sie mir die gelockerte Halsbinde ordnete oder mich aufmerksam machte , daß am Hemde ein Knopf fehle . Ein heißes Leben schien in dem zartgegliederten Geschöpfe zu atmen und sich als hingebende Güte zu äußern für alles , was ihm nahetrat . Eine mir rätselhafte Zärtlichkeit begann das Wesen von den Augen bis in alle Fingerspitzen zu überwallen , ohne mit einer Spur von falscher Schmeichelei oder gar Gemeinheit vermischt zu sein ; vielmehr war ihr Regen und Bewegen bei alledem so in anmutige Bescheidenheit gehüllt , daß in dem Gedränge der Tanzenden keine Seele etwas davon wahrnahm . Und doch schien sie nicht der mindesten Vorsicht oder Selbstbeherrschung zu bedürfen . Als durch das Ungeschick einiger Leute der Tanz ins Stocken geriet und Hulda an mich gedrückt wurde , verspürte sie meine klopfenden Pulse , legte die Hand