bald erreicht sein ! Da möchte ich den Personen , denen ich genaht bin , so weit es möglich ist , gern freundliche Erinnerungen hinterlassen ! Der Freiherr unterbrach sie . Sie hatte bisher niemals von der Wahrscheinlichkeit ihres frühen Todes zu ihm gesprochen . Er versuchte ihre Ahnung zu bekämpfen , er wollte sich selber die Wehmuth verscheuchen , es gelang ihm Beides nicht . Was uns auferlegt ist , werden wir erwarten und tragen müssen , sagte Angelika ergeben , aber erfülle meinen Wunsch . Lege noch heute Eva ' s Hand in Herbert ' s Hand . Es würde mich schmerzen , wenn er , der uns so schön gedient , und der - jetzt wirst Du mir es glauben - rein und ehrenhaft Dir gegenüber dasteht , unserer mit Abneigung gedenken sollte . Der Freiherr schloß , wie unter einer schmerzlichen Berührung , unwillkürlich die Augen , seine Brauen , seine Lippen preßten sich zusammen : Angelika blieb ruhig und gelassen . Das Erlebte lag weit hinter ihr . Der Tag ist uns , die wir den Bau begründet haben , ein hohes Fest , sprach sie ; Du wünschest ihn der Herzogin zu einem Ehrentage zu machen . Laß ihn für Herbert , für Eva und für ihren Bruder gleichfalls zu einem Tage freudiger Erinnerung werden , und auch mein Herz wird ihn dann als einen doppelt gesegneten empfinden , denn ich werde Deine Verzeihung in der Gewährung meiner Bitte empfangen zu haben glauben . Laß die Vergangenheit begraben sein , laß uns auf die Zukunft blicken , sagte der Freiherr mit milder Abwehr , und sei es , wie Du ' s wünschest . Noch heute will ich Eva meine Zustimmung verkünden . Angelika dankte ihm dafür . Sie wollte Zeit und Stunde wissen ; ihr Gatte bat , ihm dies zu überlassen ; er wollte sich wie immer die Freiheit augenblicklicher Entschließung vorbehalten . Inzwischen war es Zeit geworden , sich nach der Kirche zu begeben . Wie vor acht Jahren fuhr man in vier Wagen durch das Dorf , weniger noch als damals ließen die Gutsinsassen sich blicken . Es war Sonntag ; sie waren vollzählig zu ihrem Pfarrer in die Kirche gegangen . Die Pfarrerin hatte diesen mit Bitten und mit Thränen davon abzuhalten gestrebt , daß er eben an dem heutigen Tage ein Aergerniß gäbe , aber der Pastor ließ es sich nicht nehmen , grade heute mit feurigem Worte sein Herz vor der Gemeinde auszuschütten und sie zu warnen , daß sie sich nicht durch äußeren Glanz und äußeren Vortheil verführen lassen sollte . Der Amtmann und Eva fehlten in der Kirche . Wie sehr sie ihren alten Pfarrer auch verehrten , sie hatten zu viel Freude an dem Ehrentage Herbert ' s ; sie waren dem Baue durch alle seine Stufen mit zu großer Theilnahme gefolgt , als daß sie es sich und Herbert hätten versagen mögen , das schöne Bauwerk in seinem ersten Schmucke zu sehen , die ersten Orgeltöne in diesem Gotteshause erklingen zu hören . Die Wagen machten außerhalb des Kirchhofes Halt . Der Freiherr , seine Gattin am Arme , seinen Sohn an der Hand , durchmaß den mit Blumen bestreuten Weg . Da er und Angelika sich in der Vorhalle mit dem geweihten Wasser netzten , war es ihnen , als hätten sie dies nie zuvor gethan , und es durchschauerte sie feierlich . Von der Herzogin begleitet , begaben sie sich in die herrschaftliche , der Kanzel gegenüber gelegene Loge . Die katholische Dienerschaft aus dem Schlosse hatte unten in den Bänken Platz genommen . Unter dem Portale empfing der Caplan , als Pfarrer der neuen Kirche , den Fürstbischof und sein Gefolge . In vollen , jubelnden Klängen ließ die schöne Orgel ihr Halleluja ertönen , die Chorknaben schwangen die silbernen Weihrauchgefäße , und das große , bischöfliche Kreuz voraufgetragen , schritt der Bischof mit seinem Gefolge dem Altare zu , die erste Messe in der Kirche zu lesen . Dann bestieg der Pfarrer seine Kanzel , und Angelika wie der Freiherr glaubten ein Wunder vor sich zu sehen . Wie verjüngt strahlte sein Antlitz , mit fremdem , mächtig ergreifendem Tone schallte seine Stimme von der hohen Wölbung der Kuppel zurück . Er fühlte die Begeisterung , das Feuer und den Eifer seiner jungen Jahre in sich wiederkehren , die rückwirkende Kraft der Gemeinde erwies sich an ihm mächtig , und er kannte die Herzen derer , zu denen er zu sprechen hatte , genau genug , um die Worte zu finden , mit denen er sie bewegen konnte . Er wußte , was dem Hause derer von Arten fehlte , er war diesem Hause durch ein langes Leben so eng verbunden gewesen , der Freiherr und Angelika waren seinem Herzen jeder auf seine Weise so nahe verwandt , daß es keiner Kunst bedurfte , daß er nur der eigenen Eingebung zu folgen brauchte , um sie mit sich zu erheben . Mit stolzem Selbstgefühle verließ der Freiherr nach beendigtem Gottesdienste seinen Sitz . Er ließ Herbert herbeirufen , um ihn dem Fürstbischof vorzustellen . Angelika sah ihn in diesem Augenblicke zum ersten Male wieder . Als auch sie ihm dankte und ihm ihre Hand hinreichte , wagte er es , sie an seine Lippen zu ziehen , und sie sah Thränen in seinem Auge , die sie sich zu deuten wußte . Ja , sprach sie , ich bin recht krank , aber heute mag ich nicht daran denken , heute ist es auf lauter Freude abgesehen , und ich hoffe Sie am Abende noch zu begrüßen . Die Herrschaften und der Bischof nahmen die Kirche und die Kirchenwohnung in Augenschein ; sie belobten Alle den Baumeister ; Herbert hatte heute ein großes Wohlgefallen an der Anerkennung , denn Eva und ihr Bruder hörten sein Lob und waren stolz auf ihn ; aber der Anblick der Baronin ließ in ihren guten Herzen keine wahre Freude aufgehen . In demselben