erreichte die geheimnißvolle Thüre . Der Schlüssel faßte geräuschlos das Schloß , die Thüre öffnete sich , die Alte schritt über die Schwelle ; und ehe sie dort Fuß gefaßt , blieb Zeit genug , den geöffneten Raum zu erkennen . Aber tiefe Nacht herrschte dort ; die eine Kerze erhellte nur die Thüre , die von Innen , wie von Außen reich vergoldet war - dann schloß sie sich hinter der Alten . - Mit welcher Bangigkeit harrte Elmerice ihrer Wiederkehr ! Es schien ihr eine Stunde - da öffnete sich abermals die Thüre ; das Licht beschien den gramvollen Ausdruck des bleichen , alten Gesichts . Langsam ward Alles verwahrt , und nach einiger Zeit verhüllten die Vorhänge des Bettes das ganze geheimnißvolle Treiben . - Elmerice wußte sich kaum Rechenschaft zu geben von der Empfindung , mit der sie am anderen Morgen das Erlebte gegen den alten Arzt verschwieg , da sich Veranlassung genug zeigte , es ihm mitzutheilen . Schon fühlte sie sich der unglücklichen Alten verbindet ; es schien ihr , sie habe eine Berechtigung zu ihrem Verfahren , das Andere nicht zu beurtheilen verständen ; und das wider Willen abgelauschte Geheimniß verpflichte sie zum Schweigen . Auch war die Aufmerksamkeit des Arztes an diesem Morgen mehr auf Madame St. Albans gerichtet , die , vom Fieber immerfort bewegt , ihn zu beunruhigen schien . Er saß sinnend , ängstlich ihren Puls prüfend , nahm endlich Elmerice in das kleine Nebenstübchen und schüttete ihr seine Gedanken aus . » Das ist seit gestern nicht mehr dasselbe , « sagte er ; - » das wird ein Zehrfieber ! Eine schlimme Sache , mein Kind - und welche Lage für so ein Krankenbett ! Damit nützt sie der Alten nicht , und Beide belästigen einander . Was fangen wir aber an - verdreht wie Beider Köpfe sind ? « » Sprecht mit Veronika , lieber Herr , « rief Elmerice - » ob sie nicht Madame St. Albans zu sich nehmen will und pflegen ; dann bleibe ich bei der alten Mistreß Gray und pflege sie allein . « » Wo denkt Ihr hin ? « lachte der Arzt ; - » Ihr kennt die Alte nicht ; das brächte sie nun vollends zum Rasen ; - dem kann ich Euch nicht aussetzen , das hat sie noch nie geduldet . « » Wagt es dennoch ! « sagte Miß Eton lebhaft ; - » ich habe eine Zusage in mir , daß sie mich dulden wird . Madame St. Albans muß gerettet werden ; eine andere Pflege ist bei der armen Alten nöthig , und also Gott befohlen ! Ueberlaßt es mir , ich werde durchsetzen , was ich will . Sie muß - sie soll - sie wird mich dulden ! « Der Arzt sah in Elmerice ' s sich röthendes Angesicht ; er erstaunte über die Energie des jungen Mädchens , und Elmerice , die seine Gedanken aus seinen Zügen lesen konnte , lächelte und sagte : » Das dachtet Ihr nicht ! Ihr wollt mir den Muth nicht zugestehen , den ich habe . Nun , erfahrt es denn durch das , was ich leisten werde ; laßt alle Zweifel ruhen und thut lieber ohne Zeitverlust , was nöthig ist . « » Du bist ein prächtiges Mädchen ! « rief der Arzt . - » Weiß Gott , Du sollst Deinen Willen haben ! Ordentlich neugierig bin ich , wie Du es treiben wirst ; - und es ist wohl möglich , daß , soll es wem gelingen , es Dir gelingt ! « - Von Madame St. Albans Einwilligung konnte nicht die Rede sein ; sie hatte kein klares Bewußtsein . Veronika war zu Allem erbötig , obwol voll Sorge für Elmerice . Am Nachmittage stand ein Lehnstuhl an Tragstangen gebunden , in dem kleinen Vorflure ; in Betten und Decken gehüllt , ward die Kranke hinein getragen , und der Zug nach dem Pfarrhause begann unter Aufsicht des Arztes und der treuen Veronika . Als Elmerice sich mit ihrer kleinen Gefährtin allein sah , kam eine wunderbare Ruhe , ja , mehr wie das , eine Befriedigung und Freude über sie , deren Grund sie nicht nachfragte , sondern mit dieser Kraft in ihrer neuen Stellung ganz vertraut zu werden suchte . Zierlich wußte sie die Verwirrung zu beseitigen , die sich nach und nach um zwei Krankenbetten angesammelt hatte . Der kleine Raum , der ihr zum Eßzimmer diente , war unschätzbar wegen seines Luftstromes , seiner sonnigen Helle . Veronika hatte ihr ein frisches Bett - einige Bücher - ihren Schreibapparat herbei geschafft ; Alles ward dem vorhandenen , ausreichenden Raume mit seinen reichen Möbeltrümmern angepaßt und gewann bald ein klares , wohnliches Ansehen . - Der Abend war so über Beide unmerklich hereingebrochen , und die Alte hatte in dieser Zeit keine Störung veranlaßt , da es die Zeit ihres Schlafes war . Asta verließ nun das Schloß auf Veronika ' s ausdrücklichen Befehl , um Mundvorräthe einzuholen , und Elmerice hatte sich auf den breiten Fensterrand in das kleine Kabinet gesetzt , und das Tischchen mit Schreibzeug vor sich gestellt , um ihr Tagebuch an Marie Duncan fortzusetzen . Wie wohl that es ihr dabei , daß sie das Lager der alten Menschenfeindin hatte umschleichen können , so Manches für sie bewirken dürfen , ja , der fest Schlafenden eine blühende Rose durch die Vorhänge schieben können , deren süßen Duft sie nun wider Willen einathmete . Den silbernen Becher hatte sie ihr zuerkannt ; er stand auf dem silbernen Teller , mit wohlschmeckendem gemischtem , frischem Quellwasser ; umher lagen einige der schönsten , reifen Früchte , welche ein Aroma verbreiteten , wie Blumen . Alles war auf dem feinen Ebenholztischchen so aufgestellt , daß eine leicht verschobene Falte des Vorhanges es ihr zeigen mußte , wenn sie erwachte . Elmerice lachte vor Freude , als sie damit fertig war , und ihre Augen