der Grund , warum man sie hierher führte , bleibt mir deshalb gleichfalls dunkel . Jedenfalls jedoch haben wir ihre Entführung verhindert , welche , zur Nachtzeit und bei so heftigem Sturme unternommen , entweder das Interesse zeigt , das man an ihren Besitz knüpfte , oder bei der Gefahr , der man sie rücksichtslos aussetzt , auch die empörende Absicht verrathen kann , sie lieber aufzuopfern , als in ihre früheren Verhältnisse zurückkehren zu sehn . - Und glaubt Ihr , Mylord , fragte der Oberst , daß man die Nähe ihrer Freunde ahnete , daß Eure Absicht , sie hier aufzusuchen , errathen war ? Ich darf daran nicht zweifeln , erwiederte Richmond ; langsamer , als ich gewünscht , ist unsere Reise von London hierher vor sich gegangen ; sie mehr zu beeilen , wäre mit Gefahr für das Alter und die Gesundheit des ehrwürdigen Herrn verbunden gewesen , dem ich wiederum eben so wenig voraneilen durfte , da ich seiner vollständigen Kenntniß des Schicksals der Lady in jedem Augenblick bedürfen konnte und auch zweifeln mußte , ob die junge , oft schon bitter getäuschte Dame mir ohne den Schutz ihres anerkannten Freundes folgen würde . Meinen Entschluß , über Dunferling zu gehen , wo , wie ich aus Lanci ' s Erzählung wußte , die einzige bewaffnete Macht vorhanden war , die wir zu Hülfe rufen konnten , wenn der Weg heimlicher Unterhandlung , die uns von einem wohlmeinenden Unbekannten empfohlen ward , nicht zum Zwecke führen sollte , muß ich jetzt als ein großes Glück ansehn , obwol er durch die nothwendige Verzögerung , die er mit sich führte , unser Zusammentreffen mit dem Pater Johannes herbei führte , welchem unsere Absicht zu verbergen , ich gleich für eine Unmöglichkeit hielt und daher den Entschluß faßte , durch eine schnelle Ausführung , wo möglich , seinen Einwirkungen zuvor zu kommen und die Hilfe eines Ehrenmannes in Anspruch zu nehmen ; welches Vorhaben dann durch die Ehre meiner Bekanntschaft mit Euch so sehr begünstigt ward . Der Oberst verneigte sich . Richmond fuhr fort : Lanci vorläufig blos durch meinen persönlichen Beistand zu unterstützen , trieb mich die Ahnung einer nahen Gefahr . Wenige Stunden nach Ankunft des Pater Johann , und nachdem ich ihn über mein Verbleiben getäuscht hatte , eilte ich ohne alle Begleitung fort , dem Master Brixton die Bitte zurücklassend , ferneren Bescheid abzuwarten , und hoffend , durch die Gegenwart desselben und meiner Leute den Pater Johann über meine Entfernung zu täuschen . Auch war damals meine Absicht , den Anspruch an Eure Hilfe nur für Deckung unserer Flucht geltend zu machen , welche ich , ungewiß über die Mittel , die dem Pater Johann zu Gebote standen , um des Fräuleins willen keiner Gefahr aussetzen durfte . Da der Weg jedem Kinde bekannt ist und bei Erreichung der ersten Anhöhe nach Lanci ' s Beschreibung leicht zu finden war , und endlich auch zu Anfang des Waldes ein glückliches Zusammentreffen mit einem Jägerburschen mich begünstigte , so erreichte ich die Wohnung des alten Wildmeisters , wohin mich Lanci verwiesen , von wo aus er selbst alles Weitere zu unternehmen dachte , und wo sich die bequemsten Verstecke vorfanden . Ueberdies war es mir klar geworden , welch unbedingtes Vertrauen in den Alten gesetzt werden konnte . Da ich erst am Abend meine Wanderung angetreten hatte , so war es bereits Nacht , als wir die Wohnung des Wildmeisters erreichten , und als mich Lanci empfangen und mit dem Alten bekannt gemacht hatte , hörte ich den wenige Tage vorher erfolgten Tod des alten Kastellans , an den wir von unserem unbekannten Freunde hauptsächlich empfohlen waren , und durch dessen Mitwirkung mir die Sache allein ausführbar schien . Von diesem Augenblick an gab ich die Hoffnung einer heimlichen Entführung auf und war entschlossen , mich am andern Tage in Begleitung Brixtons , den ich erwarten durfte , und dessen Gegenwart jeden Argwohn fern halten mußte , nach dem Schlosse zu begeben , Einlaß zu begehren und das widerrechtlich gefangen gehaltene Fräulein zurück zu fordern . Als ich jedoch meine Absicht mittheilte , mußte ich entschiedenen Widerspruch erleiden . Lanci warf sich mir fast zu Füßen und berief sich auf seine bestimmten , dem zuwiderlaufenden Befehle , mit einer seltsamen Mischung kindischer Furcht vor dem Zorn desjenigen , der ihn ausgesendet , und einer großen Festigkeit , die sein Alter zu überschreiten schien , in Verschweigung des Namens , den ich ihm nochmals abforderte . Der alte Wildmeister , dessen schweigsame Würde mich sehr anzog , schlug sich endlich , von mir zur Erklärung aufgefordert , auf Lanci ' s Seite ; er sagte , mit dem Finger auf den Brief zeigend , den Lanci an den alten Kastellan überbringen sollte : Lanci nennt zwar auch mir nicht den Namen dessen , der ihn gesendet ; aber ich kenne die Handschrift , und der dies schrieb , wußte Zeitlebens mehr , als andere Menschenkinder , und man hat gut gethan , sich genau nach seinen Vorschriften zu richten . So willigte ich endlich ein , den Besuch des Wildmeisters auf dem Schlosse , wobei er Lanci mitzunehmen versprach , abzuwarten , da dem Fräulein eine Andeutung der Versuche , die zu ihrer Rettung gemacht wurden , zu wünschen war , auch mit Margariths Hilfe sich vielleicht ein Mittel erdenken ließ , die Flucht heimlich einzuleiten , wogegen ich nichts einzuwenden hatte , da Master Brixton dies stets vorzuziehen schien . Wir alle kürzten die Zeit der Nachtruhe ab , und der Wildmeister entfernte sich , beladen mit dem Wildvorrath für das Schloß , worunter er Lanci als Träger zu verbergen hoffte . Der tödtlichen Spannung , worein Unthätigkeit vor einer wichtigen Katastrophe den Geist versetzt , zu entgehn , verließ ich die Wohnung bald nach meinem Wirthe und suchte das Schloß auf , das so wunderbar verborgen , und gleichwohl eine so kühne und sichere Position gefaßt hält . Vergeblich suchte ich