: » ich wünsche sie , mein Vater . Wollte Gott , die unbekannten Herren ergründeten sie beim fröhlichen Sonnenlicht ; aber auch um Mitternacht stehe ich ihrer Ladung , und morgen soll der Frohne nicht umsonst meiner warten . « - » Du wolltest ernstlich ... « - » Soll ich mich verfehmen lassen , mein Vater , um unter dem Messer irgend einer Blindschleiche der Acht zu fallen , sonder Gehör und Vertheidigung ? Oder wäre das ernste Gericht im Grunde nur ein Fastnachtsschwank , den man nur aufführt , sobald sich Zuschauer eingefunden haben ; und unterläßt , sobald kein Mensch seine Ohren dazu leihen will , trotz Heroldsruf und Pfeifenklang ? Ich halte mehr von dem finstern Richterstuhle und will ihm meine Reverenz nicht versagen , damit ich vernehme , wessen man mich eigentlich beschuldigt hat , und mich rein wasche von der aufgelogenen Sünde . « - » Eine trotzige Zuversicht ! « schaltete Diether warnend ein . « - » O , daß Ihr sie nicht theilen mögt , Vater ; « sagte hierauf der Jüngling , und ergriff wehmüthig Diether ' s widerstrebende Hand : » o , daß Ihr der Erste seyd , der den Stein auf mich geworfen , und der Letzte , der ein offnes Ohr für meine Schuldlosigkeit haben wird ! Ich kenne mich selbst kaum mehr , seitdem ich geahnt , seitdem ich vernommen , was in Euerm Herzen vorgegangen , wie sich dasselbe so ganz von mir gewendet . Ich bin irre an mir geworden , ich habe meiner Gedanken innerste Kammer durchsucht , und nicht eine Spur von Gottlosigkeit darin gefunden . Und Ihr - der Gerechte - zweifelt an meiner Seele , - Ihr verdammt mich , während ich rein bin , wie ein hülfloses Kind ! Doch habe ich gegen Euch keine Waffen . Im Gegentheile ; ich wähle Euch zu meinem Beistande vor dem Stuhle zu Sachsenhausen , und gewiß schlagt Ihr mir ' s nicht ab , mich dahin zu begleiten , wo die Wahrheit sich aufthut in finstrer Nacht . « - Diether schrack sichtlich zusammen , und die Vorwürfe seines Gewissens pochten so heftig an sein Herz , daß er kaum eine ängstliche Weigerung hervorbringen konnte . Dagobert sah verdüstert vor sich hin , seufzte , und sagte : » Ihr verstoßt mich ganz , mein Vater . So muß ich denn allein den dunkeln Weg machen . In Gottesnamen ; aber mich betrübt ' s , daß Ihr mir verweigert , warum Wallrade an meiner Statt sicher nicht vergebens gebeten haben würde . « - » Nichts von Wallraden ! « rief Diether ängstlich und unwillig : » Ich bin nicht ungerecht in der Liebe , die ich meinen Kindern schenke . Ich liebte Wallraden , da ich sie fleckenlos glaubte ; aber nun , ... selbst gegen den ihr gehässigen Bruder vertheidige ich sie nicht . « - » Ich hasse ja Wallraden nicht ; « sprach Dagobert ruhig ; » doch ihrem Haß vermag ich nicht verschwenderische Liebe entgegen zu setzen , und darf Euch mit dem heiligsten Eide versichern , daß diese Schwester , Eure Tochter niemals würdig war , unsern Namen zu führen . Wollt Ihr Beweise ... ? « - » Schweig ! « unterbrach ihn Diether heftig : » aus Deinem Munde will ich nicht wieder hören , was ich schon weiß . Welch ein Sieg für Dich und Margarethen ! « - Dagobert zuckte schweigend die Achseln . - Diether fuhr aber entrüstet fort : » Schlange nennst Du Wallraden ; sag ' an , gelehrter Sohn : welch Urtheil fällst Du über Margarethen ? Schenkst Du ihr einen Heiligenschein , oder mußt Du beschämt bekennen , daß sie schlimmer fehlte , als Wallrade ? « - Dagobert schwieg nicht lange . » Dies Bekenntniß vermag ich nicht zu leisten , « sagte er : » daß jedoch Frau Margarethe fehlte , Eurer unwürdig handelte , will ich nicht läugnen . Leider darf ich ' s nicht . « - Triumphirend sah Diether zu ihm empor und rief : » Dank Dir , mein Gott , daß des Sünders Mund so eben die eigne Schuld bekennt in der fremden . « - » Ich begreife kaum mit Sinn und Ohr , was Euer Mund spricht , « erwiederte Dagobert ; » doch schwör ich ' s Euch , daß meine Lippen manches enthüllen könnten , was ich verschweige , weil Frau Margarethe Eure Hausfrau , meine zweite Mutter ist . Die Zeit ersetze das , was ich versäume . « - » Recht ; doppelzüngiger Mensch ; « rief Diether gereizt : » Hülle Dich nur ein in räthselhafte Reden . Deine Vergehen blicken überall hervor , und das strafende Gericht wird nicht ausbleiben . Die Ehre Deines Vaters hast Du mißhandelt ; Deine eigne Ehre in den Staub getreten ; Dein Leben verwirkt durch Deine Buhlerei mit der Jüdin , von welcher die ganze Stadt weiß . « - » Vater ! « rief Dagobert mit flammenden Augen und eilenden Worten : » Beschützt habe ich Eure Ehre , und nie besudelt die meinige . Vater , wer an die reine Sitte der Unglücklichen tastet , der ich Beschützer ward , weil sie keinen Freund auf der weiten Erde hat , - wer Ben David ' s Tochter schmäht , blos deßhalb weil sie eine Jüdin und mir lieb ist , - gegen den zieht mein Zorn zu Felde , und wäre ich gleich sein Sohn . Buhlerei , sagt Ihr ? Die Farbe des reinen Himmels reicht nicht an Esther ' s Unbescholtenheit ; eine Schurkerei habe ich noch nie gedacht . Aber unter meinem Schilde ruht die Taube sicher ; ich verrathe ihre Zuflucht den Feinden nicht , und würde jetzt schon der Holzstoß für mich angezündet . « » Prahlender Wüstling ! « zürnte Diether : » Tritt immer auf in Deiner wahren Gestalt ; fliehe aber die