vergeblich an manchen Tischen vorbei ; zuletzt mußte ich mich entschließen , an einem Platz zu nehmen , an welchem schon Leute saßen , einige junge Frauenzimmer mit ihren Freunden oder Verwandten . Das Halbdunkel der hohen Bäume war durch eine bunte Papierlaterne etwas erhellt , aber nicht genug , daß das mondbeschienene Wasser um seine freundliche Wirkung gekommen wäre und das Gestirn matter durch die liste gefunkelt hätte . Als ich , leicht den Hut rückend , mich niederließ , versicherten mich zwei der Mädchen , die zunächst saßen , mit schalkhaftem Lächeln , es sei für einen guten Bekannten und Arbeitsgenossen Raum genug vorhanden , und erst jetzt erkannte ich in ihnen zwei der Fahnennäherinnen aus Schmalhöfers Laden . Sie hatten sich gar anmutig herausgeputzt , und ich war überrascht , so hübsche Geschöpfe in ihnen zu finden , die ich während der ganzen Zeit kaum angesehen und gegrüßt , wenn ich durch den Laden in das finstre Loch ging oder aus demselben kam . Die ältere von ihnen stellte mich der Gesellschaft , welche aus jungen Arbeitsleuten verschiedener Profession zu bestehen schien , als Standesgenossen vor ; denn sie hatten auch von dem Alten meinen Namen erfahren . Man hielt mich offenbar für einen wackern Tünchergesellen ; die jungen Männer boten mir treuherzig ihre Bierkrüge dar , ich tat Bescheid , versah mich selbst mit einem Kruge , und froh , nach langer Einsamkeit unter Menschen zu sein , überließ ich mich der einfachen Geselligkeit , ohne meinen etwas höhern Rang zu verraten , was mir auch übel angestanden hätte . Der kleine Kreis bestand aus drei Liebespaaren , an der Art kenntlich , wie sie sich unbefangen umfaßt hielten . Zwischen Hoffnung und Furcht schwebend , dauernd verbunden oder wieder getrennt zu werden , verloren sie keine Zeit , sich ihrer Gegenwart zu versichern . Ein viertes Mädchen schien überzählig zu sein ; denn es saß ohne Galan zunächst an meiner Seite , vielleicht wegen zu großer Jugend , da es höchstens siebzehn Jahre alt sein mochte . Ich hatte die glänzenden Augen der Kleinen im Trödlerladen schon bemerkt , weil sie immer aufgeblickt , wenn man durchging . Jetzt sah ich auch ihre außerordentlich feine Gestalt , in einen ziemlich feinen weißen Sonntagsshawl gehüllt ; auf dem Tische lag die zierlichste kleine Hand , deren zarte Fingerspitzen freilich von unzähligen Nadelstichen eine rauhere Haut bekommen hatten , und rechnete man hinzu das weiche braune Haar , das unter dem luftigen Hütchen hervorquoll , sowie das Licht des jungen Busens , wenn das helle Tuch sich einen Augenblick lüftete , so erschien hier im Schatten der Armut ein Schatz von Reizen verborgen , wie ihn mancher Reichtum vergeblich wünschte . Selbst die Blässe des Gesichtes , deren ich mich zu erinnern glaubte , diente jetzt einem Lichtspiele zur Unterlage , indem bald der rötliche Schimmer der im Luftzuge schwankenden Papierlaterne , bald der silberbläuliche Abglanz des Flusses darüberflog und zusammen mit dem Lächeln ihres Mundes , wenn sie sprach , ein geheimnisvolles Leben und Weben bildete . Zum Überflusse hieß sie noch Hulda . Ich fragte sie , ob sie wirklich so heiße oder ob sie den Namen bloß angenommen habe , wie das bei Frauenzimmern des arbeitenden und dienenden Standes , dem wir angehörten , zuweilen vorkomme ? » Nein « , erwiderte sie , » ich habe den Namen nebst vier andern von meinen Eltern bei der Taufe erhalten . Es sind arme Schustersleute gewesen , die bei meiner Taufe weder einen Schmaus auszurichten noch solche Paten herbeizuziehen vermochten , von denen irgendein Angebinde zu hoffen war . Weil sie nun dennoch einen gewissen vornehmen Tick besaßen , so statteten sie mich dafür mit fünf Namen aus . Ich habe sie aber alle abgeschafft bis auf den kürzesten ; denn da unsereins immer zu den Behörden laufen muß , um seine Beschreibung in Ordnung zu erhalten , so wurde ich von den Beamten jedesmal angefahren , ob meine Namen bald zu Ende seien oder ob sie vielleicht einen neuen Bogen anbrechen müßten , um sie alle aufzuschreiben . « » Und Sie haben doch den schönsten von den fünf Namen behalten ? « sagte ich , von dem Ernste belustigt , mit welchem sie die Geschichte erzählte . » Nein , nur den kürzesten ! Die andern waren alle länger und prachtvoller ! Aber Sie tragen ja zuviel Geld bei sich herum , das muß man nicht tun ! « Ich hatte meinen wohlgerundeten Geldbeutel auf den Tisch gestellt , um einen neuen Krug Bier zu zahlen , den man mir brachte , da ich durstig gewesen und mit dem ersten schon fertig geworden . » Das ist mein Verdienst von den Fahnenstangen « , sagte ich , » ich werd ' s schon versorgen , wenn ich ' s nicht brauche ! « » Himmel ! So viel haben Sie bei dem Alten verdient ? Und ich hab ' s kaum auf vierzehn Gulden gebracht ! « » Ich hab es vom Stück , da kann man sich an den Laden legen und dem Patron die Nase lang machen ! « » Hört , Leute , der hat ' s vom Stück ! « rief sie den anderen zu , » der verdient ein Geld ! Wo stehen Sie eigentlich in Arbeit ? oder sind Sie für sich ? « » Ich bin augenblicklich ohne Meister und denke es zu bleiben , solang es geht . « » Es wird gewiß gehen , denn fleißig sind Sie ja von früh bis spät , das haben wir gesehen und oft zueinander gesagt ! Wenn er nur nicht so hochmütig wäre , meinten die anderen , aber ich hielt dafür , Sie seien eher traurig oder langweilig . Haben Sie denn schon zu Nacht gegessen ? « » Noch nicht ! Und Sie ? « » Auch noch nicht ! Wissen Sie was , da ich allein bin , so könnten wir zusammenlegen und miteinander