ihren Sohn erbat . Im Laufe des Tages hatte der Bischof verschiedene besondere Unterredungen mit dem Freiherrn und mit dem Caplan ; auch mit der Herzogin wanderte er im letzten Sonnenscheine noch auf der Terrasse umher . Renatus , an dem sie , ohne auf ihn zu achten , mehrmals vorübergegangen waren , hörte , daß sie von Italien sprachen , und fragte am Abende die Mutter , weßhalb sie nicht auch einmal nach Italien reisten , wenn es dort so schön sei . Herbert war schon seit zwei Tagen im Amthause . Er hatte dem Freiherrn am bestimmten Termine den Bau übergeben , die Schlüssel ausgeliefert , und dieser hatte es an Lob und Anerkennung für den Architekten auch jetzt nicht fehlen lassen . Eine Einladung , in das Schloß zu kommen , war an Herbert nicht ergangen , aber der Freiherr hatte ihn aufgefordert , am Abende des Festtages sich zu der Mahlzeit auf der Birkenhöhe einzustellen , und er hatte dies schicklicher Weise nicht ablehnen dürfen , obschon ihm jede Begegnung mit den Schloßbewohnern peinlich war . Die ganze Nacht hindurch hatte der Gärtner mit seinen Gehülfen Kränze und Guirlanden zu den Ehrenbogen geflochten , die den Eingang der Kirche , den Altar wie die Kanzel zieren sollten . Als der Morgen in seiner Herrlichkeit heraufzog , waren der Gehülfe und Herbert schon auf den Füßen , um die Ausschmückung für die Kirchenfeier zu überwachen und zu leiten . Es hatte in der Nacht stark gethaut , nun dehnten und wiegten sich unter dem heißen , entfaltenden Sonnenstrahle die feuchtglänzenden Blätter und Gräser . Kein Wölkchen stand am Himmel . Ueber die Getreidefelder wehte der Morgenwind , daß die Halme sich neigten und hoben und die noch weiß schimmernde Aehrenfülle des Weizens und der Gerste sich unter dem leisen Luftzuge wie die zitternden Wellen eines glänzenden Wasserspiegels schillernd bewegten . Die Vögel stiegen überall aus Feld und Busch empor und schwangen sich mit jubelndem Gesange hoch hinweg über das goldene Kreuz des Kirchthurmes , welches , wie Angelika es einst ersehnt hatte , jetzt weithin leuchtend in die Ferne strahlte . Früh um neun Uhr ging der Glöckner zum ersten Male an sein Amt . Angelika stand an dem Fenster ihres Zimmers ; sie sah gedankenvoll in die Gegend hinaus . Ich habe einen sonderbaren Traum geträumt , sagte sie zu Marianne . Ich ging allein , vor euch Allen in die Kirche ; es war ein prächtiger Tag , und ich fühlte mich so leicht , daß ich die Erde gar nicht berührte . Ich wandelte ruhigen Schrittes durch die Luft , ohne mich darüber zu verwundern . Nur Eines fiel mir auf : die Tannenbäume , welche vom Gitter nach der Kirche führen , standen in voller Blüthe und trugen statt der Zapfen die schönsten weißen Rosen . Ich freute mich so darüber ! Indem sie diese Worte sprach , ertönten die ersten Schwingungen der Glocken durch die Weite . Angelika ' s Herz wallte auf , sie hielt in ihrer Erzählung inne und knieete nieder . Es drängte sie , dem Herrn dafür zu danken , daß er sie die Erfüllung ihres Gelöbnisses erreichen lassen , daß sie den Tag erlebte , an welchem die Glocken ihrer Kirche fernhin mahnend zu ihr hinüber schallten , und sie dachte nicht daran , daß es andere , ganz andere Gefühle waren , welche dieser fremde Klang in den Herzen ihrer Unterthanen weckte . Nach kurzem , inbrünstigem Gebete richtete sie sich auf . Sie mußte ihren Gatten sehen . Du hier ? rief er , als sie bei ihm eintrat , und ihre Hand ergreifend , hieß er sie willkommen , während er sie zu einem Sessel geleitete . Die Glocken der Kirche tönten fort und fort . Der Freiherr und Angelika waren beide sehr bewegt . Sie fühlten sich durch ein gemeinsam Gewolltes und Erreichtes , sie fühlten sich durch die heiligsten Bande , durch die schmerzlichsten Erinnerungen , durch Leiden und Freuden , durch die Hoffnungen und Sorgen für ihres Sohnes Zukunft verbunden und zu einander gehörend . Niemals waren sie in ihrem Denken und Empfinden mehr im Einklange gewesen , als unter dem ersten , feierlichen Läuten dieser Glocken , und doch hatten sie es verlernt , sich einander vertrauend hinzugeben . Vereinsamt und zagend standen sie sich gegenüber , das Herz that beiden wehe , weil jeder von ihnen seine Aufwallung zurückhielt . Endlich überwand der Freiherr sich . Wir sind am Ziele , sagte er , und wie man auf der Höhe eines Berges der Mühen , mit denen man ihn erstieg , leicht vergißt , um sich der herrlichen Fernsicht zu erfreuen , so dürfen auch wir , der Opfer , die wir bringen müssen , fortan nicht mehr gedenkend , uns des Geschaffenen erfreuen , das denen , die nach uns kommen werden , von uns Kunde geben und unsere Namen in eine ferne Zukunft tragen wird . Laß uns einander Glück dazu wünschen ! Er küßte sie mit Feierlichkeit auf die Stirne , und unfähig , ihre Erschütterung zu verbergen , zu scheu , sich ihm in die Arme zu werfen , küßte sie ihm die Hand . Das fuhr ihm wie ein Stich durchs Herz . Angelika , Beste , was thust Du ? rief er erschrocken aus . Aber sie sah ruhig zu ihm empor und sagte : Laß es geschehen ! Es hat mir wohlgethan , lieber Franz , Dich so mild gestimmt zu finden , und ich gewinne dadurch den Muth , eine Bitte an Dich zu richten ! Er setzte sich an ihre Seite ; sie blieb eine Weile in schweigendem Nachdenken versunken , dann sagte sie : Ich möchte mich dazu des Bildes bedienen , das Du eben jetzt gebrauchtest , Lieber ! Man sieht vom erreichten Ziele die Dinge freier an , und - Du wirst Dich darüber so wenig zu täuschen vermögen , als ich - auch mein Ziel wird