die Rede ? Ist Mark und Niere durchschüttert von der Satyre des Weltgeschickes , daß man auf den Brettern den Krieg spielte , derweil er draußen im Blute von Austerlitz schon ersäuft war , daß man über einen Sieg jubeln konnte , tagelang noch die Blätter Lorbeern den Russen zuschmeißen , derweil in den unterrichteten Kreisen Jeder vom Gegentheil wusste ? Nichts von Erschütterung . Man hatte von Wichtigerem zu plaudern : ob der Blutsturz des jungen Herrn Bovillard ein gefährlicher , oder nur ein bischen Bluthusten war ? Ob seine ganze Lügenpost nur eine Intrigue , um seiner Geliebten in einer interessanten Situation näher zu kommen ? Ob die Madame Lupinus im Recht ist oder die Gargazin ? O wer da den Einblick gewönne in dies höchst intrikate wichtige Ränkespiel der beiden Frauen ! Ob die Lupinus , wie ihre Freunde sagen , wirklich die Tugendwächterin war für die hübsche Mamsell Alltag ? Ob sie das junge Mädchen bewacht und bewahrt hat vor der Leidenschaft für den jungen Wüstling , und ob sie nur in edler Entrüstung zurückwich , als die Sache zu einem öffentlichen Skandal umschlug ? Hannibal vor den Thoren , und sie streiten , ob die Gans in Moll oder Dur gegackert hat , als Brennus stürmte ! « » Und das Resultat , Herr Freiherr von Eisenhauch ? « » Daß Deutschland auf den Neumond hoffen mag , auf einen Kometen , auf die Sturmbraut , meinethalben auf Napoleons Großmuth , auf Alles , nur nicht auf Preußen . « Fuchsius hatte seinen Hut ergriffen : » Wenn eine Epidemie herrscht , lohnt es , dünkt mich , nicht der Mühe , zu untersuchen , wer der Kränkste ist . Leben Sie wohl . Wir sind alle krank , Major , sehr krank . Preußens Genius verzeihe Ihnen , was Sie sprachen , wenn Sie einen gesunderen finden . « Er hörte nicht mehr die Worte , die mit sonorer Stimme durch die offene Thür in das Zimmer schallten : » Herr Major , eine Beleidigung , dem Staate zugefügt , trifft auch jeden Bürger . « Den Hut auf dem Kopfe , den Stock in der Hand , der krampfhaft auf dem Boden hämmerte , stand der Major Rittgarten auf der Schwelle . Unter seinen grauen Wimpern schossen die Augen zornfunkelnde Blicke auf Eisenhauch . Beide mochten sich als Hausgenossen kennen , ohne in nähere Berührung getreten zu sein . » Was ich gesprochen , war nicht an den Major Rittgarten gerichtet . « » Noch hoffe ich , daß Sie den Einwand machen , daß er bei offener Thür Sie belauschte . « » Was ist Ihr Wunsch ? « » Der Staat , den Sie geschmäht , kann nicht von Ihnen Rechenschaft fordern . Ich fordere Sie , ein alter Militär , der unter Friedrich focht und bald dahin geht , wo sein großer König sie von ihm fordern wird . « Mit dem Mitleid der Achtung blickte der jüngere Militär den älteren an : » Ich ehre Ihren Schmerz und achte Ihren Muth ; beide aber nicht als Legitimation , den Handschuh für ein Etwas mir zuzuwerfen , was Sie nicht persönlich betrifft . « » Sie haben das preußische Militär beleidigt , die Ehrenkränkungen meiner Brüder nehme ich auf mich . Sie haben das Preußische Volk geschmäht , dies treue , gute , rechtliche Volk . Sein Blut rinnt , wenn auch langsam , doch zu heiß noch in meinen Adern , um mit diesem ungerächten Fleck vor meinen König zu treten . Ihre Antwort ? « » Nur eine Frage : war , was ich sagte , unwahr ? « » Zu der Frage haben Sie kein Recht . Sie sind nicht Richter . Nicht unter diesem Dache , nicht auf diesem Boden , der Sie gastlich aufnahm , dürfen Sie das Volk schmähen und den Fürsten , dem das Volk vertraut . Und wenn ich Ihnen antwortete , verstehen Sie meine Sprache nicht . « » Eh ' der Verklagte antwortet , muß er die Klage kennen . Treten Sie für jene Offiziere ein , die ich meinte ? Vertreten Sie jene Eitlen , Schwachen , Nichtigen - « » Ich sagte Ihnen darauf schon meine Meinung . « » Aber unter Ehrenmännern , ehe man zum äußersten Ernst schreitet , sucht man Verständigung über das , worüber der Streit ist . - Sie haben mich vorhin angehört , ich sprach im Zorn . Lassen Sie mich jetzt auch Sie anhören , ich will auch Ihren Zorn ruhig hören . « » Kennen Sie unser Volk ? Wenn Sie an enem Kranken seine Geschwüre zählen , kennen Sie darum sein Herz und seine Nieren ? - Wer justificirt und glorificirt sich denn in seiner Schande ? Das Preußische Volk etwa ? - Wer schreibt die salbungsvoll duftenden Staatsschriften ? - Söldlinge , oft Fremdlinge , die das Volk aus Grund der Seele verachtet . Wen treffen Ihre Epigramme ? Spielen die braven Herzen , die in Pommern und Ostpreußen , in Schlesien und Westphalen für des Vaterlandes Ehre schlagen , in Berlin Theater ? Sie zucken die Achseln ! Wo haben Sie es gefunden , daß das Volk niederträchtig denkt und feig handelt ? Sie haben nicht herausgehört das stumme Zähneknirschen , die blutenden Herzschläge , als sie den letzten Rest , wie Sie meinen , seiner Ehre und Ehrlichkeit in den Tiegel warfen . Die warfen hinein als schlechte Verwalter , was sie aufgegriffen . Aber nicht die Herzen des Volkes . Die hat es ihnen nie zum Aufbewahren gegeben , die hat es aufgehoben für eine bessere Zeit . Es ist kein Rest da , sage ich Ihnen , der volle Stock von Ehre und Ehrlichkeit liegt noch in unsrer Brust . Wer ist die Nation , wo sitzt sie , fragen Sie ? Wer hat sie denn schon aufgesucht in ihrem Heiligthum ? Wer hat denn schon dies Volk gefragt , wer hat es denn