die hoch aufwallende Flamme jeden Winkel erhellte . Asta wies ihr nun freundlich bedienstlich ein altmodisches Sopha , mit Polstern und Decken belegt , das hinter dem Schirme stand , zur Nachtruhe an , und öffnete ein kleines Wandthürchen , das in ein kaum zehn Fuß messendes Kämmerchen führte , worin sie auf einem kleinen hölzernen Tisch einige einfache Mundvorräthe aufgestellt hatte , die wahrscheinlich Veronika gesendet . Dieser ganz leere , von rohem Mauerwerk aufgeführte Raum hatte eine Wohlthat für Elmerice - ein fast bis zur Erde reichendes Fenster , das geöffnet war und die warme Nacht genießen ließ , die mit völlig aufgehelltem Himmel und einem Meere glänzend funkelnder Sterne erquickend zu ihr niederschien . Asta hatte das Tischchen dicht vor das Fensterbrett geschoben , auf dem Elmerice sich niedersetzen mußte , da kein Möbel weiter vorhanden war ; und sie fühlte zu sehr , wie das geschickte Kind bemüht gewesen , ihr Angenehmes zu erzeigen , als daß sie nicht der kleinen Mahlzeit zugesprochen hätte . Auch hier war dieselbe widersprechende Ordnung : ein silberner Teller und ein hölzernes Geschirr mit Milch , ein feines , damastnes Tuch und ein irdenes Gefäß mit Honig , ein goldener Löffel und ein eisernes , aus der Scheide gebrochenes Messer ; das Brod lag in einer japanischen Vase und die Butter in grünen Blättern auf dem zerbrochenen Deckel derselben . - Asta sah dennoch wohlgefällig auf ihr Tischchen hin ; - ihre junge Gefährtin lobte Alles sehr freundlich und genoß von Jedem , der Kleinen ihr Theil aufnöthigend . Auch lag für Elmerice ein besonderes Interesse in dem Anblick dieser Gegenstände ; und als hätte ein Alterthümler in den Schachten der Erde die Reste eines vergessenen Jahrhunderts gefunden , so betrachtete sie Alles und hielt die werthvolleren Geschirre zum Fenster hinaus , um sie besser erkennen zu können ; und besonders erforschte sie , wie ein Heraldiker , das Wappen des Tellers , das die ihr doch unbekannten gekrönten Geier des Crecy ' schen Hauses enthielt . Endlich erinnerte Asta sie an ihre nächste Pflicht ; denn das arme , überwachte Kind , für das Niemand gesorgt , schlief nach der erquicklichen Mahlzeit und von Elmerice ' s Nähe in Ruhe versetzt , bald fest ihr gegenüber ein , und sie umschlingend , führte sie die Kleine halb bewußtlos nach dem Sopha , das für sie bereitet war , und flüsterte der ängstlich Ankämpfenden zu , sie werde für sie wachen . Tiefe Stille umgab Elmerice nun . Leise , mit großen Umwegen schlich sie nach dem Kamin und legte seitwärts einige stärkere Schichten Holz auf , das Ausgehen der tröstlichen Flamme zu verhüten . Sie nahm dann ihren Platz so , daß sie beide Krankenbetten beobachten konnte , und ließ die Stunden vorüberstreichen , ohne Müdigkeit zu empfinden . Madame St. Albans schien zu schlafen ; aber Elmerice sah mit unbeschreiblicher Spannung , daß sich die Vorhänge vor dem Bette der alten Gray beständig bewegten , als regte Jemand sich dahinter hin und her ; dann blieb es einen Augenblick ruhig . Allein plötzlich öffneten sich die Vorhänge vorsichtig ; ein wunderlich vermummter Kopf fuhr hervor und wendete sich in allen Richtungen , wie es schien , um zu sehen , wie es außer dem Bette stände . Obwol Elmerice jede Bewegung sah , wußte sie sich doch hinter den bauschigen Fenstervorhängen hinreichend verborgen und lauschte mit klopfendem Herzen , was weiter geschehen würde . Die gemachten Beobachtungen schienen der Kranken zuzusagen ; denn sie nickte mit dem Kopfe und schob behutsam die Vorhänge weiter von einander . Elmerice sah deutlich eine aufgerichtete Gestalt , und nach wenigen Augenblicken schob sich eine alte , gekrümmte und dennoch große Frau hervor , die einen weiten dunkeln Pelzmantel um sich geschlagen hatte , und deren Füße mit Tuchsocken bezogen waren , die ihre Wanderung , die sie jetzt mühselig antrat , so geräuschlos machten , daß sie ein körperloses Wesen zu sein schien . Hier wäre der Moment gewesen , wo Elmerice , den Bestimmungen des Arztes zu Folge , hätte einschreiten müssen ; aber hierzu fehlte ihr um so mehr der Muth , da die Handlung von ihr offenbar eine wohlüberlegte , nicht durch Fieberhitze eingegebene war ; und so blieb sie eine unthätige bange Zeugin dieses Verfahrens . Die Alte schien in ihrem großen Hause von Bett Alles verborgen zu haben , was sie zur Ausführung ihres Willens nöthig hatte ; denn außerdem , daß ihre Kleidung warm und ausreichend war , sah Elmerice auch jetzt einen Stock in ihrer Hand , dessen Spitze vorsichtig umwickelt war . Und doch trug er sie kaum ! Mit welchem Antheile sah Elmerice , wie sie wankte , oft wie zusammenbrechend stehen blieb und so mühvoll den weiten Weg zurücklegte , der sie gegen die Thüre führte , die zunächst den unverwahrten Fenstern lag . Wie gern wäre sie ihr zu Hülfe gekommen und hätte sie gestützt ; denn schon fesselte das geheimnißvolle Wesen so ihr Herz , daß sie ihrem Willen sich unwillkürlich zuneigte , ihn höher achtend , als ihre empfangenen Vorschriften . Die Alte blieb jetzt seitwärts am Kamine stehen , öffnete eine Feder in dem schönen Schranken , die ein Fach hervortreten ließ , aus welchem sie eine dicke , gelbe Wachskerze und einen Schlüssel zog ; mit Mühe zündete sie das Licht an dem Feuer an und ruhete dann gänzlich erschöpft , wie es schien , einen Augenblick in dem hohen Lehnstuhle . Welch ' ein schauerliches Bild war ihr Anblick ! Ihr starres , abgezehrtes Gesicht war von der Kerze in ihrer Hand scharf beschienen , während das Feuer eizelne , grellere Lichter darüber hinjagte . Sie hatte die Augen geschlossen , und die Ermattung der Krankheit rang mit der fast krampfhaften Festigkeit , mit der sie Kerze und Schlüssel gefaßt hielt . Bald öffnete sie auch wieder die kleinen , versunkenen Augen , und noch ein Mal prüfend umherblickend , erhob sie sich mühsam und