sagen , diese Empfindung in seinen Busen ausschütten ! « spreche ich hundertmal des Tages vor mich hin , ach , Du weißt es nicht , Du Kalter , welches Gefühl für Dich in diesen Adern siedet ! Nur die Freundschaft konnte mein Herz ganz ausfüllen , ich zweifle , ob es die Liebe je wird vermögend sein . Ach , daß Du mir fehlst ! Hamburg und Bremen , und Bremen und Hamburg ! wirst Du sagen . Fünfzehn Meilen , ist das eine Entfernung ? Wie bald können wir wieder zueinander kommen ! Und dennoch , wie fern liegt die Aussicht dazu ! Dieses Wiedersehn nach unsern glücklichen akademischen Jahren war das letzte Auflodern der Jugend , Dich werden Deine Verhältnisse , in denen Du schon so ziemlich eingesponnen bist , nach und nach immer mehr wie mit eisernen Zangen fassen , und ich muß ja nun auch wohl zu Hause hocken , wenn ich meinen Vater nicht ganz aufbringen , und ihn dazu treiben will , daß er mich auf den Pflichtteil setzt . Hier bleibe ich noch ein paar Wochen , um dem Meere nahe zu sein , welches mit wunderbarer Gewalt in mir Windstille und Sturmwogen schafft , und dieses eigensinnige , kranke Herz zum Genusse seiner selbst mächtig aufwühlt . Freilich , unter den Krämern wird mir nicht wohl . Gestern wollte mich einer auf ein Schiff mitnehmen , um mir eine Vorlesung über Befrachtung , Segel- und Steuermannskunde zu halten . Ach « , versetzte ich , » lassen Sie das ; mir wäre nötiger zu wissen , wie wir unsern Lebensnachen an Klippen und Untiefen vorbeibringen , welche Winde ihn weiterführen , vor welchen Strömungen wir ihn zu hüten haben ! « Hermann , unser Schwur , unser heiliger Schwur ! Daß sich keiner dem andern in der höchsten Not seiner Seele versagen soll , und gälte es das Opfer des eignen Lebens und Glücks . Wir haben es uns gelobt , als wir das Blut unsrer Adern zusammen in die silberne Schale rinnen ließen , und die Flut dann mischten zu dem Weine , den wir genossen , als Kelch eines weltlichen Abendmahls . So schließen die Wilden ihre Todesbrüderschaften , und wir haben ' s ihnen nachgemacht , und wollen immerhin gar gern außerhalb der sogenannten Kultur mit unsern Gefühlen stehn . Wie dürste ich , meinen Eid durch eine Tat für Dich auszulösen ! Ich habe Klopstock besucht , der sich ganz verjüngte , als ich ihm von unsrer Freundschaft erzählte . So meinte er , habe er nur seinen Schmidt , seinen Ebert , seinen Giseke geliebt , und sei diese Liebe , wie er geglaubt , aus der Welt verschwunden gewesen . Er sprach viel von seiner Jugend , von Halberstadt und Gleim , von Fanny und Meta , und sagte , er könne sich in die jetzige Welt nicht mehr recht finden . Die jungen Meister wähnten , die Kunst treiben zu können , während sie , die Alten , von der Kunst getrieben worden wären . Ich bat um seinen Segen , den er mir auch als Hoherpriester in Thuiskons Heiligtume feierlich-gerührt erteilte . Dieser schönen Stunde Anteil fliege Dir , mein Geliebter , auf den Schwingen Idunens zu ! Sei mein , wie ich bin Dein ewiger H. II. Derselbe an Denselben Hamburg , den 15. April 1795 Hermann , ich reise . Der Frühling will vor den Seestürmen , die von Cuxhaven herüberwehn , nicht zum Durchbruch kommen , ich gehe also , ihn an seiner Wiege , im Süden aufzusuchen . In Schwaben oder in der Pfalz will ich mich unter Mandelbäume und Kastanien lagern , alte Burgen erklimmen und mich in schönere Zeiten träumen . Und wenn ich erwache und sehe , daß das Geschlecht der Edleren von der Erde verschwunden ist , so soll mir die jüngste Blüte die ganze Weltgeschichte ersetzen . Zudem sei Dir vertraut , daß ich von hier fort muß . » Kein Mensch muß müssen « , sagt Lessing , aber ich muß doch fort . Die schöne Frau , mit der Du mich oft zusammen sahst , bezeigte sich gefälliger gegen mich , als ich anfangs selbst erwarten durfte , das hat nun Folgen gehabt , und so weiter . Die Tränen des armen Weibes fallen wie glühende Tropfen auf meine Seele , aber kann ich ihr helfen ? Was geschehen konnte , ist geschehen , und so muß denn dieses Kapitel meiner Lebensgeschichte vorderhand abgeschlossen sein . Ich sehe Dich saure Mienen machen , und höre Dich über Freigeisterei schelten , alter treuer Moralist . Höre mein Credo in betreff der Weiber . Sie sind so einseitig und eng , daß es eine Umkehrung aller Gesetze der Natur wäre , den Mann zum Sklaven einer einzigen Neigung machen zu wollen . Vielmehr hat sie , die ewigwahre , hier schon das richtige Verhältnis angedeutet , indem sie dem Weibe die Frucht gab , die ihr verbleibt , während der Mann von allen glücklichen Stunden nur ein bald erblassendes Andenken sich erhält . Bequemen wir uns , die wir Erde und Himmel mit unsrem Geiste umfassen , eine Zeitlang zu den Füßen einer Frau zu girren , so dächte ich , daß ihr das genügen könnte , und mehr begehren , heißt das Unmögliche verlangen . Daß ich verheiratet bin , daß ein Junge von mir bereits das Abc lernt , was ist ' s nun weiter ? Mein Vater wollte es gern , daß ich , fast noch Student , unterducken sollte , weil er davon , was weiß ich ? welche Mirakel der Besserung erwartete , und mir war es angenehm , daß ich , der ich in so vielem ihm hatte entgegen sein müssen , in diesem Punkte ihm einen Gefallen tun konnte . Hierauf traten wir vor den Altar , das kalte Fräulein Celeste sagte Ja , der warme Graf Heinrich sagte Ja , ein bezahlter Pfaffe sagte Amen ,