seine Gattin gefesselt hatte , und ich fühlte mich gegen ihn einer fortwährenden Falschheit schuldig . Mein kleines Corps war nach und nach zusammengeschmolzen , wir hatten mehrere Gefechte bestanden , Viele waren geblieben und Viele hatten mich verlassen , um , wie sie vermochten , über den Rhein zurückzukehren ; und so geschwächt wurden wir gestern von Preußen angegriffen , an einer Stelle , wo die Wege in zwei verschiedene Bergschluchten führten . Ein Theil meiner kleinen Macht wurde von mir hinweggedrängt , und ich wurde mit den Wenigen , die mich umringten , heftig von den Feinden bedrängt . Der brave Bertrand sah unsere Kameraden fallen , er sah mein Blut fließen und kämpfte mit einer Erbitterung , die ihn nicht mehr auf die Stimme der Vernunft hören ließ . Ein junger Offizier forderte uns auf uns zu ergeben ; statt der Antwort führte Bertrand , der sich zwischen uns geworfen hatte , einen wüthenden Streich auf die Brust des jungen Mannes , und dieser - ich weiß , es war Gegenwehr , ich weiß , er konnte nicht anders , aber es ist entsetzlich - er hieb meinen alten Freund nieder , so nahe vor mir , daß das treue Blut auf meine Kleider spritzte und sich mit dem meinigen vermischte , das so heftig aus meinen Wunden floß , daß mir die Kräfte entschwanden . Der brave Bertrand starb sogleich . Die Wunde , die sein Leben endigte , war mit jugendlich kräftiger Hand zu tief geschlagen , als daß er lange daran hätte leiden können ; ein halb lächelnder zärtlich stolzer Blick traf mich noch und schien zu sagen : Siehst Du , daß ich nicht prahle , all mein Blut habe ich für Dich vergossen . Mir wurde es dunkel vor den Augen , und nur wie im Traume bemerkte ich , daß ein Eisen über mir funkelte , und wie aus der Ferne hörte ich , daß eine rauhe Stimme rief : So fahre auch Du zur Hölle ! Zurück Wertheim ! rief der junge Offizier , der meinen Freund getödtet hatte , sie sehen , er kann sich nicht vertheidigen , und sein Schwert schlug die Waffe , die über meinem Haupte blinkte , zurück . Dieß alles war die Sache weniger Augenblicke . Ergeben Sie sich mir , sagte der junge Mann darauf zu mir ; Sie sehen , Sie können nicht mehr fechten . Ich reichte ihm meine Waffen und sank ermattet zu Boden . Als ich wieder zu mir kam , fand ich mich unter den Händen eines Mannes , dessen Gesicht mich an ferne Zeiten erinnerte . Seine Hand war sanfter , als seine rauhe Zunge , denn indeß er mit schonender Sorgfalt meine Wunden verband , verletzte seine kreischende Stimme mein Ohr mit barbarischem Französisch , und doch begreife ich nicht das wunderbare Gefühl ; ich fühlte mich so schwach durch Trauer , Schmerz und Blutverlust , ich kam mir so verloren vor , und diese rauhen Töne berührten verletzend und tröstend mein Ohr . Es stieg in meiner Seele bei ihrem Klange das Bild Deiner Bäume , Deines Hauses auf , und Dein edles Antlitz blickte mich tröstend an durch die dunkle Verwirrung meiner Gedanken hindurch . Der General schwieg und heftete den traurigen Blick auf eine stark mit Blut befleckte Uniform , die über der Lehne eines Stuhles hing . Endlich sagte er seufzend : Das Uebrige weißt Du ; ich bin nun hier , und finde Liebe und Beistand bei Dir . Trost wird vielleicht die Zukunft gewähren . Der Graf war selbst zu bewegt , als daß er es hätte versuchen sollen , die Gefühle seines Freundes durch die gewöhnlichen Trostgründe zu bekämpfen , und vielleicht trug seine wahre Theilnahme mehr dazu bei , dessen Gemüth wieder zu erheben , als es Worte vermocht hätten . Da die Wunde des Generals nicht gefährlich war und nur der starke Blutverlust seine große Entkräftung veranlaßt hatte , so hatte er sich nach einigen Tagen in so weit erholt , daß er sein Lager verlassen durfte , und der Graf beredete ihn , wenigstens einige Stunden des Tages in der Gesellschaft der Frauen zu verleben . Seitdem so viele ernste Sorgen den Grafen beunruhigten , war die Furcht in seiner Seele schwächer geworden , daß sein Freund seine Gemahlin wieder erkennen möchte , und seit ihr Gemahl alle ihre Schmerzen kannte , hatte sich die scharfe Reizbarkeit der Gräfin verloren , und da sie wenigstens den Sohn wieder gewonnen hatte , so erbebte sie nicht mehr vor dem Klange der französischen Sprache . Viel leichter als früher konnte also der General Clairmont ein Mitglied des Kreises werden , der sich täglich im Saale um die Gräfin versammelte , und ob gleich durch die letzten Ereignisse seines Lebens seine Stimmung ernster geworden war , als sie es ehedem zu sein pflegte , so ließ sich nicht verkennen , welche Gewalt auf ihn , wie auf alle Franzosen , der Umgang mit Frauen ausübte . Es währte nicht lange , so wachte ein schwaches Verlangen wieder in ihm auf , witzig , heiter , geistreich in diesem liebenswürdigen Kreise zu erscheinen , und da von Seiten der Frauen Alles versucht wurde , um seinen Kummer zu zerstreuen , so kehrte nach und nach Gesundheit , und mit ihr größere Ruhe des Gemüths in die Seele des Generals zurück , wodurch die Heilung seiner Wunden sichtlich erleichtert wurde . Durch die Bemühung den Freund zu erheitern wurde der Graf und seine Familie mehr von dem eigenen Kummer abgezogen , und Emilie machte sich oft ernsthafte Vorwürfe darüber , wenn sie auf die Bitte des Generals sang , daß die Musik die gewohnte Macht auf ihre Seele ausübte und die Sorge auf kurze Zeit aus ihrem Herzen verdrängte . Adele , die nie den Muth gehabt hatte , an Evremonts Rückkehr zu zweifeln , und der die dürftigen Nachrichten , die der General geben konnte , eine Bestätigung ihrer Hoffnung