ihn genöthigt , diesen Brief zu schreiben , damit der Wirth zum Einhorn zweihundert Mark Silbers als Lösegeld für den Gefangenen nach Neufalkenstein trage . Er , der Wirth , begehre nun zwar nicht , das Verlangte zu thun , sintemalen ihm bang geworden um sein Geld und seinen eignen Leib ; er habe jedoch nicht verfehlen wollen , denen gestrengen Herren solches zu berichten , damit sie in ihrer Weisheit das Nöthige beschließen möchten , ob vielleicht der ehrliche Kaufdiener aus seiner Angst erlöset werden könnte . - Diese Erzählung , unterstützt durch den vorgewiesenen Zettel , weckte den Unwillen der ganzen Versammlung , und Diether ' s Angabe fand nun unbedingten Glauben . Der Schultheiß und Diether ' s Feinde , die so sehr auf Bechtram ' s Redlichkeit gepocht hatten , traten nun auf die Seite derjenigen , die seinen Treubruch schmähten , und vollwichtige Rache für den auf dem Gebiete der Stadt verübten Frevel forderten , und für den höhnenden Meineid , den der alte Buschklepper am Tage selbst der Friedensstiftung in frechem Muthe begangen . Die Furcht vor der Wuth des Raubritters und seiner Diebsgesellen in der Wetterau wich nun zurück , indem man die der freien Stadt wiederfahrene Beleidigung fest in ' s Auge faßte , und eine Stimme nur war ' s , die aus jedem Munde die Befreiung der Bürgerin Frankfurts und des fremden Gastes forderte . Als aber die Mittel dazu zur Sprache kamen , da waren wieder die Zungen uneins geworden . Die Kühnsten riethen zu einem Auszug , wie er im Jahre 1404 gegen Rückingen , das Schloß des Hans von Rudenscheim , des Marktschiffschinders , statt gehabt hatte . Die Vorsichtigern verwarfen die offne Gewalt , die alle Genossen des Räubers gegen die von Streitern ziemlich entblößte Stadt anhetzen würde , und sprachen von List und besonnener Klugheit . Die Feigen schlugen vor , die Hülfe eines benachbarten Fürsten anzurufen ; ein Vorschlag , der den Vaterlandsfreunden , welche jede fremde Einmischung in die Händel der Stadt haßten , vollkommen widerlich war ; aber demungeachtet einen Streit entspann , welcher die Berathung der Versammelten in eine wilde Gährung verwandelte , aus welcher sich Diether , um mit seinem Gram und seinen Entwürfen allein zu seyn , rettete . Aber auch dieses Alleinseyn , dieser Strom von Gedanken , den er einsam an sich vorbeirauschen ließ , führte sein Herz nicht zur Ruhe , und er suchte sein Haus auf , um Zerstreuung in der Gesellschaft seines Bruders , seines Knaben zu finden . Wie vom Blitze gerührt , stand er jedoch da , als ihm sein Knecht Eitel berichtete , Dagobert sey angelangt , als Vollbrecht , der Knecht des Junkherrn , ihm den Reverenz machend , vorüberging , und Dagobert selbst ihm auf der Stiege entgegen kam . - Des Vaters Verwirrung war gränzenlos , und Schreck und Beschämung knickten seine Knie ein , daß er das Geländer der Stiege erfassen mußte , um nicht zurückzusinken . Dagobert ersah diese plötzliche Schwäche , und reichte ihm schnell die helfende Hand , an welcher er den Vater zu seinem Schlafgemach geleitete . Schwer athmend ließ sich der Schöffe in den Sorgenstuhl nieder , und erst , nachdem er einige Zeit lang den Blick auf den Boden , alsdann auf das mildfreundliche Antlitz des gegenüber sitzenden Sohns geheftet hatte ; wagte er die Anrede : » Du hier , Dagobert ? Und Wallrade ? ... « - » Mein Bemühen war vergeblich ; « entgegnete der Sohn bedauernd : » Eben so leicht hätte ich den großen Kaiser Karl finden mögen , der seit sechshundert Jahren im Brunnen der Beste zu Nürnberg sitzen soll . Dafür , - hab ' ich vernommen - habt Ihr selbst gelegnere Kunde erhalten , wozu ich Euch und mir von Herzen Glück wünsche , Herr Vater . « - » Dir ? « fragte Diether mit spöttelnd ungläubiger Miene . - » Weiß es der Himmel , auch mir ; « versetzte Dagobert : » Ich habe zwar nicht viel Ursach , Wallraden Gutes zu wünschen , aber mehr denn sie , lieb ' ich meinen guten Leumund , und bin herzlich froh , daß endlich die Stadt erfahren wird , - und auch Ihr beineben , Herr Vater , - daß ich Wallraden nicht hab ' stehlen lassen . « - Diese Worte , obgleich mit mildem Ernst , weit von jeder Anmahnung an grollenden Spott gesprochen , trieben dem Alten die Röthe der Schaam auf die gefurchte Wange . » Das eigne Gewissen ist des Menschen fürnehmster Richter ; « sprach er stockend , und Dagobert entgegnete gelassen : » Das ist ' s , Herr Diether . Mein Gewissen ist jedoch heil , wie ein frisches Auge : darum bin ich auch hier , wo der Teufel recht geschäftig gewesen ist , mich anzuschwärzen vor aller Welt . Ein biedrer Mensch weicht dem Satan nicht aus , sondern nimmt ihn bei den Hörnern und wirft ihn aus dem Wege . « - » Du sprichst kühn ! « meinte Diether , der ihm forschend in ' s Auge sah . - » Ich vertraue auf den Himmel ; « antwortete Dagobert muthvoll : » ich bin dem lieben Gott von Herzen treu und hold , und er wird ' s mir nicht minder seyn ; darum fürchte ich auch nicht den Schultheiß , nicht den Oberstrichter , nicht des Prälaten , der hier in ' s Nest gezogen ist , Verläumdungen ; auch die heilige Acht nicht , die mich einer Ladung vor ihren Stuhl gewürdigt hat . « - Diether ' s Wange sank von hoher Röthe in die Blässe des Todes herab : » Unglücklicher ; « murmelte er : » Du frevelst . Fürchte jenen Stuhl , vor welchem der Sünde die letzte Larve entfällt , und die Wahrheit sich aufthut in finstrer Nacht . « » Ich scheue die Wahrheit nicht ; « entgegnete Dagobert fest