Scholle , darauf sie geboren , haben einen Anflug von Kränklichkeit und wandern , halb bewundert , und halb belächelt , aber wegen ihrer Verträglichkeit wohlgelitten , wie Fremdlinge zwischen ihrer derberen Umgebung . Obwohl gelegentlich von einer überraschenden Scharfsinnigkeit , haben sie in den gewöhnlichen Fällen des Lebens doch nichts von jener Bauernschlauheit , die sprichwörtlich geworden ist . Das Feld ihres Geistes ist von der Phantasie überwuchert , und so gleichen sie jenem Acker , der zu schwach ist , um ernste und solide Frucht zu tragen , aber dem schönen Unkraut Platz gönnend , desto üppiger in roten und blauen Blumen steht . So auch unser Führer und Fuhrmann . Über den Platz , den wir einzunehmen haben , sind wir nicht lange in Zweifel . Namentlich überlassen wir den in Riemen hängenden » Fond « seinem Schicksal und setzen uns auf das Vorderbrett unmittelbar neben den Flauschrock , nicht gewillt , eine zweifelhafte Bequemlichkeit auf Kosten besserer Unterhaltung zu erkaufen . Denn es unterhält sich schlecht auf den Rücken anderer Leute los . Noch einmal ein Peitschenknips , diesmal nicht in die Luft , sondern in die Weichen des Einspänners , und über das Straßenpflaster hin , das noch die alten Traditionen des Ortes wahrt , holpert und rasselt unser Wagen , dessen Hintersitz die komischsten Sprünge macht , in den Freienwalder Kiez hinein , bis plötzlich das Holpern und Rasseln einem süßen Gefühl der Glätte und jenem leis knirschenden Tone weicht , den jeder kennt , der aus dem Sturm und Drang schlecht gepflasterter Straßen in den stillen Hafen einer Lehm-und Kieschaussee eingemündet ist . Der Abend ist schön , und Duft und Nebel steigen aus den Wiesengründen auf . Der Wald zur Linken steht , wie es im Liede heißt , » schwarz und schweiget « und nur vor uns , nach Nordwesten zu , glüht noch der Abendhimmel in wunderbaren Farbenspielen durch die Nebelschleier hindurch . Es ist just die Stunde , um den Schloßberg und die Burg der Uchtenhagen zu besuchen , denn die Landschaft selbst erscheint wie ein weitaufgetanes Tor , um uns rot und golden in das Land der Sage einzuführen . Es labt uns das Bild und die Frische des Abends , aber endlich haben wir abgeschlossen mit der Landschaft und fühlen ein leises Unbehagen über das Schweigen unseres Führers , an dessen Seite wir doch Platz genommen , um bequemerer Unterhaltung willen . Die vordersten Hügelpartien liegen bereits hinter uns , wir müssen bald halben Weges sein , aber er schweigt noch immer . Da der Berg nicht zum Propheten kommt , so bleibt nichts anderes übrig als das alte Auskunftsmittel , und blindlings in die allerbequemste Form der Unterhaltung hineintappend , beginn ich mit der Frage : » Sagen Sie , wie denken Sie über die Uchtenhagens ? « Der Angeredete läßt sich Zeit , und zweimal mit der Leine klatschend , um die lange Pause minder auffällig zu machen , antwortet er endlich in absichtlich unbestimmten Ausdrücken : » Ja , da ist viel . « Und so rollen wir weiter in den stillen Abend hinein , dessen allerstillste Stelle unser Wagen zu werden droht . Ich will aber dies Schweigen unterbrechen , es koste was es wolle , und so fahre ich denn fort : » Es soll hier eine große Schlacht gewesen sein . Hier hinter den Bergen . Ich glaube , sie nennen es das › rote Land ‹ . « Er nickte mit dem Kopfe . » Nun sagen Sie mir , ist denn das Land noch immer rot . « » So rot « , antwortete er halb wie im Echo und machte dabei eine Handbewegung , als ob er sagen wollte : » Lieber Herr , sprechen wir davon lieber nicht . « Nichtsdestoweniger hatte diese Frage das Eis gebrochen , ich sah es an seiner veränderten Haltung , und mit der Rechten auf die quadratmeilenweite Umgebung deutend , fuhr ich fort : » Sie müssen sehr reich gewesen sein ... Ich meine die Uchtenhagens . « Er sah unter seinem Mützenschirm zu mir auf , ein halbwehmütiges Lächeln flog über sein Gesicht , und er wiederholte auch jetzt nur meine Worte : » ... sehr reich ... sehr ! « Es war ersichtlich , daß er einen Nachsatz machen wollte , ihn aber rücksichtsvoll verschwieg . Ich kam ihm also auf halbem Wege entgegen und ergänzte : » Sehr reich ; aber wie ? « Dies Wort schien ihm Gewißheit zu geben , daß ich einer von dem romantischen Geheimbund sein müsse , der nach Art anderer Geheimbünde zwar seine nicht ausgesprochenen , aber nichtsdestoweniger ganz bestimmten Erkennungszeichen hat . Er wußte nun , daß er sprechen dürfe , ohne Furcht vor Profanation . Und er wartete auch keine weitere Frage ab , rückte vielmehr vertraulich näher und sagte : » Wissen Sie denn , was sich die Kiezer hier erzählen ? Da war hier in Freienwalde , in der Uchtenhagenschen Zeit , ein Böttcher , der wohnte neben dem Kirchhof und hieß Trampe . Das Wasser stand damals bis an die Stadt heran , und zwischen Trampes Haus und dem Wasser lag bloß der Kirchhof . Eines Nachts hörte nun Trampe ein Knurren und Winseln , und er trat ans Fenster , um zu sehen , was es sei . Er sah aber nichts als den Vollmond , der am Himmel stand . Er legte sich also wieder nieder und warf sich eben auf die rechte Seite , da hörte er seinen Namen rufen : › Trampe ‹ , dreimal . Und dann wurde es wieder still . Und in der nächsten Nacht ebenso . Trampe meinte nicht anders , als er werde nun sterben müssen , und er ergab sich auch in sein Schicksal und dachte : › wenn es wieder ruft , dann wirst du folgen , es sei , wohin es sei . ‹ Und in der dritten Nacht rief es wieder . Trampe trat