Während man in nächtlicher Stille die Särge aus dem bisherigen Erbbegräbnisse in die Marmorgruft der neuen Kirche brachte und der Caplan die weißen Rosenbüsche an der Eingangsthür derselben pflanzen ließ , während die Kanzel ihre letzten Verzierungen erhielt , der aus der Stadt angelangte Beichtstuhl aufgestellt ward und der Freiherr sich mit dem Fürstbischof ins Einvernehmen setzte , damit dieser , der den Grundstein eingeweiht , auch am Margarethentage die Einsegnung des fertigen Baues übernähme , ward er es nicht sonderlich gewahr , daß die Herzogin ungewöhnlich viel Briefe erhielt und schrieb , daß sie öfter theilnahmslos erschien und , seit der Graf und die Gräfin Berka das Schloß verlassen hatten , von Reiseplanen sprach , die ihr neuerdings gekommen sein mußten , denn es war nie davon zuvor die Rede gewesen . Sie zeigte sich jetzt weniger als sonst bemüht , den Freiherrn zu unterhalten , bewies der Kranken wirklich jene Sorgfalt , deren Anschein sie während des Besuchs der Berka ' schen Familie angenommen hatte , und trotz ihrer Abneigung gegen die Herzogin konnte Angelika es nicht übersehen , daß eine Veränderung mit derselben vorgegangen war und daß sie jetzt wieder mehr als in den verwichenen Jahren dem Bilde entsprach , welches Angelika in den ersten Tagen sich von ihr gemacht hatte . Als der Postbote wieder einmal nach der Stadt geritten war , um die Posttasche abzuholen , brachte er in dieser neben dem eigenhändigen Schreiben des Fürstbischofs , das seine Zusage enthielt , auch ein großes , aus der Residenz kommendes , mit mehreren Siegeln verschlossenes Paket für die Herzogin , sowie die Antwort Seba ' s auf die Sendung und die Briefe des Freiherrn und Angelika ' s. Seba dankte dem Freiherrn in einem kurzen Schreiben , dessen formvolle Haltung er rühmend anerkannte , für die Freude , die er ihr bereitet , für die gütige Weise , in welcher er ihren geheimen Wunsch errathen und befriedigt habe . Auch der Brief an die Baronin war nicht eben lang . Seba schickte ihr , da sie augenblicklich über kein anderes Bild von sich verfügen konnte , ein kleines , in Pastell gemaltes Portrait , das sie in ihrem sechszehnten Jahre darstellte . Es war kurz vor der Zeit gemacht worden , in welcher sie den Grafen hatte kennen lernen , und der ganze Zauber seelenvoller Kindlichkeit und Unschuld lag in dem Bilde noch über dem edlen , holden Antlitze ausgebreitet . Die Baronin hatte dieses sie rührende Bild , das in der Stube des Vaters hing , nie zuvor gesehen . » Sei um mich nicht in Sorge « , schloß Seba ihren Brief an die Baronin . » Es ist mir wohler und freier um das Herz , als seit gar langer Zeit . Nicht alle Naturen können die gleiche Straße gehen und jede muß ihre Befreiung und Befriedigung auf ihre eigene Weise suchen . Da ich Dich liebe , thut es mir wohl , Dich in Deinem Glauben und in Deinem Anlehnen an Deine Kirche glücklich zu denken ; gönne Du mir , da Du mich liebst , die Erhebung und Auferbauung meiner Seele und meiner Zukunft auf meine Weise . Du erwartest die Gerechtigkeit aus der Hand des Höchsten , der mit seiner Vorsehung Dein Leben lenkte ; ich entbehre dieses Glaubens , ohne der Ueberzeugung und des Trostes zu entbehren , daß unsere selbstbestimmten Thaten in unseren Leiden und Freuden ihre Folgerichtigkeit haben ; und Deine Liebe und die letzten Augenblicke , die ich mit Dir verlebte , haben mir dies wieder vollgültig dargethan . Die Genugthuung , deren ich bedurfte , ist mir jetzt geworden . Der Herr Baron und Du , meine Angelika , legen es mir beide nahe , eine Bitte , der Gewährung sicher , an ihn zu richten . Sie soll denn , wenn auch nicht eigentlich für mich , gesprochen werden . Herbert , der jetzt seine Aufgabe im Dienste des Herrn Barons vollendet hat , ist mir sehr werth und mir in manchen schweren Stunden ein Freund gewesen . Er sehnt sich , seine Eva in das Haus zu führen , das Du mit uns bewohnt hast und das er in diesen Tagen von meinem Vater für sich kaufte . Lege das Glück meines Freundes dem Herrn Baron ans Herz . Herbert und Eva sind zwei so einfache , so schuldlose Naturen , daß es , wie ich mir denke , auch Dich erfreuen müßte , sie bald vereinigt zu sehen . Herbert hat seine Aufgabe zu des Herrn Barons Zufriedenheit beendet , möge dieser seinen Baumeister dafür in der Weise belohnen , die ihn am meisten beglücken wird ! - Ich spreche diese Bitte ohne Herbert ' s Wissen aus . Sollte es Dir , wie ich es für möglich halte , angemessener scheinen , sie als Deinen Wunsch zu bezeichnen , so nenne mich nicht , und laß uns , wie in Liebe , so in dem stillen , verschwiegenen Wirken für das Glück der Anderen stets verbunden bleiben ! « Achtzehntes Capitel In Rothenfeld und in Richten , im Amthofe wie im Schlosse hatte man vollauf zu thun . Der Glöckner mit Frau und Kindern , der Sacristan mit seinen vier Schülern waren eingetroffen . Eva hatte auf Anweisung des Freiherrn das Haus für sie eingerichtet , die Vorräthe für den ersten Bedarf des neuen Hausstandes herbeigeschafft , und wie leicht der Freiherr dies auch veranschlagte , fiel es für die Verwaltung doch immer in das Gewicht , denn der Unterhalt für zehn Personen will erworben sein . Im Schlosse langte um die festgesetzte Stunde der Fürstbischof , wie zur Grundsteinlegung , mit seinen Vicaren und Caplänen an , und Angelika , obschon sie sich danach zurückzog , um ihre Kräfte für den nächsten Tag zu Rathe zu halten , ließ es sich nicht nehmen , ihm bis an die Schwelle ihres Hauses entgegen zu gehen . Sie wollte die erste sein , welche des verehrten Greises Segen für sich und