er die Mittel zu nehmen gedenke , um solchen Aufwand zu bestreiten . Listig lächelnd verriegelte er die Thür unsers schlechten Zimmers von innen , ergriff dann ein Messer und trennte die Näthe seiner in Lumpen verwandelten Kleider auf , und zu meinem Erstaunen wurden mehrere Goldstücke sichtbar . Als er sein Geschäft beendigt hatte , legte er das Geld vor mir auf den Tisch und sagte , indem eine Thräne in seinem kühnen Auge glänzte : Auch dieß verdanken wir der guten Frau , der Mutter meines Kindes . Du glaubst nicht , wie tief mich diese einfachen Worte erschütterten . Ich muß mir jetzt zwar sagen , daß die Unglückliche auch ohne mich vielleicht ein leichtsinniges Geschöpf geworden wäre ; aber läugnen kann ich mir nicht , daß ich sie auf die Bahn des Verderbens geführt habe , und die ich mit Hohn behandelte , als ich sie das letzte Mal sprach , reichte mir nun gleichsam aus ihrem nassen Grabe die Mittel zum Leben . Die Noth des Augenblickes besiegte jedes andere Gefühl ; das Gold gewährte uns nun Mittel um Frankreich zu erreichen , denn die schwachen Reste meiner Regimenter früher zu treffen , durfte ich nicht hoffen , da sich alle Ordnung aufgelöst hatte und Jeder fortzukommen suchte , wie er konnte . Jetzt , da wir uns wieder gekleidet hatten und bequemer reisten , erfuhr ich von meinem treuen Begleiter , daß er in Evremonts Regiment als Unteroffizier gedient habe , und daß er dessen Vorsorge die Mittel verdanke , die uns so wohl zu Statten kamen , weil er seiner Gattin dieß Geld als Erbschaft von einem hartherzigen Bruder verschafft habe . Der Graf hatte mit höchster Spannung die Erzählung seines Freundes gehört . Schon lange war es ihm gewiß , daß der Begleiter des Generals derselbe Unteroffizier sei , dessen Evremont in seinen Berichten aus Spanien gedachte . Jetzt aber , da sein Freund den Namen des betrauerten Sohnes aussprach , hielt er sich nicht mehr zurück und unterbrach die Erzählung mit dem heftigen Ausrufe : Um Gottes Willen , sage mir , was wußte Dein Begleiter von meinem Sohne ? Wenig , erwiederte der General ; sein ganzes Regiment war kurz vor dem Uebergange über die Beresina aus einander gesprengt worden , und der brave Soldat hatte seinen tapferen Obristen seitdem gänzlich aus den Augen verloren . Doch war er , so lange er etwas von ihm wußte , unerwartet glücklich ohne Wunden geblieben , trotz der Kühnheit , mit welcher er sich allen Gefahren aussetzte , und , was noch mehr sagen will , ohne erfrorne Glieder , und er ist wahrscheinlich in russische Gefangenschaft gerathen . Es lag ein Trost für den Grafen in diesen dürftigen Nachrichten und er hinderte den Fortgang der Erzählung nicht , die sein Freund wieder begann . Wir erreichten endlich Paris , sagte er mit einem tiefen Seufzer , und hier erwartete mich neuer Jammer . Ich betrat mein Haus und fand es verödet . Meine Gattin , die ich in der Hoffnung zurückgelassen hatte , mir zum zweiten Mal Vaterfreuden zu gewähren , war durch die Geburt einer todten Tochter so angegriffen worden , daß sie wenige Tage danach starb , und man schrieb dieß Unglück der immerwährenden Angst um mein Schicksal zu . Man brachte mir meinen Sohn , dessen lächelndes Gesicht einen seltsamen Gegensatz gegen die Trauerkleider bildete , in die man das kleine Geschöpf gehüllt hatte . Ich hob meinen kleinen Napoleon zu mir empor , und indem ich ihn küßte , wiederholte ich unwillkührlich die Worte des braven Soldaten und sagte : Ertrage auch das , mein Herz ; Du mein Sohn mußt künftig mein einziger Trost sein . Mein Begleiter stand neben mir , und seine eigenen Worte aus meinem Munde rührten ihn bis zu Thränen . Gab uns der Kaiser nicht Zeit , um uns zu erfreuen , so gewährte er uns auch keine , um verlorne Güter zu betrauern , und die Bildung des neuen Heeres , das dem Feinde entgegengestellt werden mußte , entriß auch mich meinem Kummer . Ich sorgte in Paris für meinen Sohn , und indem ich seine Erziehung nach bester Einsicht ordnete , gab ich ihm den Sohn des Unteroffiziers , des braven Bertrand , zum Gespielen und befahl , ganz dieselbe Sorgfalt der Pflege und Erziehung auf dessen Kind wie auf das meine zu wenden . Diese Anordnung fesselte die treue Seele noch inniger an mein Geschick und er ward mir ganz das , was der alte Dübois Dir ist , nur , möchte ich sagen , nach Art eines Soldaten , da im Gegentheile Dein alter Freund immer den würdigen Hofmann zu spielen sucht . Wir waren wieder über den Rhein gegangen , wir kämpften wieder , wenn auch blutige , doch glückliche Schlachten , und die stolze Hoffnung hatte uns nicht verlassen , unsere Macht in ihrer ganzen Ausdehnung wieder herzustellen . Da endeten endlich die unglücklichen Tage bei Leipzig diese ehrgeizigen Träume und der Kaiser mußte nach Frankreich zurück . Bei Hanau mußte noch ein Mal gekämpft werden , und unter den kleinen Abtheilungen , die von der Hauptarmee hinweggedrängt wurden , war auch ich mit einem Theile meines Corps . Der alte Bertrand wich nicht von meiner Seite ; er hatte in kleinen Gefechten mehrmals mein Leben gerettet , und wenn ich ihn ermahnte , sich nicht so tollkühn in alle Gefahren zu stürzen , so sah er mich mit glänzenden Augen an und sagte : Was habe ich zu fürchten ? Sie haben mein Kind gerettet , Sie erziehen meinen Knaben , wie Ihren Sohn ; Napoleon und Eugen , unter diesen mit Ruhm bedeckten Namen werden künftig unsere Kinder fechten . Alles dieß danke ich Ihnen und Ihnen gehört bis zum letzten Tropfen mein Blut . Ich stand oft beschämt vor diesem braven Soldaten ; er hielt meine Handlungen für den Ausfluß hochherziger Menschenliebe , er ahnete nicht , welches Band mich früher an