im Aufwallen seines Zorns , die , jede Mitwissenschaft laugnende Else , aus dem Dienste gejagt hatte . Der arme Kleine fand in Fiorilla ' s Sorgfalt Elsens Pflege in doppeltem Maaße wieder , und Diether , - sah er die Liebe der Pflegerin zu dem Knaben - bedauerte nur eins so sehr , daß ihm der Zufall Wallradens holdes Töchterlein geraubt , und ihm kein Mittel zu Gebote stehe , etwas Gewisses von dem Schicksale der kleinen hübschen Agnes zu erfahren . Über das Geschick ihrer sogenannten Mutter kam er dafür binnen einigen Tagen in ' s Klare . Eine Mönchsgestalt , vom Fieber geschüttelt , und von Blässe entstellt , trat eines Morgens , - der zweite nach jenem Verhöre auf dem Römer , - auf einen Stab gestützt , vor den Altbürger . Dem Leidenden eine milde Gabe zu reichen , war Diether ' s erster Gedanke , - aber wie erstaunte er , da der Mönch nicht allein jede Gabe verschmähte , sondern ihn selbst mit einer unerwarteten Kunde beschenkte : mit der Botschaft von Wallradens Aufenthalt , von ihrer vereitelten Flucht , von ihrer Rückkehr in die traurige Haft , - von der Gefahr in welcher sie schwebe , von ihrem einzig auf den Vater gesetzten Vertrauen . - Diether , - obwohl in Zorn glühendob Wallradens Vergehen , fühlte doch sein Vaterherz beben bei dem Berichte ihrer Leiden . Allein , so schnell auch sein Entschluß gefaßt war , Alles aufzubieten , um sein Kind zu retten , so schnell gesellte sich diesem Vornehmen auch der Verdacht bei . Mißtrauisch maß er den Mönch von Kopf bis zum Fuß , verwickelte er ihn in verfängliche Fragen , und ließ ihm nicht undeutlich merken , daß er versucht sey , ihn für ein Werkzeug jener Räuber zu halten , und die ganze Botschaft für eine Schlinge , welche seiner Habe , - wo nicht gar seinem Leben - gelegt sey , wie jene Ladung zum Sprünglinsteine gewesen . - In dem matten Auge des Mönchs blitzte eine Flamme ritterlichen Unmuths auf , und seine Lippe warf sich auf , um kühn und trotzig den schnöden Verdacht von sich zu wälzen . Doch bezwang er sich , und erwiederte , so ruhig als die erregte innere Bewegung ihm verstattete , daß er sich willig als Bürge und Geißel darstelle für jedes von ihm gesprochne Wort , daß übrigens das heftige Fieber , das ihn auf einem unfern gelegenen Dorfe ergriffen , und ihn abgehalten , am verwichnen Tage bereits in Frankfurt zu seyn , schon der beste Bürge für sein Verweilen in jeder beliebigen Haft sey , und daß er fürchte , es werde - sollte ihm Hülfe und milde Sorgfalt noch ferner entstehen - mit seinem Leben bald zu Ende seyn . Der eisige Frost , welcher des Gequälten Glieder durcheinanderschüttelte , und ihn beinahe zu Boden warf , machte Diether ' s natürliche Barmherzigkeit rege . Er ließ den todtkranken Mönch auf einer Tragbahre in das Kloster des Ordens bringen , zu welchem der Unglückliche , seiner Kutte nach , zu gehören schien , und empfahl ihn der angelegentlichen Fürsorge des Paters Reinhold , Margarethens Beichtvaters . Er selbst jedoch eilte auf den Römer , um die erhaltne Botschaft dem Rathe zu verkünden . Seine Freunde in demselben staunten ; seine Feinde schüttelten ungläubig die Köpfe , und behaupteten , der Schöff täusche Meister und Rath mit unhaltbaren Gerüchten , und halte muthwilliger Weise die Stadt sammt ihrer bewaffneten Gewalt in Athem . Hätte er einen andern als Räuber genannt , - riefen sie , - dann wäre ein Schein von Glaubwürdigkeit vorhanden ; aber gerade diesen Bechtram von Vilbel zu nennen , diesen alten wackern Kämpen , der so lange der Stadt treu gedient , der sich in der letzten Frist nur , gewisser Ansprüche wegen , mit der Reichsstadt veruneinigt hat ! Und diese Ansprüche , sind sie nicht geschlichtet ? Dieser Span , - ist er nicht in Minne beigelegt worden ? Hat nicht vor drei Tagen erst Bechtram Friede mit uns gemacht , sonder Gefährde , in Treu und Glauben , und in Gegenwart der verehrlichsten Zeugen , der ritterlichen Herrn vom deutschen Orden ? Ein Mährchen also der ganze Bericht ; der Schöff , entweder selbst getäuscht , oder im Begriffe uns zu täuschen , und die Klage ohne Grund ! - Diether ' s , wie des Mönchs Wahrhaftigkeit wurde jedoch um ein Gutes verbürgt und vergewissert , da der jüngste Bürgermeister mit einem Gesichte voll Zorn und Wildheit in die Versammlung trat , den Wirth vom Einhorn auf seinen Fersen . » Gott verdamme doch alle Verräther und Meineidige ! « begann er heftig , wie man es an ihm gewohnt war , bei wichtigem Anlaß : » Vernehmt doch , ihr liebe Herren und Freunde , welche Mähr unser guter Bürger und Wirth zum Einhorn Euch zu bringen hat . « Der Wirth erzählte also nach vorhergegangener Aufforderung , daß schon seit manchem Jahre der Kaufdiener Conrad Schwarz , gemeinhin , seines Vaterlandes und seiner Mundart halber , der Schwabe oder das Schwäbeln genannt , und zu Diensten des weltberühmten Hauses Ulrich Arzt in Augsburg stehend , auf seinen Meßzügen und Reisen in ' s Brabant sich in der Herberge zum Einhorn eingefunden habe , und stets als ein ehrlicher Geselle und guter Zahler von dannen gefahren sey . Ein solches sey ebenfalls vor dreien Tagen geschehen , an dem Tage selbst , da Bechtram von Vilbel und des Raths Freunde und Abgesandte im Deutschherrenhause ihren Frieden gemacht . Nun habe aber Er , der Wirth zum Einhorn , heute Morgen durch einen Landmann vom Maingehöft einen Zettel erhalten , den ein reisiger Knecht demselben zur Bestellung übergeben ; einen Zettel , von dem Schwaben selbst geschrieben , worinnen er berichtet , der Herr von Vilbel habe ihn am bewußten Sühntage , im Heimreiten begriffen , von der Straße aufgefangen , nach Neufalkenstein geschleppt , und