dessen Feier , nach der Sitte der Insel , heute ein Freuden-Abend angeordnet war , weil man einander zur ewigen seligmachenden Bestätigung einer Kindes-Unschuld durch den Tod Glück zu wünschen pflegte . Der Alte wollte erst recht ins Erzählen eingehen , als Dian seinen Albano bat , nach so langer Seelen- und Körperbewegung schlummern zu gehen bis Sonnenuntergang , wo er ihn wecke . Agata wies ihm sein kühles Zimmer an , und er ging hinauf . Hier vor dem kühlenden See-Zephyr war das Einschlummern schon der Schlummer , und das nachklingende Träumen schon der Schlaf . Sein Traum war ein unaufhörliches Lied , das sich selber sang : der Morgen ist eine Rose , der Tag eine Tulpe , die Nacht ist eine Lilie , und der Abend ist wieder ein Morgen . Er träumte endlich sich in einen langen Schlaf hinab.- Spät , im Dunkeln , schlug er verjüngt wie ein Adam im Paradies das Auge auf , aber er wußte nicht , wo er war . - Er hörte fernes süßes Tönen - unbekannte Blütendüfte durchschwammen die Luft - er sah hinaus - der dunkle Himmel war mit goldnen Sternen wie mit feurigen Blüten bestreuet - an der Erde , auf dem Meere schwebten Lichter-Heere , und in tiefer Ferne hing eine helle Flamme mitten im Himmel fest . Ein unbekannter Traum verwirrte noch die wirkliche Bühne mit einer verschwundenen , und Albano ging durch das stille menschenleere Haus fortträumend heraus ins Freie wie in eine Geisterinsel . Hier zogen ihn Nachtigallen zuerst mit Tönen in die Welt herein . Er fand den Namen Ischia wieder und sah nun , daß das Schloß auf dem Felsen und die lange Dächer-Gasse der Ufer-Stadt voll brennender Lampen stand . - Er ging auf die erleuchtete , von Menschen umlagerte Stelle der Töne zu und fand eine ganz in Freudenfeuern stehende Kapelle . Einer Madonna und ihrem Kinde in der Nische wurde unter dem geschwätzigen Rausche der Freude und Andacht eine Nachtmusik vorgespielt . Hier fand er seine Wirtsleute wieder , die ihn alle im Jubel ganz vergessen hatten , und Dian sagte : » Ich hätt ' Euch schon geweckt , die Nacht und die Lust währt noch lange . « » Hört und seht doch dort den göttlichen Vesuvio , der das Fest so recht gut mitfeiert « , rief Dian , der sich so tief in die Wellen der Freude eintauchte als irgendein Ischianer . Albano sah hinüber nach der hoch im Sternenhimmel webenden Flamme , die wie ein Gott den großen Donner unter sich hatte , und die Nacht hatte das misenische Vorgebürg wie eine Wolke neben dem Vulkan aufgerichtet . Neben ihnen brannten tausend Lampen auf dem königlichen Palaste der nahen Insel Procita . Indem er über das Meer hinblickte , dessen Küsten in die Nacht versunken waren und das unermeßlich und finster als eine zweite Nacht dahinlag : so sah er zuweilen einen zerfließenden Glanz darüberschweifen , der immer breiter und heller floß . Auch zeigte sich eine ferne Fackel in der Luft , deren Lodern lange Feuer-Furchen durch die flimmernden Wellen zog . Es kam eine Barke näher mit eingezognem Segel , weil der Wind vom Lande ging . Weibliche Gestalten erschienen auf ihr , worunter eine nach dem Vesuv gewandte von königlichem Wuchs , an deren rotem Seidenkleide der Fackelschein lang herunterfloß , das Auge festhielt . Wie sie näher schifften und das helle Meer unter den schlagenden Rudern auf beiden Seiten aufbrannte : so schien eine Göttin zu kommen , um welche das Meer mit entzückten Flammen schwimmt und die es nicht weiß . Alle stiegen in einiger Ferne ans Land , wo bestellte Diener , wie es schien , dazu gewartet hatten , um alles zu erleichtern . Von der langen Gestalt nahm eine kleine , mit einer Doppellorgnette versehene einen kurzen Abschied und ging mit einem ansehnlichen Gefolge fort . Die rotgekleidete zog einen weißen Schleier über das Gesicht und ging , von zwei Jungfrauen begleitet , ernst und einer Fürstin ähnlich , der Stelle zu , wo Albano und die Töne waren . Albano stand nahe an ihr , zwei große schwarze Augen , mit Feuer gefüllt und mit innigem Ernst auf dem Leben ruhend , strahlten durch den Schleier , der die stolze gerade Stirn und Nase verriet . In der ganzen Erscheinung war für ihn etwas Bekanntes und doch Großes , sie kam ihm als eine Feenkönigin vor , die vorlängst sich mit einem himmlischen Angesicht über seine Wiege lächelnd und begabend hereingebückt und die nun der Geist mit alter Liebe wiedererkennt . Er dachte wohl an einen Namen , den ihm Geister genannt , aber diese Gegenwart schien hier nicht möglich . Sie heftete ihr Auge mit Wohlgefallen und Aufmerksamkeit auf das Spiel zweier Jungfrauen , welche , niedlich in Seide gekleidet , mit Gold-besetzten seidnen Schürzen , zur Tamburine einer dritten anmutig mit verschämt gesenktem Haupte und gesenkten Augen tanzten ; die beiden andern , von der Fremden mitgebrachten Jungfrauen und Agata sangen mit italienischer halber Stimme süß zur holden Lust . » Es geschieht alles « ( sagte ein alter Mann zur Fremden ) » in der Tat zur Ehre der heiligen Jungfrau und des heiligen Nikola . « Sie nickte langsam ein ernstes Ja . Da stand plötzlich Luna , vom Opferfeuer des Vesuvs umspielet , drüben am Himmel , als die stolze Göttin des Sonnengottes , nicht bleich , sondern feurig , gleichsam eine Donnergöttin über dem Donner des Bergs - und Albano rief unwillkürlich : » Gott , der große Mond ! « - Schnell hob die Fremde den Schleier zurück und sah sich bedeutend nach der Stimme wie nach einer bekannten um ; als sie den fremden Jüngling lange angeblickt , wandte sie sich nach dem Monde über dem Vesuv . Aber Albano war von einem Gott erschüttert und von einem Wunder geblendet : er sah hier Linda de Romeiro . Als sie den Schleier hob , strömte Schönheit