sind Freienwaldes Schönheit und sein Schatz . Wer , der je in der märkischen Schweiz war , hätte nicht vom Ruinen- und Kapellenberg , von der Königshöhe und dem Monte Caprino gehört ; heute jedoch , an allen diesen Punkten schöner Aussicht vorübergehend , machen wir dem entfernter gelegenen , halb verwilderten Schloßberg unseren Besuch , auf dem laut Sage die alte Burg der Uchtenhagens stand . Vorher , einleitend , ein Wort über den Ursprung dieses Geschlechts . * Die Uchtenhagens saßen hier , um Freienwalde herum , drei vielleicht auch vier Jahrhunderte lang , und emsiger , neuerer Forschung ist es gelungen , die Schicksale derselben , die lange Zeit hindurch nur unklar dämmerten , wieder klar und deutlich an das Licht der Geschichte zu ziehen . Aber die historische Forschung , soviel ihr gelang , vermochte doch nicht bis auf die Anfänge des Geschlechtes zurückzugehen . Diese Anfänge sind in Dämmerung geblieben und wir scheiden deshalb alles , was wir von den Uchtenhagens zu sagen haben werden , in eine sagenhafte und eine historische Zeit . Die historische Zeit , auf die wir weiterhin eingehender zurückzukommen gedenken , beginnt mit dem Ausgange des vierzehnten Jahrhunderts , zu welcher Epoche sich die Familie bereits in Freienwalde vorfindet . Aber nur die Sage beantwortet uns die Frage : Wie kamen die Uchtenhagens nach Freienwalde hin ? Und dieser Sage wenden wir uns zuvörderst zu . Henning von Jagow » klein an Gestalt , aber hoch an Gemüt « , nachdem er sich , verdient oder unverdient , die Ungnade des Markgrafen zugezogen hatte , war aus dem Lande verbannt worden . Ein Preis stand auf seinen Kopf . Jagow indessen , unwillig das Land zu verlassen , daran er hing , zog sich bis an die Oder in die Sumpf- und Waldreviere zurück , die damals die Ostgrenze des markgräflichen Besitzes bildeten , also aller Wahrscheinlichkeit nach in die Berge und Brüche der Freienwalder Gegend . Hier lebte er mit anderen Verbannten und Ausgestoßenen das Leben des Geächteten , ungekannt , namenlos , aber sicher im Schutz der Wälder . Es war ein Leben voll Kampf und Gefahr , voll Freiheit und Übermut , ähnlich dem , das uns alte Balladen und Volksgesänge als das Leben Robin Hoods , dieses unerreichten Vorbilds poetischen Wald- und Räuberlebens , geschildert haben ; aber unser Jagow trug doch schwer daran , denn es zog ihn unter die Menschen und in die Nähe des Markgrafen zurück und seine Seele trachtete mehr und mehr nach einer Gelegenheit , sich die Gunst seines Herrn , den er liebte , neu zu erwerben . Und diese Gelegenheit bot sich endlich . Es kam zu einem Kriege mit den Pommern , und um Freienwalde herum stießen die Heere des Pommernherzogs und des Markgrafen aufeinander . Man focht Mann gegen Mann ( collato pede , wie der Chronist erzählt ) , und der Sieg neigte sich schon den Pommern zu , als Jagow aus der Waldestiefe mit seinen Geächteten hervorbrach . Er faßte den Feind im Rücken , und nach tapferer Gegenwehr wandten sich die Pommern zur Flucht , der Oder zu , die jedoch nur von wenigen erreicht wurde . Die Mehrzahl färbte den Boden mit ihrem Blut . Und die Stelle , wo das Blut floß , heißt bis diesen Tag das » rote Land « . Jagow aber , vor den Markgrafen geführt , wurde mit dem Lande belehnt , auf dem er so glück lich gekämpft hatte , und empfing , auf daß sein Name nicht fürder mehr an alte Zeit und alten Groll erinnere , den Namen Uchtenhagen , weil er » uht dem Hagen « d.h. aus dem Walde , zu seiner , des Markgrafen Rettung hereingekommen war . So weit die Sage , von der ich annehmen möchte , daß sie der Klasse der bloß aus dem Namen hergeleiteten Zurechtmachungen , also jenen nachträglichen Erfindungen angehört , an denen das siebzehnte und noch mehr das achtzehnte Jahrhundert auf dem Gebiete der Adelsgeschichte so fruchtbar waren . Aber das mangelnde historische Fundament soll uns nicht undankbar machen gegen die Sage selbst , die , sie sei jung oder alt , verwirrend oder die rechten Wege führend , um ihrer selbst willen ihre Berechtigung hat . Wir überlassen uns deshalb , ehe wir in das Gebiet der Geschichte eintreten , auch im weiteren noch ihrer Führung und erfahren von ihr mit der ihr eigenen Bestimmtheit , daß es der Schloßberg war , auf dem sich die erste und älteste Burg der Uchtenhagen erhob . Und diesem Schloßberg , ohne längeres Verweilen , gilt jetzt unser Besuch . * Wir haben Freienwalde mit der Nachmittagspost erreicht und einem jener Cicerones , die den Posthof zu umstehen pflegen , vertraulich mitgeteilt , daß wir noch vor Sonnenuntergang oder doch vor dem Hereinbrechen vollständiger Dunkelheit den Schloßberg zu sehen wünschten , zu Fuß , wenn möglich , zu Wagen , wenn nötig . Da in den Cicerones von Freienwalde gemeinhin mehrere Ämter kumulieren , mindestens aber die Metiers des Führers und des Fuhrmanns zusammentreffen , so ist die Antwort selbstverständlich und nach einer halben Stunde rollt ein Einspänner vor , der nicht voll bis in die Zeit der Uchtenhagens zurückreicht , aber doch beinah . Der Hintersitz ist leer ; auf dem Vordersitz befindet sich der Führer selbst , nunmehr als Kutscher , und knipst mit der Peitsche , um sich in seinem neuen Amte zu beglaubigen . Er trägt einen hellgrauen Flauschrock , dazu eine schwarze Tuchmütze , deren Schirm halb über sein Gesicht fällt . Was auf den ersten Blick überrascht , ist , daß er nicht raucht . Aber freilich jene sonderbare Klasse von Personen , der er zugehört und von der jedes Dorf oder jedes Ackerstädtchen wenigstens ein Exemplar aufzuweisen hat , raucht nie . Es sind dies die Träger der Volkspoesie , die Sagenhüter , die Märchenerzähler des Nordens . Sie sind gutgeartet , redselig und schweigsam zugleich , lieben die