nimmer an ! War denn das je erhört ? Bei Ihrer Messalina wird man ja ganz aufgeregt . « » Ei , das bedaure ich ! Ich selbst verfolgte nur den sittlichsten Zweck , die Nichtigkeit der Sinnengier zu zeigen und ihre Strafe . Außerdem aber , was kümmert sich die Kunst um die Anstandsbücher einer Gouvernante ! Ja , dies sind nicht die Geheimnisse der Alten Mamsell , dies sind die Geheimnisse der Messalina . Wem bin ich Rechenschaft schuldig , ich der Schöpfer ? Ich thue was mir beliebt und singe , wie mir der Schnabel gewachsen ist . « » Aber ich bitt ' Sie ! « Knaller schlug die Hände über dem Kopf zusammen . » Wer soll denn Ihre Werke lesen ? « » Die Männer . « » Ach herje , wir haben doch alle zu viel zu thun , jeder in seinem Amt . Abends ist man müde , da spielt man Skat und trinkt sein Schöppchen Bier . Aber unsre Damen , die holden Schützerinnen der Litteratur - « » Pfui Teufel ! « Leonhart spie aus . Schreckliche Pause . Der Rechtsanwalt saß geknickt da und murmelte : » Herr Doctor , Sie sind mir ein Räthsel . - Ja , aber die Gerichte , verehrter Herr , die Rechtspflege dieses Landes müssen Sie doch anerkennen . Unter dem Gesetz stehen doch auch Sie , Sie - Schöpfer . Nehmen Sie mir ' s nicht übel , aber die Herrn Dichter haben manchmal sonderbare Begriffe . Sie z.B. - « Leonhart unterbrach ihn : » Ja , ich gebe es zu , ich habe mich nie als Bürger und sozusagen als Mensch , sondern immer nur als Dichter gefühlt , dem Dämon meiner inneren Mission alle Säfte meiner Jugend geweiht . « » Hm , sehr - sehr interessant , « näselte Knaller . » Aber paßt das wohl noch in unsere nüchtern praktische Zeit ? Da sind Sie doch schief gewickelt . Und dann - hehe - wenn Sie so ganz Ihren schönen Idealen leben , so sollten Sie doch eben das unpoetische Weltleben ganz unberücksichtigt lassen . Sehen Sie , unsere Damen - ich weiß das von meinen Cousinen her - hassen Sie ja gerade , weil Sie so - so realistisch , so unpoetisch denken . Sehen Sie , Julius Wolff - das ist ein gottbegnadeter Poet , der das Schöne pflegt . Aber Sie - sehen Sie , die Politik und die sociale Frage gehören doch nicht in das Reich des Schönen , der göttlichen Kunst . « Leonhart hielt mit Mühe an sich . Ruhig erwiderte er : » Ja , mein lieber Herr Rechtsanwalt , ich begreife , daß Sie , ein so reichbesaittes poetisches Gemüth , das Ideale vertheidigen . Schönheit lebt nur in dem Reich der Träume , in Wolkenkuckucksheim . Aber wir Armen gehen einer ernsten furchtbaren Zeit entgegen , wo der hohle Schönheitscultus , die ästhetische Formfexerei sich endlich verkriechen müssen . Nur die Feder gilt dann noch , welche von Stahl ist - Gänse-und Schwanenfedern zerbrechen . In Bereitschaft sein ist alles . « » Na , ich grüße Ihre Schwertfeder ! « Der Rechtbeflissene räusperte sich vielsagend . » Aber Ihre Sache steht faul , so viel kann ich Ihnen nur sagen . Ich widerrathe Ihnen zu appelliren . Es kostet Ihnen nur ein schmähliches Geld und der hohe Gerichtshof « Knaller sprach dies Wort immer mit ehrfürchtiger Salbung , » kann ja nicht anders entscheiden als der Herr Staatsanwalt . Denn Ihre Messalina - darüber sind wir uns ja alle wohl klar - ist ein unsittliches Erzeugniß , hehe ! « Er kniff schelmisch ein Auge zu und zwinkerte den Dichter an , als handle es sich um ein vertrauliches Privatzugeständniß zwei schlauer Bierbrüder . » Herr , « schrie Leonhart wüthend , » ich verbitte mir jedes weitere Urtheil darüber . Was verstehn Ihre verstaubten Codices von der höheren Moral eines Dichters ? Ich Ihre Gesetzbegriffe respektiren ? Nein und dreimal nein . Sie haben überhaupt keine Competenz , Höheres nach Ihrer Buchstaben-Elle zu messen . Ich kenne das : Das ist so der rechte juristische Größenwahn ! « Knaller sprang erregt auf . » Ich muß mir ernstlich verbitten , Herr Doctor - ! Und Sie reden von Größenwahn - erlauben Sie , das ist günstig ! Wie , Sie bestreiten die Competenz der Rechtskunde ? « » Gewiß thu ich das . Was versteht ihr Buchstabenkrämer vom Geist des Rechts ? Alles glaubt ihr mit strenger Amtsmiene beschnüffeln zu dürfen und verstoßt doch in jedem Fall , wo ihr mit Buchstaben-Frevlern zu thun habt , gegen alle Rechtsmoral . « » Das wäre ! Demonstriren Sie das doch gefälligst an einem Beispiel ! « Leonhart sann einen Augenblick nach . » Ich hab ' s ! « rief er dann . » Positus gesetzt den Fall , ein junger idealangelegter rechtsunkundiger Mensch - « » Unkenntniß der Gesetze entschuldigt nicht , « fiel Knaller eilfertig ein . » Aha , da haben wir ' s ja ! - Nun also , der soll einen Wechsel unterschreiben , sagen wir mal : als Künstler für noch unbezahlte Leinwand oder Rahmen oder Farbentüben . Der Kaufmann aber , dem der Jüngling nicht ganz sicher scheint , gängelt ihn so beiläufig dahin , ob er nicht den Wechsel lieber im Namen seines Vaters oder Onkels oder Vormunds , bei dem er wohnt und dessen Erbe er ist , unterschreiben wolle . « » Oho ! « Der Rechtsanwalt spitzte die Ohren . » Und der Jüngling in seiner Einfalt , begierig die Farben oder die Leinwand für sein Schaffen zu erhalten , da er zudem weiß , daß der Wechsel von dem Unterschriebenen honorirt werden wird , setzt arglos den Namen seines Vaters oder Onkels oder Vormunds darunter . Was sagen Sie dazu ? « » Hm , « Knaller wiegte nachdenklich sein Denkerhaupt . » Grobe Wechsel-