des Fürsten , bescheiden und dankbar , aber doch seine Würde als Landesherr vollständig wahrend , zeigte einen denkenden , für das Wohl seiner Untertanen eifrig besorgten Monarchen , der seiner Freude Ausdruck gab , mit Deutschland die besten Beziehungen angeknüpft zu haben und auch weiter noch knüpfen zu können , indem er den deutschen Auswanderern allen nur möglichen Schutz gewähre und sie den Eingeborenen des Landes in jeder Beziehung gleichstelle . Auf ihre Fragen erfuhren die Offiziere , daß die Deutschen auf den Tongainseln vor allem mit Kobra handeln , den zerschnittenen Kernen der Kokosnuß , die dort in großen Wäldern wächst und den bedeutendsten Ausfuhrartikel darstellt . Es lagen auch gleichzeitig mit der Gazelle noch sieben europäische Schiffe im Hafen , die gerade eine Ladung Kobra übernahmen . Von hier ging die Korvette nach den Samoa-Inseln und war nun wieder ganz vom Zauber der Tropenwelt umgeben . Am 24. Dezember warf die Gazelle im Hafen von Apia auf Upolu Anker , und die Mannschaft erhielt Erlaubnis , an Land zu gehen und dort den Weihnachtsabend zu verbringen . Das war eine eigenartige Feier . Die Matrosen konnten sich nicht entschließen , in den Wirtschaften zu sitzen , zu trinken und zu tanzen wie sonst , wenn sie nach langer Fahrt zum erstenmal wieder Land betraten . Sie alle waren ja einmal Kinder gewesen , die am Weihnachtsabend um den Tannenbaum standen und mit glücklichen Augen den Glanz seiner Kerzen sahen , sie alle hatten ja daheim ihre Lieben und wußten , daß deren Gedanken jetzt bei ihnen waren , - kein einziger war ausgelassen oder beging irgendwelche kleinen Tollheiten , die sonst zum Leben eines Matrosen an Land nun einmal gehören . Auch Robert war sehr ernst gestimmt . Er sah die Farbenpracht tropischer Wälder mit ihren bunten Blüten , aber er dachte an die heimatlichen Tannen . Er glaubte den Harzgeruch zu spüren , sah die kleinen , bescheidenen Lichter und die vergoldeten Früchte und erkannte das niedere Zimmer im Elternhause , - und auch die Gesichter der beiden lieben alten Leute wurden vor seinen Augen lebendig ; die Mutter , die vielleicht jetzt weinend an ihren einzigen Sohn dachte , der Vater , den er nun nicht mehr wiedersehen würde . Es beengte ihm die Brust , - er mußte etwas sagen . » Jungens « , sagte er , » wollen wir uns einen Christbaum machen ? « Mehrere Stimmen antworteten zugleich , und alle waren einverstanden . » Daran dachte ich längst ! « rief Gerber . » Die Fremde ist doch immer die Fremde , - man wird ganz weinerlich , wenn einen so die Erinnerungen an die alte Heimat überfallen . « » Aber einen Tannenbaum gibt ' s in ganz Apia nicht ! « meinte ein anderer . » Was schadet das ? Grün ist Grün , und Lichter hat man ja auch hier . « Und so kam es . Die Matrosen besorgten sich ein stattliches , mit Blüten und Früchten bedecktes Brotfruchtbäumchen , das mit seinen Wurzeln aus dem Boden gehoben und in einen großen Kübel gestellt wurde . Dann ging es an den Baumschmuck . Jeder einzelne der ganzen Schar brachte seine Lichter in Gedanken an die lieben Angehörigen daheim in Deutschland , jeder erzählte von den Weihnachtsabenden früherer Jahre und wie die Kinderzeit so schön gewesen sei und so glücklich - - » An Land möchte man nicht leben « , sagte Gerber , » wahrhaftig , ich hielte es nicht aus ohne die See , aber es ist doch eigenartig , so Jahr für Jahr über die Meere zu fahren und nur selten für wenige Tage unter Menschen ein Mensch zu sein . Wenn ich jetzt nach Hause komme , finde ich lauter fremde Gesichter , - meine alte Mutter starb , seit wir von Kiel fortgingen , und zwei Schwestern haben geheiratet , - es ist alles anders geworden . « Robert legte ihm die Hand auf die Schulter . » Keine trüben Erinnerungen , Gerber « , sagte er ermunternd . » Wir wollen singen , das macht das Herz frei . Kinder noch einmal , wir sind ja doch jetzt auf der Heimreise , also warum denn erst traurig werden ? « Die Bowle , wunderbar nach tropischen Früchten duftend , wurde gebracht , und unter dem eigenartigen Weihnachtsbaum entfaltete sich ein buntes Bild . Die Matrosen , saßen und lagen um den Tisch , Zigarrenrauch erfüllte den Raum , und zwischen den Lichtern blühte es und trug reife Früchte am eigenen Stamm . Die Gesichter der Eingeborenen sahen von draußen herein , horchten mit Erstaunen den Klängen der deutschen Sprache und summten im Takt die Melodie , ohne den Wortlaut zu ahnen : » O du fröhliche , O du selige , Gnadenbringende Weihnachtszeit « Es war ein schöner und froher Weihnachtsabend , den die Matrosen von der Gazelle im fernen Apia verlebten . Erst gegen Morgen kehrten die jungen Leute zum Schiff zurück , singend , fröhlich und bepackt mit allen möglichen guten Dingen , um an Bord die Armen von der schwarzen Liste , die Wache gehalten hatten , jetzt nachträglich noch zu bewirten . Sie erschienen wie die leibhaftigen guten Geister des Weihnachtsabends und brachten die Festfreude auch zu den armen Missetätern , die einmal auf das frischgescheuerte Deck gespuckt , in der Nähe des Großmastes laut gelacht oder vielleicht sogar eine Stenge ungeschmiert gelassen hatten , wofür ihnen dann die Strafwache unweigerlich zugefallen war . Am folgenden Tage ging es an eine Besichtigung der Umgebung . Soviel tropische Schönheit wie hier hatte Robert kaum an irgendeinem anderen Ort der Welt gesehen . Die ganze kleine Insel glich einem Garten , in dem die einzelnen Ansiedlungen zerstreut unter den Bäumen dalagen . Deutsche Handelshäuser haben für die Bedeutung der Insel sehr viel getan . Sie betrieben den Ankauf der einheimischen Erzeugnisse und beschäftigten durch Pflanzungen von Kaffee , Mais , Baumwolle und Kokosnüssen viele Hunderte von Arbeitern . Robert