, den man in der alten Capelle im Schlosse seit zwei Jahrhunderten gesammelt und der mit den neuerworbenen Stücken schon einen hübschen Kirchenschatz begründete , sollte seinen Sacristan bekommen , man mußte einen Glöckner haben , der den Kirchendiener machte , und vor Allem wünschte der Freiherr , der ein großer Freund des Kirchengesanges war , die Einweihung der Kirche nicht ohne einen solchen zu vollziehen . Von diesem Verlangen bis zu dem Gedanken , sich dauernd ein Quartett von Knabenstimmen für die Kirche zu sichern , war es für den Freiherrn nicht weit . Angelika erhob ihre wirthschaftlichen Bedenken dagegen , indeß der Freiherr wußte sie über dieselben zu beruhigen und fand den Weg , sie für seine Wünsche zu gewinnen . Er meinte , da man nur eine kleine katholische Gemeinde für die Kirche habe , müsse man eine wohlthätige Stiftung mit der Kirche in Verbindung setzen , und dies sei ohne große Opfer auszuführen . Wenn man einen jungen Geistlichen zum Sacristan ernenne , der des Orgelspieles mächtig und im Stande sei , einigen Knaben außer dem Unterrichte der Musik den gewöhnlichen Schulunterricht zu ertheilen , so könnte man neben der Kirche eine kleine katholische Schule errichten und sich , wenn man die heranwachsenden Knaben immer zu den Lebensberufen anleitete , für welche sie Anlage oder Neigung bethätigen , allmählich eine Anzahl wohlerzogener katholischer Handwerker oder Beamten heranbilden , die zugleich den Stock für die Ausbreitung der Kirche innerhalb der Herrschaft abgeben würden . Vier Knaben aus armen und wohlgesitteten Familien zu erziehen , war sicherlich ein gutes Werk , und eine solche kleine Colonie auf den Gütern zu erhalten , keine Aufgabe , welche irgendwie die Kräfte des Gutes überschritt . Für ein solches wohlthätiges Unternehmen durfte man natürlich sicher sein , die Zustimmung der Baronin schnell zu erlangen , und der Bischof , dem so unerwartet die Möglichkeit geboten wurde , einen jungen Geistlichen anzustellen , ein paar Leute als Glöckner und Kirchendiener zu versorgen und einigen strenggläubigen Familien durch Unterbringung ihrer Söhne seine Zufriedenheit auszudrücken , stimmte dem ganzen Vorhaben mit großer Anerkennung bei . Aber auch den Wünschen des Caplans kam die Absicht des Freiherrn entgegen . In der entsagenden und begeisterten Liebe seiner Jugend hatte er sich von der Welt zurückgezogen und auf eine weitgreifende Thätigkeit innerhalb der Kirche , ja , selbst auf das Walten in einer Gemeinde verzichtet , um dem Andenken einer Geschiedenen zu leben , um ihrem Bruder nahe zu sein und sich selber aufzuerbauen . Indeß eine Jugendliebe wirft nur bleiche Strahlen auf das spätere Leben , und wenn der Caplan sich auch sagen durfte , daß er Angelika der Kirche gewonnen habe , war doch grade mit den fortschreitenden Jahren oft der schmerzliche Gedanke über ihn gekommen , daß er das reiche Maß seiner Kräfte nicht genug gebraucht , daß er nicht genug gewirkt für die Verbreitung und den Ruhm der Kirche , der er angehörte ; und eben die letzten traurigen Ereignisse in Rothenfeld hatten ihm wie eine Mahnung gedäucht , die ihm noch vergönnten Lebenstage eifriger zu benutzen . Es schien ihm ein Wink des Himmels , ein sichtbares Eingreifen des Höchsten zu sein , daß Gott der neugegründeten Kirche , wie in den ersten Tagen des Christenthums , gleich ihren Blutzeugen zugesellt , und die Vorstellung , daß dies Alles habe geschehen müssen , um ihm eine Mahnung und ein Sporn zu sein , ward immer mächtiger in ihm . Er hatte mit ruhiger Erhebung einst der Grundsteinlegung zu der Kirche beigewohnt , ihren sehr verzögerten Bau gelassen fortschreiten sehen ; nun zählte er die Tage , welche bis zu ihrer Einweihung vergehen mußten . Seit seinen jungen Jahren hatte er die Kanzel nicht betreten , nicht unter der erhabenen Wölbung eines Gotteshauses gepredigt , nicht vor dem Altare einer Kirche die Messe celebrirt . Viele Hoffnungen waren ihm verloren gegangen , auf Manches hatte er verzichten lernen . Er begann zu fühlen , daß er älter werde , weil der Kreis seiner Wünsche , Plane und Erwartungen sich verengte . Neues Streben und damit neue Hoffnung in sich aufnehmen , heißt aber , sich eine neue Jugend schaffen , und wie sollte man diesem Reize widerstehen , auf diese Möglichkeit verzichten , so lange man noch die Kraft dazu empfindet ? Es war die Sehnsucht nach verlängertem Leben , ohne welche der Mensch dem Tode noch früher verfallen würde , es war das halb unbewußte Verlangen nach Lebenslust , die in dem einst so entsagungsfähigen Manne noch im hohen Mannesalter den Ehrgeiz weckten . Er und der Freiherr theilten jetzt den Verdruß , den sie Seitens der protestantischen Kirche zu tragen hatten , und fanden sich in der Thätigkeit für die Einweihung der Kirche mit Genugthuung zusammen . Man hatte schon lange eines der zum Amte gehörenden , aber außerhalb des Amthofes und sehr nahe bei der Kirche gelegenen Gebäude zur Kirchenwohnung ersehen . Bisher hatten die Wirthschafter sie inne gehabt ; nun , da man dem künftigen Amtmanne überhaupt kein so breites Leben wie den Steinerts einzuräumen dachte , sollten die Wirthschafter im Amthause ihr Unterkommen finden und der Sacristan mit den vier Knaben , welche der Freiherr zu Assistenten bei dem Gottesdienste zu haben wünschte , ihre Wohnung bei der Kirche erhalten . Es war dabei auf einen verheiratheten Glöckner abgesehen , der die Beköstigung des Sacristans und seiner Schüler übernehmen könne . Eine Zeit lang hatte der Freiherr , von der Herzogin beeinflußt , wohl die Absicht gehegt , auch den Caplan nach Rothenfeld übersiedeln zu lassen ; aber er hatte dessen Anwesenheit , während jener mit der Baronin in der Stadt gewesen war , doch mehr vermißt , als er erwartet haben mochte , und grade der Hinblick auf Angelika machte es ihm wünschenswerth , den ihr so werthen Mann in ihrer Nähe und auch in der Nähe des Knaben zu lassen , dem die Aufsicht und der Unterricht des Caplans mit jedem Tage nöthiger werden mußten .