Englischen Hof ! Jetzt freilich - Der Mönch sah den Sprecher an , als irrte er sich in der Person . Ja es war ein Blick voll Größe und als wollte er sagen : Ich spreche armenisch und komme vom Libanon ! Benno fixirte den Pater von oben bis unten und würde den vor Verlegenheit verstummenden Rittmeister in der Erkennung unterstützt haben , wenn nicht Thiebold Bonaventura ' s Bekanntschaft zum ersten mal gemacht hätte . Da gab es denn ein Bestürmen mit dem ganzen Feuer des Antheils , ein Aufrufen zur Vergleichung der Aehnlichkeit mit dem Onkel Dechanten , ein lärmendes Erörtern der unangenehmen Nachrichten für Frau von Gülpen , daß nun eine andere Conversation gar nicht mehr aufkommen konnte . Der Mönch , wie nicht im mindesten berührt von der Begegnung mit einem Manne , der ihm die trübsten Erinnerungen des Lebens zurückrief , wandte sich inzwischen und richtete , wie wenn nichts wäre , den Blick auf die Straßenecke , die mit Anschlagzetteln bedeckt war ... Man befand sich auf einem der vielen kleinen Plätze der Stadt , in der Nähe eines Gasthofs mittlern Ranges . In Bonaventura ' s Klagen über die Verzögerung seines Aufenthalts mußte sich sein Bedauern mischen , von Benno hören zu müssen , daß diesen jede Stunde eine Weisung seines Principals über Land zu schicken drohte und , wie er sagte , sein halb schon immer gepackter Koffer ihn vielleicht heute Abend bereits wieder aufs Dampfboot begleiten könnte . Ich hoffe morgen empfangen und verabschiedet zu werden ! sagte Bonaventura und drückte damit für Benno eine Bürde aus , die er an dem lesend der Mauer zugewandten Begleiter zu tragen hätte ... Und in dem Rittmeister von Enckefuß sah denn nun Bonaventura eine Persönlichkeit , die vielfach genannt wurde , sprach man von den Zerwürfnissen des Kirchenfürsten mit der Regierung und einer schon uralten Verfeindung des Domherrn Grafen von Truchseß-Gallenberg mit dem herrschenden Systeme ... In seiner Heimat drüben erfolgte nach geistlicher , dann westfälischer Herrschaft die Uebernahme der Zügel des Regiments 1815 schroff und im Geiste solcher Sieger , die von der Demüthigung des Corsen triumphirend heimkehrten und in den neugewonnenen Ländern und Städten als Wächter die wilden Söhne des Heerlagers zurückließen . Kurze Zeit hatte der Corse auch die Söhne dieser Länder in Waffen den übrigen deutschen Brüdern gegenübergestellt und nun trat unter Verhältnisse , wo aus jedem nur erdenklichen Grunde der Politik die Versöhnung hätte herrschen sollen , doch , wie einmal die menschliche Natur ist , die Vergeltung . Ein tüchtiger Heerführer befehligte in der Hauptstadt des neuerworbenen Landes . Milderte an ihm sein Verdienst die Wildheit und konnte eine gewisse barsche Treuherzigkeit , der man im rechten Augenblicke sogar Gemüthvolles abgewinnen konnte , ihm manche gute Wirkung sichern , so verdarben das , was seine Oberleitung noch allenfalls gut machte , die Untergebenen . Sein eigener Sohn war es , ein junger Offizier , der auf dem so gänzlich verschiedenartigen Boden die Sitten der Heimat einführen wollte . Der Husarensäbel des Rittmeisters von Enckefuß zerhieb alle Schwierigkeiten , deren sich für den alten General , seinen Vater , immer zahlreichere fanden . Verhältnisse , Vorurtheile , Meinungen , Gewohnheiten wurden verletzt , mit ihnen die Personen . Die Reizbarkeit erhöhte sich . Zu Kränkungen kam es , die niemand mehr mit der dem dortigen Menschenschlage eigenen Selbstbeherrschung , die man auch Trägheit nennen mag , verwinden mochte ; bald standen sich die höhern Stände gegenüber . Einige der jüngern Domherren , Geistliche aus den ersten Geschlechtern des Landes , wurden von dem Militärgeist , der seinen Säbel auf dem Straßenpflaster nachschleppen ließ , auch auf dem neutralen Boden der Geselligkeit , vorzugsweise im Casino der Stadt , geneckt und , als sie es ihrem Amte gemäß schweigend hinnehmen mußten , mit spottenden Worten bezeichnet . Es kam zu einem Ehrenstreite , an dem die Stadt , die ganze Provinz theilnahmen . Zwei junge Domherren waren durch wiederholte Beleidigung in der Nothwendigkeit , sich von den Offizieren Genugthuung zu erwirken . Welche konnten sie erlangen ? Als Priester durften sie die Waffe nicht führen . Ihren Stand zu verlassen verhinderte eigene Neigung und der durch Familienstatut gebundene Wille . Sie klagten vor Gericht . Dies konnten sie nur da thun , wo der Rechtsspruch vom jenseitigen Feldlager kam . Nach langem Processiren kam es zu einem Austrag , der ihrer Ehre allerdings einen dürftigen Strohhalm bot . Vor den Gegnern hatten sie einen zweifelhaften Sieg gewonnen . Neue Verwickelung , neuer Hader . Da tritt der einzige Bruder des Domherrn , der Träger des Geschlechts , in die Schranken und wird , sowie später in unedlerer Veranlassung Jérôme von Wittekind , im Duell von jenem Rittmeister der Husaren erschossen ... An des Bruders Grabe soll Priester Immanuel , der Domherr Graf von Truchseß-Gallenberg , damals einen nur stillen Schwur gesprochen haben , vollkommen aber vernehmbar den Geistern Innocenz ' III. und Gregor ' s VII. Nun der Anlaß dieser Irrung , der alte Husar da , sorglos , seinen gefärbten Schnurrbart drehend und unterhaltend sein » junges Volk « von der » Witwe Clicquot « - und das sogar in einer Weise , der Bonaventura , um seine eigene ehemalige Fähnrichschaft von ihm angegangen , gar nicht gram sein konnte ... Ihm waren diese ghibellinischen adeligen Landsknechte geläufig , die mit unendlichstem Leichtsinn Hab ' und Gut im Würfelspiel in einer Nacht verknöcheln konnten und dennoch , wenn die Drommete gerufen hätte zur Schlacht , sich aufs Roß geschwungen haben würden und Leib und Leben nicht minder leicht aufs Spiel gesetzt . Die fröhliche Gesellschaft wollte weiter gehen und sah auf den unter fast ähnlichen Lebensbedingungen , wie der fröhliche Rittmeister , stehenden Mönch , um Abschied zu nehmen . Dieser stand abgewandt und las ... Die Männer gingen ... Bonaventura wartete , bis sich Pater Sebastus wenden würde ... Endlich that er es ... Leichenblaß ... Bonaventura redete ihn um die Bekanntschaft mit dem Rittmeister an .