den vorhin erwähnten Hof hinaus gingen , und da diese Fenster sich fast in derselben Flucht mit denen des Adjutantenzimmers befanden , so hatte er trotz verschiedener Grade Kälte eine Fensterscheibe geöffnet und seinen Kopf hinausgestreckt , um besser nach dem bezeichneten Orte sehen zu können . Da war aber vorderhand nichts zu bemerken : Alles war gleich öde und still , nirgends eine menschliche Seele zu sehen , und wenn man nicht an den Fenstern , die hier hinaus gingen , da irgend einen farbigen Vorhang , dort die grünen Blätter einiger Blumen bemerkt hätte , so wäre dieser Hof wahrhaft trostlos gewesen . Auch dort , wohin der Graf Fohrbach blickte , ließen sich hinter einem Doppelfenster Blätter und Blüthen sehen . Zuweilen schien es dem Grafen auch , als komme aus dem Innern des Zimmers eine weiße Hand und mache sich dort irgend etwas zu schaffen . Sowie er aber in diesem Falle in größter Geschwindigkeit sein ungeheures Theaterglas ergriff und hinauf sah , so ließ er es doch seufzend wieder herab sinken , denn entweder hatte er sich geirrt oder war die Hand droben zurückgezogen worden . Wenn er alsdann eine Zeit lang vergebens hinauf geschaut , so schloß er wohl auf Augenblicke die Fensterscheibe , nahm ziemlich verdrießlich ein Buch , das vor ihm lag , und sah hinein , ohne jedoch auch nur eine einzige Zeile zu lesen . Das war Alles heute Nachmittag entsetzlich langweilig , und die Uhr , die er zu Rathe zog , sagte ihm , es sei erst Zwei . - Also noch volle vier Stunden bis zur Tafel ! Graf Fohrbach hatte abermals die Glasscheibe neben sich geöffnet , das Theaterglas ergriffen und vergebens nach den bewußten Fenstern hinauf geblickt und wollte sich eben wieder zurückziehen , als er von dem Hofe herauf , und zwar dicht unter seinem Fenster , von einem lauten und kräftigen Lachen begrüßt wurde . Aergerlich wandte er den Kopf abwärts ; - wer konnte es wagen , ihn auf so auffallende Art hier in der Ausübung des königlichen Dienstes zu stören ? - Doch hatte er nicht sogleich den , der vor dem Fenster stand , erkannt , als er , selbst lustig lachend , hinabrief : » He , Major , wo kommst du her ? - Hast du am Ende die vortreffliche Idee , mir an diesem wunderbaren Feiertag-Nachmittag etwas Gesellschaft zu leisten , so vergelte es dir Gott , und ich will zu allen Gegendiensten bereit stehen . « » Eigentlich war das nicht meine Absicht , « entgegnete der Andere ; » ich wollte bei dem schönen kalten Wetter eine Promenade machen . Doch wenn es dich besonders freut , so halte ich gerne eine halbe Stunde bei dir an . « Damit ging er dem Eingange zu , verschwand dort , stieg die paar Stufen bis in ' s Erdgeschoß hinauf und trat gleich darauf in das Zimmer . Graf Fohrbach hatte unterdessen einen Fauteuil an die andere Seite des Fensters gerückt , auf welchem sich der Major niederließ , die Beine über einander schlug und seinen Freund lächelnd anschaute . » Es scheint mir , du bist heute guter Laune , Major , « sagte der Graf ; » und es ist gut ; du kannst mich dann ein wenig aufheitern . « » Also bist du verdrießlich ? « » Gott verzeih ' dir diese Frage ! Man sieht , daß du schon lange am Sonntag keinen Dienst gethan hast und nicht mehr weißt , wie unbeschreiblich leer und öde es hier ist ; kein Rappport , keine Audienz für den Herrn , selten ein Besuch für uns , und da draußen Alles bis zum Erschrecken verlassen . Diese Seite des Schlosses ist wie verwünscht : es zeigt sich nicht einmal ein miserabler Fußgänger . « » Dafür aber hast du Muße , die gründlichsten Fensterbeobachtungen zu machen , « erwiderte pfiffig lächelnd der Major . » Und das thust du auch , wie ich sehe , vermittelst dieses unfehlbaren Glases und einer geöffneten Fensterscheibe , bei dieser Kälte den ungeheuersten Schnupfen riskirend . « » O , was die offene Scheibe anbelangt , « versetzte der Adjutant , indem er sie jetzt erst wieder fest zuzog , » so bist du im Irrthum : ich blickte nur nach dir . « » Nach mir ? « fragte der Major . » Und ich mußte dich erst mit einem wahrhaft homerischen Gelächter aus deinen Träumereien aufwecken ! - Nein , nein , lieber Freund ! gib der Wahrheit die Ehre : du hast da oben hinauf geschmachtet ? - Und ich halte das auch verzeihlich und begreiflich . « » Und wenn dem wirklich so wäre , « entgegnete zerstreut der Graf und schraubte sein Glas langsam ein , » so hast du eigentlich Recht , mich darüber auszulachen , denn die Fenster da oben sind den ganzen Tag verschlossen , obendrein dicht mit Blumen besetzt ; da dringt kein Blick hinein . Und wie das Zimmer so auch die Bewohnerin ; das ist nach Goethe wie ein eherner Thurm , zu dem die Besatzung Flügel haben müßte . « » Ja , ja , « erwiderte der Major , und recitirte darauf mit Pathos : » Schön wie der Mond , der einsam wallt , So schön bist du , doch auch so kalt , wie ein anderer Dichter sagt , der übrigens noch kein Goethe geworden ist . « » Es ist eigentlich Unrecht , « fuhr der diensttuende Adjutant mit einem komischen Ernste fort , » mit einer so wunderbaren Figur , einem solch ' schönen Kopfe und so viel Verstand an den Hof zu kommen , ohne ein Herz mitzubringen . « » Laß das gut sein , « versetzte der Andere bedächtig , indem er seinen schwarzen Schnurrbart strich , » da ist ein Herz , und ich wette , ein sehr gutes und edles . Aber es hat sich