noch immer zweifelte er an ihrer völligen Reinheit ; noch immer versagte er ihrer Unschuld die vollständige Anerkennung ; noch immer fand er es möglich , daß ein verbrecherischer Bund zwischen Beiden bestanden , daß Johannes die Frucht desselben gewesen . Und dennoch , - so wankelmüthig , - - so ungleich in seinem Wollen ist der Mensch , - dennoch umklammerte er jetzt mit aller Liebe den Knaben . In ihm sah er jetzt die letzte Stütze seines Alters und seines Hauses ; im nächsten Augenblicke fürchtete er den Bastard in ihm zu erkennen . Aber trotz diesen Zweifeln , trotz diesem Treiben zwischen Vaterliebe und der Angst eines Getäuschten , hätschelte und pflegte er den Knaben , da er der Einzige zurückgebliebne , der Letzte seiner Lieben war . Margarethens Flucht war ihm entsetzlich , und senkte einen nimmer ruhenden Stachel in seine Brust . Wo war sie hingeflohen ? Durfte er jemals hoffen , sie wiederzusehen ? Sollte er bereuen , was er gegen sie gethan ? Sollte er sich beruhigen mit dem Gedanken , daß er ihr gethan , wie sie verdient ? Ähnliche Zweifel bestürmten ihn , gedachte er Dagobert ' s , dessen Heimkehr nach der geschehenen Ladung des heimlichen Gerichts sich nicht erwarten ließ , da bei dem Namen schon der beschlossenen Acht der Gerechte wie der Schuldbewußte scheu das Kreuz schlug , und entwich , wo er nur entweichen konnte . Und Wallrade endlich ? War sie nicht die Beute eines Räubers , vielleicht das Opfer des Mords geworden ? Und , kam sie jemals auch in ' s Vaterhaus zurück , - mit welcher Stirne sollte er sie empfangen ? Mußte er sich nicht , - wie sie sich einst von seinem Hause losgesagt , - lossagen von ihr , die ihm den Sohn geraubt , ihn der Hülflosigkeit Preis gegeben hatte , von ihr , die den Unfrieden verschwenderisch in seinen Garten gesät hatte , während sie doch selbst auf der Bahn der Schuld geschritten war , wie nur zu deutlich das Töchterlein bewies , mit welchem die furchtsame Magd entkommen war , ehe man darüber völlige Auskunft hatte sammeln können . Die Zofe hatte auf alle Fragen , die Diether an sie gerichtet , mit der größten Seelenangst geantwortet , und dadurch den Verdacht einer thatkräftigen Mitwissenschaft an der geheimen Verbindung Wallradens auf sich geladen , die sie endlich nicht mehr läugnen konnte . Den Namen des Mannes , der Wallradens Gatte geworden war , hatte sie genannt ; einen Namen , den Diether vorher nie gehört . Den Ursprung jener Liebe , die Begebenheiten bis zur ehelichen Verbindung des Paars hatte sie ziemlich genau angegeben . Ein Wetterstrahl hatte eine Scheuer auf Wallradens Gute entzündet , und die Feuergefahr den Hütten der Knechte , wie dem Wohnhause gedroht . Die Nothglocke auf dem Thürmchen des einsam gelegenen Maierhofs hatte die fern wohnenden Nachbarn herbeigelockt , und einer der fernsten , gerade zu jener Zeit im anstoßenden Forste auf seinen Wildgängen verweilend , war mit den Übrigen herbeigekommen , und hatte durch seine entschlossene Besonnenheit das Allermeiste zur Rettung von Wallradens Habe beigetragen . Diese Hülfleistung hatte dem Junker von der Rhön , einem nicht reichen , aber altadelichen schönen Manne , gewisse Rechte auf des Fräuleins Dankbarkeit gegeben . Liebe ward daraus , und ein Feind dieser Liebe entstand : des Junkers Vater , der Wallradens minder adelichen Stamm verachtete , und einer Zusage zufolge , seines seligen Waffenbruders verwaiste Tochter , zur Gattin für seinen Sohn erzog . Hingegen fand sich auch ein helfender Freund ; ein deutscher Herr , der im nächsten Städchen in Angelegenheiten seines Ordens verkehrte , und täglich auf Baldergrün zur Einkehr war . Er war es , der eines Abends einen Mönch zum Maierhofe brachte , der das Paar , väterlichem Verbote zum Trotz , einsegnete , zu einer Ehe , aus welcher ein Kind entsprang . - Bis hieher hatte der Altbürger durch unablässiges geschicktes Forschen die Magd in ihren Geständnissen gebracht . Es schien , nach ihrer Verwirrung und ihrer Angst , die sie oft zu Thränen zwang , noch manches Geheime an ' s Licht des Tages treten zu wollen , - da unterbrach des Schultheißen Willkür , und der Dirne leicht verzeihliche Flucht die Reihe ihrer Bekenntnisse , und Diether fand darin nur die einzige untrügerische Gewißheit , daß Wallrade seiner ausgezeichneten Liebe nicht würdig gewesen . Zwar fand das Fräulein einen kräftigen Vertheidiger an dem Prälaten , welchen das Unglück - die unabänderlich erfolgte Absetzung und Verweisung aus seinem Stifte zu Cesena - wieder zum Stammhause getrieben hatte , als einen Obdach suchenden und Pflege heischenden Gast . Allein , so innig Diether auch den gelehrten Bruder geliebt hatte , so konnten dennoch seine Reden nicht mehr den Eindruck machen , wie vor längerer Zeit , denn Diether erkannte , je länger , je mehr , den Geist der Heuchelei , des demüthelnden Stolzes , der in dem Prälaten regierte , und der Vaterlandsliebe des Altbürgers galten die Worte des Bruders schon deßhalb gering , weil dieser Letztere deutsche Sitte und Ordnung nicht aufhörte zu schmähen , und dagegen Wälschlands Vorzüge zu preisen , ob er gleich jetzo aus seiner zweiten Heimath gestoßen , unter einem deutschen Dache sein Haupt niederlegen mußte , an einem deutschen Tische seinen Platz um der Liebe willen fand , aus deutscher , ehrlich erworbner Habe seiner Bedürfnisse Gewährung schöpfte , und von all seiner wälschen Herrlichkeit nur das zweideutigste Kleinod , Fiorillen behalten hatte . Es fiel dem zu Argwohn und Verdacht gereizten Diether nicht schwer , das wahre Verhältniß zwischen dem Prälaten und seiner Freundin zu ergründen ; theils jedoch benahm das von Gebrechen aller Art belastete Alter des Monsignore dieser Verbindung das öffentliche Ärgerniß , - theils schloß sich Fiorilla mit wahrer inniger Liebe an den kleinen Knaben Hans , der ohne alle weibliche Pflege geblieben war , weil Diether , bei der ersten Kunde von Margarethens Flucht ,