wiedergefunden ? “ „ Ja , mein Freund . Du hattest Recht , als Du sagtest : Die Furcht gebiert sich stets ihren Gott — Du hattest Recht wie in Allem , — auch ich bin nur ein Weib ! “ Sie ließ das Haupt zur Seite sinken — ihre Kräfte waren schon wieder erschöpft . Johannes und seine Mutter sahen sich bedeutsam an , Freude lag auf ihren Zügen . Es war , als seien sie selbst mit Ernestinen neugeboren . Die wohltätige Abspannung , in die Ernestine seit dieser Unterredung verfiel , hielt sie den ganzen Tag in einem festen Schlummer . Als gegen Abend Heim noch einmal kam , ging er nicht zu ihr hinein , weil er sagte , eine bessere Arznei gäbe es nicht für die Genesende als den Schlaf , man solle sie nicht wecken . Bei Anbruch der Nacht öffnete sie die Augen und gewahrte sogleich Johannes . „ Du bist noch bei mir , mein Freund ? “ fragte sie . „ Ich bin immer bei Dir , Ernestine — ich werde Dich nie verlassen ! “ sagte er mit voller Innigkeit . Sie schloß die Lider und schwieg . Ihr Atem ging rascher . Er sah , daß dies Wort sie erregte , und gelobte sich , als gewissenhafter Mann , von nun an jede Äußerung zu unterdrücken , welche ihre so notwendige Ruhe stören könnte . Er begab sich leise hinaus , damit sie sich wieder unbefangen fühlte . Es gelang der Willmers , ihr etwas Nahrung aufzudringen und , ohne ein Wort weiter zu reden , entschlummerte sie . Johannes , der wie immer die Nacht im Lehnstuhl zubrachte , ward von der ungewohnten Ruhe und Stille endlich auch eingeschläfert und als er erwachte , war es heller Tag und Ernestine lag noch , wie sie zuletzt in die Kissen zurückgesunken war . In tiefen Atemzügen hob sich ihre Brust . — Die tiefinnere Erquickung dieses Schlummers hauchte einen Anflug von Lebensfarbe auf ihre bleichen Wangen . „ Wenn es so fortgeht , wird sie sich rasch erholen , “ sagte Johannes , als er zu seiner Mutter kam , um zum ersten Male seit langer Zeit mit ihr zu frühstücken . „ Gott sei Dank ! Seit ich sie gestern sprechen hörte , sage ich es aus vollster Seele , denn nun ist sie mir erst teuer geworden . Ich sehe ein , daß Du dies seltsame Wesen doch besser kanntest als ich . Wo ist denn Gretchen und Hilsborn ? Warum kommen sie nicht zum Frühstück ? “ „ Ach sie streifen schon wieder durch den Garten . Die Glücklichen ! “ „ Nun , so Gott will , feiern wir bald eine Doppelhochzeit , wie N * * noch keine sah . “ „ Ach , Mutter — wer so kühn träumen dürfte ! “ rief Johannes . „ Warum denn nicht ? Sicher , mein Sohn ! Sie wird genesen . Sie ist eine zähe Natur . In vierzehn Tagen sind Deine Ferien um , dann nehmen wir sie mit hinein in die Stadt . Und wenn die Aussteuer fertig ist , die ich ihr machen lassen werde , was wäre dann noch für ein Hindernis ? “ „ Mutter , Du sprichst es aus : Sie ist eine zähe Natur — nicht nur körperlich , sondern auch geistig . Bevor ich sie nicht als verlobte Braut in den Armen halte , glaube ich nicht , daß sie mein ist ! “ „ Ah , Moritz und Angelika ! “ rief die Staatsrätin dem eben eintretenden Paare entgegen . Angelika fiel der Mutter um den Hals und küßte den Bruder . Sie war womöglich noch runder als zuvor und Frau Berks Behauptung , sie könne im nächsten Winter nicht zu lebenden Bildern verwendet werden , rechtfertigte sich glänzend . „ Na , “ lachte Moritz , „ haben Dir gestern einen unnützen Schrecken gemacht ! Weiß schon Alles durch Heim . Deine Spröde ist zur Besinnung gekommen . Gratuliere ! Wenn sie nur auch von ihren sonstigen Narrheiten kuriert ist , dann mag ’ s ins Himmelsnamen bald losgehen mit dem Heiraten . Du wirst doch erst genießbar , wenn Du sie endlich hast . “ Angelika hielt ihm mit ihrer kleinen , dicken Hand den Mund zu : „ Du unnützer Spötter , willst Du wohl den armen Johannes in Ruhe lassen ? “ Moritz drückte einen Kuß in die warme , weiche Fessel , die seine Zunge hemmte , und befreite sich davon . „ Der < < arme > > Johannes ? Warum denn ? Jetzt hat er sie doch sicher . Sie ist ja nun bettelarm — wo will sie denn hin , was will sie anfangen ? Die wird schon zu Kreuze kriechen und Gott danken , daß sie gleich eine so annehmbare Versorgung findet . Denn dumm ist die nicht , das kann Ihr Keiner nachsagen , “ meinte Moritz . Johannes und seine Mutter sahen ernst vor sich hin . „ Ich begreife überhaupt nicht , daß sie sich so lange wehrte ! Du bist denn doch ein Mann , wie er im Buche steht ! Mir bist Du zu sentimental — aber das ist ja eben , was die Weiber lieben , und wenn ich ein Weib wäre — ich nähme Dich vom Fleck weg . “ „ Du bist sehr gütig , Moritz , ich aber nähme Dich nicht , “ sagte Johannes heiter , „ darauf kannst Du Dich verlassen . “ „ Ach , hört auf ! Ihr könnt nichts tun als Euch zanken und necken , wenn Ihr beisammen seid , “ schält Angelika lustig . „ Ihr seid ja alle Beide gut und brav , Jeder in seiner Art — und ich habe Euch alle Beide lieb . Was wollt Ihr denn mehr ? “ „ Das ist richtig , “ bestätigte Moritz , die kleine Kugelgestalt umschlingend . „ Wenn nur