wieder dünn und leer war ; allein niemals verriet er mit einem Worte , wohin meine Jugendschätze verschwanden . Sonst aber blieb sich der Alte immer gleich ; ich fand , solang ich ein Blatt zu verkaufen hatte , eine sichere Zuflucht bei ihm , und endlich war ich froh , auch ohne Handelsverkehr etwa ein Stündchen mit Geplauder bei ihm zu verbringen und seinem Treiben zuzusehen . Wollte ich dann weggehen , so forderte er mich auf , nicht ins Wirtshaus zu laufen und das Geldchen zu vertun , sondern an seinem Tische mitzuhalten , und erzwang es am Ende auch . Übrigens war der allein lebende alte Gnom ein guter Koch und hatte stets ein leckeres Gericht im Hafen auf dem Herde oder im Ofen seines düstern Gewölbes . Bald briet er eine Ente , bald eine Gans , bald schmorte er ein kräftiges Gemüse mit Schöpsenfleisch , oder er verwandelte billige Flußfische durch seine Kunst in treffliche Fastenspeise . Als er mich eines Tages zu seiner Mahlzeit eingefangen hatte , sperrte er plötzlich das Fenster auf , wegen der Wärme , wie er sagte , im Grunde aber , um meinen Bettelstolz zu zähmen und mich den Vorübergehenden zu zeigen . Das merkte ich an seinen schlauen Äuglein und scherzhaften Worten , womit er die Anzeichen von Verlegenheit und Unwillen bekriegte , die ich sehen ließ . Ich ging ihm auch nicht mehr in die Falle und betrachtete meine Bedürftigkeit als mein Eigentum , über das er auf diese Art nicht zu verfügen habe . Seltsamerweise fragte er mich nie , wie oder warum ich arm geworden sei , obgleich er mir Namen und Herkunft längst abgehört . Den Grund seines Verhaltens fand ich in der Vorsicht , jede Erörterung zu vermeiden , um nicht zu etwas menschlicheren Kaufsangeboten moralisch genötigt zu werden . Aus gleicher Ursache beurteilte er auch nie mehr , was ich ihm brachte , als gut oder zufriedenstellend , und mit immer gleicher Beharrlichkeit verschwieg er , wohin er die Sachen verkaufe . Ich fragte auch nicht mehr darnach . Wie ich nun gestimmt war , gab ich gern alles hin für das kärgliche Brot , das die Welt mir gewährte , und empfand dabei die Genugtuung , es verschwenderisch zu bezahlen . Das konnte ich mir um so eher einbilden , als das wenige , das ich erhielt , der erste Gewinn war , den ich eigener Arbeit verdankte ; denn nur der Gewinn aus Arbeit ist völlig vorwurfsfrei und dem Gewissen entsprechend , und alles , was man dafür einhandelt , hat man sozusagen selbst geschaffen und gezogen , Brot und Wein wie Kleid und Schmuck . So erhielt ich mich ungefähr ein halbes Jahr , so wenig mir der Alte für die mannigfaltigen Studienblätter und Skizzen gab ; denn sie wollten fast kein Ende nehmen , was freilich eines Tages dennoch geschah . Ich war aber nicht bereit , sofort wieder zu hungern . Daher löste ich meine großen gefärbten oder grauen Kartons von den Blendrahmen , zerschnitt jeden sorgfältig in eine Anzahl gleich großer Blätter , die ich in einen Umschlag aufeinanderlegte , und trug diese merkwürdigen , immer noch stattlichen Hefte eines nach dem andern zu dem Herren Joseph Schmalhöfer . Er beschaute sie mit großer Verwunderung ; sie sahen auch wunderbar genug aus . Die große kecke Zeichnung , die ohne Ende durch alle die Fragmente ging , die starken Federstriche und breiten Tuschen erschienen auf den kleineren Bruchstücken doppelt groß und gaben ihnen als Teilen eines unbekannten Ganzen einen geheimnisvollen fabelhaften Anstrich , so daß der Alte sich nicht zu helfen wußte und wiederholt fragte , ob das auch etwas Rechtes sei ? Ich machte ihm aber weis , das müßte so sein , die Blätter könnten zusammengesetzt werden und machten alsdann ein großes Bild ; sie hätten indessen auch einzeln für sich ihre Bedeutung , und es sei auf jedem etwas zu sehen , kurz , ich drehte ihm zum Spaß eine Nase und dachte mir dabei , wenn sie ihm auch auf dem Halse blieben , so sei das nur eine kleine Einbuße an dem Gewinne , den er von mir gezogen . Das Trödelgreischen rieb sich verlegen das Bein , welches mit einer juckenden Flechte behaftet war , ließ aber die sibyllinischen Bücher nicht fahren , sondern verkaufte sie eines Tages alle miteinander , ohne daß ich erfuhr , wohin sie gekommen . Als ich den Ertrag dieses letzten Verkaufes aufgebraucht hatte , war mein Latein für einmal wieder zu Ende . Versuchsweise ging ich zu dem Bild- und Kleiderhändler , um nach den zwei Ölbildern zu sehen . Sie hingen an der alten Stelle , und ich bot sie dem Manne zu Eigentum an auch für den bescheidensten Preis , den er ansetzen würde . Er war jedoch nicht geneigt , irgend etwas Bares dafür auszulegen , und ermunterte mich zur Geduld , wobei ich ja ein besseres Geschäft machen werde . Ich war das auch zufrieden und hatte somit immer noch eine kleine Hoffnung in der Welt hängen und einen schwebenden Handel . Von da ging ich weiter und kehrte bei meinem Schmalhöfer an , ihm einen guten Tag zu wünschen . Er blickte mir sofort auf die leeren Hände ; ich sagte jedoch , ich hätte nichts mehr zu veräußern . » Nur munter , Freundchen ! « rief er und nahm mich bei der Hand ; » wir wollen sogleich eine Arbeit beginnen , die sich sehen lassen wird ! letzt sind wir gerade auf dem rechten Punkt , da darf nicht gefeiert werden ! « Und er führte und schob mich in ein noch dunkleres Verlies , das hinter dem Laden lag und sein Licht nur durch eine schmale Schießscharte empfing , die in der feuchten schimmligen Mauer sich auftat . Nachdem ich mich einigermaßen an die Dunkelheit gewöhnt , erblickte ich das Gewölbe angefüllt mit einer Unzahl hölzerner Stäbe und Stangen , ganz neu , rund und