die mich hierher führt , zu wichtig , als daß sich die Signora bei meiner armseligen Persönlichkeit aufhalten dürften - vorausgesetzt immer , daß Lelio recht hatte . « » Was sagte Ihnen Lelio , Signor ? « » Sie wünschten die katholische Kirche kennen zu lernen und getauft zu werden . « » Hauptsächlich aber wünsche ich Gräfin ... « - Sie stockte , deutete Hyazinth an , Platz zu nehmen , setzte sich wieder auf ihre Causeuse und nahm einen großen grünen Tafftfächer mit Stäben von Sandelholz zur Hand , mit dem sie spielte und den sie zuweilen als Schirm gegen die Flamme vor das Gesicht hielt . Sie fühlte sich verlegen und suchte nach Worten . Als sie aber schwieg , sagte Hyazinth nach einer Weile sanft und ruhig : » Sie wünschen Gräfin Windeck zu werden . Lelio hat mich auch davon in Kenntnis gesetzt . Erlauben Sie mir aber zu fragen : weshalb wünschen Sie es ? « » Um glücklich zu werden . « » Sie wissen also , daß Sie in dieser Verbindung Ihr Glück finden werden ? « » Ich hoffe es . « » Und worauf gründen Sie diese Hoffnung ? « » Auf die Liebe des Mannes , mit dem ich mich zu verbinden denke . « » O Arme ! « sagte Hyazinth mit dem Ausdruck des tiefsten Schmerzes und des innigsten Mitleides . » Er ist geprüft und bewährt , Signor ! es ist eine jahrelange Neigung - oder Leidenschaft ! es ist kein verfliegender Rausch . Mein Leben war von der Art , daß ich den Unterschied wohl kennen gelernt habe und daß nichts mir wünschenswert erscheint , als der Besitz eines treuen Herzen . « » O Arme ! « wiederholte Hyazinth . « » Nicht doch , Signor ! « sagte Judith bewegt ; » ich bin ja reich . Ich habe ja alles , was Tausende umsonst ersehnen und was sie beneiden : Naturgaben und Vorzüge glänzender Art. Ich werde bewundert , angebetet ; wo ich erscheine , erwarten mich Triumphe und Feste ; ich versetze große Massen in einen Taumel von Wonne und Entzücken , weil ich die Kunst verstehe , die Saite in der Menschenbrust anzuschlagen , die am stärksten vibriert : die Leidenschaft . Ich herrsche über diese Massen ; ich stimme sie auf meinen Ton . Das ist ein großer Genuß . Das ist die Art , wie das Weib am feinsten seine Herrschaft üben kann und herrschen - ist nun einmal eine Wonne ! Ich habe auch Gold und bin durch mein Vermögen vollkommen unabhängig . Sie sehen also , daß ich reich bin . Nur macht dieser Reichtum mein Herz nicht glücklich . Das hab ich erkannt in den sieben Jahren meines Kunstlebens und deshalb will ich all ' die schimmernde Herrlichkeit verlassen und da mein Glück suchen , wo das Menschenherz es findet - in der Liebe . « » O Arme ! « wiederholte Hyazinth . » Schweigen Sie , Signor , mit Ihrem entsetzlichen : o Arme ! « rief Judith heftig . » Wenn Sie das sagen mit diesem Blick und diesem Ton : so verwandeln Sie mir die Marmorwände in Tonscherben und Sammt und Seide in Spinnweben - und diese Juwelen in Kieselsteine - und meine Kleider in Lumpen - und meine Hoffnung auf Glück in Fiebertraum - und mich selbst in eine Bettlerin . « » O Arme ! « sagte Hyazinth . - - - » Wer ist denn in Ihren Augen reich , Signor ? « fragte Judith nach einer Pause des Nachdenkens mit Fassung . » Wer Gott besitzt . « » Dann haben Sie ganz Recht , mich arm zu nennen , denn Gott gehört weder zu meinem Reichtum , noch zählt er mit in meinem Glück . « » Aber Sie glauben an ihn ? an einen persönlichen , außerweltlichen Gott ? « Ich habe einmal gehört , sagte Judith sinnend , » ein gewisser Fixstern sei so weit von unserem Planeten entfernt , daß sein Licht drei Millionen Jahre brauche , bis es zu uns komme . Da die Astronomie das berechnet hat , so nehm ' ich es als eine ausgemachte Wahrheit an - und glaube es . Allein dieser Fixstern mit seinem drei Millionen Jahre alten Licht ist mir so fern , so fremd , so unerreichbar , daß er mich , wie man zu sagen pflegt , nicht warm noch kalt macht . Ich habe nichts mit ihm zu schaffen noch zu teilen , er hat auf mein Dasein keinen Einfluß , ich denke nie an ihn . Und so ungefähr geht es mir auch mit Gott . Es gibt ja eine Gotteskunde , wie es eine Sternkunde gibt . Ich nehme an , daß auch sie die Wahrheit lehrt und glaube an einen Gott , der außerhalb seiner Schöpfung steht und von ihr unabhängig ist . Aber ich bin so wenig mit ihm in Verbindung , wie mit jenem Fixstern , und die ganze Welt rollt zwischen ihm und mir auf und ab . Versuche ich es , an ihn zu denken , so erlahmt der Geist oder irrt in der Zersplitterung der Gedanken umher . Ich finde keine Leiter , die mich zu ihm führte , keinen Faden , der mich an ihn fesselte . Jeder Aufschwung dazu macht mich mutloser , weil ich auf dem nämlichen Punkt mich immer wiederfinde , und da in meiner Familie von dem religiösen Leben , wie es bei den altgläubigen Israeliten existieren soll , nie eine Spur war , so hab ' ich auch nie ein Beispiel vor Augen gehabt , daß es anderen anders gehen könne , als mir . « » Aber Sie sahen Christen , Signora ; und Sie sollten bei denen nie etwas anderes wahrgenommen haben ? « » Signor ! « sagte Judith und schlug ihre Augen fest und klar zu ihm auf ; » Sie merken gewiß ,