, sprach Bonaventura : Pater ! Ich meine , je höher ein Priester steht , desto mehr wachsen seine Sorgen , die Ansprüche seiner Verwandten , die Zumuthungen seiner Bedürftigen ! Werden wir alt , so suchen ja gerade wir nach Augen , von denen uns doch ein klein wenig Liebe und Sehnsucht bewahrt werden möchte , auch wenn wir todt sind ! Keine Familie zu haben , es bewahrt uns lange vor Sorge und Kummer , und doch wird Familie zuletzt unsers Herzens ganze Sehnsucht ! Nun sparen wir für andere , schenken , opfern , wollen Menschen haben , die irgendwie die unserigen sind ! Das wird zuletzt eine Krankheit , die ebenso ihre Symptome , den Geiz , die Geldbegierde hat , wie unser schon in jungen Jahren sich meldendes Verlangen nach - Bequemlichkeit ! Bonaventura sprach das so hin , wie wenn er es ebenso auf der Kanzel hätte sagen können , ohne Menschenfurcht . Sein Auge glänzte , sein Stirn umzog sich mit dem lichten Schein der edelsten Unbefangenheit . Sie sind ein milder Versöhner ! sprach der Mönch ... Wissen Sie denn , warum Sie herberufen sind ? Ich hoffe es zu erfahren , erwiderte Bonaventura . Ich will es Ihnen sagen ! Irgendeiner dieser Priester alten Stils hat Sie irgendwo gesehen , hat Sie predigen hören , und da geht es wie in Göttingen , wo ich die Rechte studirte . Die alten Professoren wehren jede Neuerung ab , lassen kein neues System , keinen jungen Docenten oder Außerordentlichen aufkommen . Plötzlich merken sie , daß die Frequenz der Universität abnimmt . Des Goldes , das von der Quästur kommen soll , wird immer weniger , die Doctorhüte bleiben auf dem Lager liegen , die gelehrte Jugend Deutschlands , die Gott sei Dank ! doch noch nicht ganz aus Freitischseelen besteht , drängt sich in jene Städte , wo die Lehrstühle der in Göttingen verurtheilten Systeme stehen . Nun wird den Geheimenräthen Angst ! Jetzt halten sie einen großen Rathschlag , und siehe da ! Sie senden eine Deputation gen Hannover und erklären , die Facultät böte eine Lücke , man müßte die Vertreter eines neuen Systems berufen . Ministerielles Erstaunen - Stühle , auf die sich die Excellenz vor Ueberraschung niederlassen muß ... Sie meinen , meine Herren ? Sie befürworten - ? In den » Gelehrten-Anzeigen « hackten Sie ja regelmäßig die Vertreter dieses Systems zu göttinger Wurst zusammen ? - Thut nichts , Excellenz ! Mangel an doppelläufigen Pistolen - Und nun errichtet man einen neuen Lehrstuhl , beruft denselben jungen früher verfemten Irrlehrer und die akademische Jugend des heiligen römischen Reichs findet wieder den alten Weg an - die » Leine « , die Honorare kommen in Gang , die Doctorhüte fabricirt wieder » Vater Bethmann « nach wie vor , die alten Herren frischen sich mit dem jungen Blute wieder auf , wie in Arnim ' s » Kronenwächtern « die Transfusion des Blutes in praxi ausgeführt wird und ebenso denk ' ich mir : Wenn in Städten , wie diese , die Gesinnungen zu weltlich werden , die Beichtstühle zu leer stehen , die Büchsen und Becken beim Opfern zu viel Kupfer abwerfen , die zweischlächtigen Bastarde der gemischten Ehen nur in den Taufbecken der Protestanten Stolgebühren zurücklassen , dann müssen frische , fromme , freudige Gemüther - Wiederum aber konnte diese dem Eindruck , den Bonaventura dem Mönche machte , dargebrachte Huldigung nicht weiter kommen . Eine Volksmenge brauste daher , Vorläufer eines neuen Soldatentrupps , diesmal der großen Wachparade . Es war schon die Mittagszeit . Wie eine rauschende Flut stürzten sich die Accorde einer Janitscharenmusik über die Worte des Sprechers ... Der Mönch schwieg ; beide Wanderer standen still und ließen die Truppen an sich vorüberziehen ... Kennen Sie den Kirchenfürsten ? verstand sich der Mönch wiederholt zu einer - Frage , als es ruhiger geworden . Aus der Zeit , als er noch Generalvicar war ! Reden Sie mit ihm , so bitt ' ich , sprechen Sie Gutes von mir ! Bonaventura sah den Mönch erstaunend an . Ich habe die Weihen nicht ! Ich bin nicht Priester ! sagte der Pater . Auf Bonaventura machte dies Geständniß einen tiefen Eindruck . Es war ihm , als fiele ihm eine Last vom Herzen . Pater Sebastus war kein Priester ! Diese Hand , die Jérôme von Wittekind erschoß , die einen Vater ungerächt gelassen , war so nicht entsühnt , daß sie Segen austheilen , das Brot des Lebens spenden konnte - und jetzt verstand Bonaventura die Widersprüche in dem Wesen seines Begleiters - die Demuth schien ihm noch nicht zur neuen Natur geworden - sie erstrebte vielleicht nur das letzte Ziel des neuen Ehrgeizes - die Weihen - und Stolz und Leidenschaft schienen die alten geblieben ... In seltsamen Wirbeln ging sein schwankendes Urtheil . Da kamen jetzt vier Männer daher ... Sie grüßten , standen still und es fanden gegenseitige Vorstellungen statt . Benno war es mit seinem Freunde Thiebold , mit dem Assessor von Enckefuß und einer seltsamen Erscheinung , die sich zwischen dem Arm des letztern und dem Arme Thiebold ' s hielt ... ein jugendlich aufgefrischter Greis , von jenen selbst beim Weinen lachenden Gesichtszügen , wie sie der Mönch eben bei den alten gezähmten Voltairianern stereotypirt fand , den Bart , die Haare gefärbt , ein seltsames Bild unter drei jungen Männern , von denen wenigstens Benno und Thiebold die Lebensfrische selbst waren ... Herr Rittmeister von Enckefuß ! ... Herr Pfarrer von Asselyn ! ... hieß es . Der Mönch stand starr ... Die Gruppe wagte ihn nicht ganz in ihren Kreis zu ziehen ... Herr Doctor ! sagte ihn erkennend der Rittmeister - in leichter und fröhlicher Anrede ... Es gab eine Zeit , wo Sie ' s gar nicht abgeschlagen hätten , mit uns auf den Hahnenkamp zu gehen und ein Glas Champagner zu trinken ! Wir haben ihn da besser als im