, daß sie die Eltern verlassen hatte und auf längere Zeit in ziemlicher Entfernung von ihnen gewesen war . Man führte sie die Treppe hinan , und dann in ihr Zimmer . Dort mußte sie erzählen , erzählte gerne , und unterbrach sich öfter , indem sie das inzwischen heraufgebrachte Gepäck aufschloß und die mannigfaltigen Dinge heraus nahm , die sie in den verschiedenen Ortschaften zu Geschenken und Erinnerungen gekauft oder an mancherlei Wanderstellen gesammelt hatte . Ich war ebenfalls mit in ihr Zimmer gegangen , und als wir geraume Weile bei ihr gewesen waren , entfernten wir uns und überließen sie einer notwendigen Ruhe . Nun folgte für Klotilden fast eine Zeit der Betäubung , sie beschrieb , sie erzählte wieder , sie setzte sich vor Zeichnungen hin , blätterte in ihnen , oder zeichnete selber , und suchte in der Erinnerung Gesehenes nachzubilden . Aber auch für mich war diese Reise nicht ohne Erfolg gewesen . Was ich halb im Scherze , halb im Ernste gesagt hatte , daß ich durch diese Reise zu einer größeren Ruhe kommen werde , ist in Wirklichkeit eingetroffen . Klotilde , welche alle die Gegenstände , die mir längst bekannt waren , mit neuen Augen angeschaut , welche alles so frisch , so klar und so tief in ihr Gemüt aufgenommen hatte , hatte meine Gedanken auf sich gelenkt , hatte mir selber etwas Frisches und Ursprüngliches gegeben und mir Freude über ihre Freude mitgeteilt , so daß ich gleichsam gestärkter und befestigter über meine Beziehungen nachdenken und sie mir gewissermaßen vor mir selber zurecht legen konnte . Ich hatte mit Natalien keinen Briefwechsel verabredet , ich hatte nicht daran gedacht , sie wahrscheinlich auch nicht . Unser Verhältnis erschien mir so hoch , daß es mir kleiner vorgekommen wäre , wenn wir uns gegenseitig Briefe geschickt hätten . Wir mußten in der Festigkeit der Überzeugung der Liebe des andern ruhen , durften uns nicht durch Ungeduld vermindern , und mußten warten , wie sich alles entwickeln werde . So konnte ich mit dem Gefühle von Seligkeit von Natalien fern sein , konnte mich freuen , daß alles so ist , wie es ist , und konnte dessen harren , was meine Eltern und Nataliens Angehörige beginnen werden . Klotilden , welche ihren Bergen , Lüften , Seen und Wäldern die Farbe geben wollte , die sie gesehen hatte , suchte ich beizustehen , und zeigte ihr , worin sie fehle , und wie sie es immer besser machen könne . Wir wußten es jetzt , daß man die zarte Kraft , wie sie uns in der Wesenheit der Hochgebirge entgegen tritt , nicht darstellen könne , und die Kunst des Großen Meisters nur in der besten Annäherung bestehe . Auch in ihrem Bestreben , die Art , wie sie im Gebirge die Zither spielen gehört hatte , und die eigentümlichen Töne , die ihr dort vorgekommen waren , nachzuahmen , suchte ich ihr zu helfen . Wir konnten wohl beide unsere Vorbilder nicht völlig erreichen , freuten uns aber doch unserer Versuche . Bei einigen Freunden machte ich gelegentlich zwei oder drei Besuche . So war der Winter gekommen . Ich faßte , weil ich schon nach dem Rate des Vaters beschlossen hatte , im Winter meinen Gastfreund zu besuchen , zugleich auch den Entschluß , einmal im Winter in das Hochgebirge zu gehen und , wenn dies möglich sein sollte , einen hohen Berg zu besteigen und auf dem Eise eines Gletschers zu verweilen . Ich bestimmte hierzu den Januar als den beständigsten und meistens auch klarsten Monat des Winters . Gleich nach seinem Beginne fuhr ich von dem Hause meiner Eltern ab , und fuhr in dem flimmernden Schnee und in der blendenden Hülle , die alle Fluren deckte , im Schlitten der Gegend zu , in welcher meine Freunde lebten . Das Wetter war schon durch zehn Tage beständig und mäßig kalt gewesen , der Schnee war reichlich , und auf der Bahn glitten die Fahrzeuge wie in den Lüften dahin . Wie ich sonst nie anders als im offenen Wagen fuhr , so fuhr ich auch jetzt , mit guten Pelzen versehen , im offenen Schlitten und freute mich der weichen Hülle , die um meinen Körper war , und auch der , die überall und allüberall lag , freute mich der schweigenden bereiften Wälder , der ruhenden Obstbäume , die ihre weißen Gitter ausstreckten , der Häuser , von denen der wohnliche Rauch aufstieg , und der Unzahl der Sterne , die nachts in dem kalten und finsteren Himmel feuriger funkelten als je sonst im Sommer . Ich hatte vor , zuerst die Gebirge und dann meinen Gastfreund zu besuchen . Ich fuhr bis in die Nähe des Lautertales . Da ich die Straße verlassen sollte , mietete ich einen einspännigen Schlitten , weil in den Seitenwegen , auf denen man immer im Winter nur mit einem Pferde fährt , die Bahn zu enge ist , als daß zwei Pferde sicher neben einander gehen könnten , und fuhr in das Tal und in das Ahornwirtshaus . Die Ahorne streckten ungeheure , abenteuerlich gestaltete , entblätterte und mit feinen Zweigen wie mit Bärten versehene Arme der winterlichen Luft entgegen , das fensterreiche Wirtshaus war in seiner braunen Farbe gegen die Schneedecke auf seinem Dache und gegen den Schnee , der überall ringsum lag , noch brauner als sonst , und die Fichtentische vor dem Hause waren abgebrochen und in Aufbewahrung getan worden . Die Wirtin empfing mich mit Erstaunen und mit Freude , daß ich in einer solchen Jahreszeit komme , und gab mir das beste Versprechen , daß meine Stube so warm und heimlich sein solle , als wehe kein einziges Lüftchen hinein , und so licht , als schiene die Sonne , wenn sie überhaupt scheint , sonst nirgends hin als auf meine Fenster . Ich ließ meine Gerätschaften in die Stube bringen , und bald loderte auch ein lustiges Feuer in dem Ofen derselben