, daß er sie von Constantinopel wegführen und für sie sorgen werde , schloß sie scharfsinnig , daß es ihm auch an den Mitteln dazu nicht fehlen könne , und setzte alle Künste der üppigen Koketterie in Bewegung , sein Herz zu erobern und seine Sinne zu bestricken . Ihre Hand schenkte ihm den feurigen Wein des Olymp in den Becher , ihr reizender Mund plauderte ihm von jenen seltsamen lüsternen Geheimnissen des Harems , die das Blut wallen machen . Dem Manne , der , eben dem scheußlichen Aufenthalt eines türkischen Schiffsgefängnisses entronnen , noch die schweren Fesseln an seinen Gliedern zu fühlen glaubte , der wochenlang Nichts als die gröbste ekle Kost , ihm mit Verwünschungen gereicht , genossen , nur das finstre Antlitz fanatischer Moslems gesehen , - däuchte es wie ein Traut , jetzt hier im wohlgewärmten , mit Teppichen belegten Zimmer zu sitzen und die Blicke in die glänzenden Augen der schönen Odaliske zu tauchen , - so schön , - so schön , wie er noch nimmer ein Weib gesehen ! von ihrer weichen Hand berührt zu werden , den feurigen Wein aus demselben Becher zu schlürfen , den noch eben die purpurnen Lippen berührt hatten . Der finstre , ruhige Mann , der Patriot , dessen Herz nur dem Unglück des Vaterlandes schlug , der so viel für sein Idol schon gelitten , - wo blieb der Gedanke , der allein bis jetzt sein Herz gefüllt , - wo die Erinnerung an Kampf und Sieg vor dem vernichtenden , verzehrenden Hauch der Leidenschaft , die sein Inneres so plötzlich , so gewaltig erfaßt ? Wo blieb die catonische Tugend vor dem Sirocco des aufgeregten Bluts , das , so lange Jahre unterdrückt , jetzt die Bande sprengte und tyrannisch durch seine Adern tobte . Er erhob sich , - er wollte das Gemach verlassen , um bei den beiden Fanarioten sein Lager zu suchen , - aber er bedachte , daß dies ihre Aufmerksamkeit und ihren Verdacht erregen müsse . Die Odaliske flog nach der Thür und schob den Riegel vor , sie flehte ihn an , sie in dieser Nacht der Gefahr und Angst nicht zu verlassen , und Gregor Caraiskakis , der starre , tugendhafte Patriot , lauschte den Worten des schönen Weibes und blieb . Mit koketter Geschäftigkeit bereitete ihm das Mädchen an einem Ende des Divans das Lager und führte ihn dahin . Dann häufte sie für das ihre die Kissen und Polster auf der entgegengesetzten Seite . Die beiden Kerzen auf dem Tische löschte ihr Hauch - bald hörte der Grieche nur noch die schweren wogenden Athemzüge seiner Gefährtin . So verging eine Zeit , - trotz der körperlichen Erschlaffung vermochte auch er nicht die Ruhe zu finden . Ein tiefer , sehnsüchtiger , leidenschaftlicher Hauch schwellte seine Brust und drang über seine Lippen . Da faßte eine weiche sammetne Hand die fieberglühende seine , ein üppig runder Arm umschlang ihn , und der süße Athem eines heißen Mundes flüsterte dicht an dem seinen : » Warum verschmäht mein Herr und Retter seine Sclavin ? Soll das Herz allein ihm gehören und nicht der Leib ? Möge mein Gebieter seine Dienerin nicht verachten ! « Und die buhlerischen Künste des Harems umstrickten ihn , die heißen glühenden Lippen sogen auf den seinen , electrische Funken der Lust sendend durch die entflammende Berührung in seinen Körper , weiche üppige Formen drängten und schmiegten sich an ihn - Vaterland - Freiheit - Alles war vergessen in dem entzückenden Rausch . Der Todfeind der Moslems ruhte wonnetrunken an dem Busen der verbannten Odaliske des Großherrn , - der Gerettete und Befreite schwelgte in den wollüstigen Reizen der Tochter des Mannes , welcher kaum zwei Monden vorher für ihn , für seine Freiheit und seine Zukunft das Haupt dem Yatagan des türkischen Henkers geboten hatte , - Gregor Caraiskakis im Arm , am Busen von Nausika , der Tochter des Janos ! Auch der Zweite der tapfern , der edlen Brüder , die den Heldenkampf begonnen , war der Versuchung erlegen , der Eine im Harem zu Skadar , der Andere im Fanariotenhause zu Stambul . Was will alle Kraft der erhabensten Empfindungen , alle Begeisterung der Tugend und Ehre gegen die Katarakten des erregten Bluts und den Samum der Leidenschaft ! Das Seraskiat , von dem Thurme überragt , auf dessen Höhe die Feuerwache von Constantinopel ist ( Dschandchin Koskj ) , liegt in der Nähe der Suleimania und des alten Serails ; unfern davon , tiefer in die Stadt hinein , der Moschee des Fürsten Schekzade gegenüber , der Platz , auf dem die alte Janitscharen-Kaserne stand , deren Hof einst die Stätte des blutigen Gemetzels ihrer Vernichtung war . Der frühere Wohnsitz des Janitscharen-Aga ' s ist jetzt der Palast des Seraskiers oder Kriegsministers , Mehemed Ali ' s , des Schwagers des Großherrn , während Reschid Pascha , der Minister des Auswärtigen , im Palast der Pforte residirt . In einem streng nach türkischer Sitte eingerichteten großen Gemache des Seraskiats waren an diesem Abend die Mitglieder der Kriegspartei im Ministerrath und seine Vertrautesten um Mehemed Ali zu einer ernsten Berathung versammelt : Arif-Hikmet-Bey , der Scheik ul Islam des Reichs , Mahmud-Pascha , der bereits abgesetzte Großadmiral , Mehemed Ruschdi , Chaireddin-Pascha und Safeli-Pascha , der neue Finanzminister . Auf einem Ehrenplatz des Divans saß mitten zwischen den Moslems ein Mann in europäischer Kleidung von mittleren Jahren , dessen langgestrecktes schmales Gesicht , röthlich blondes Haar und wasserblaues , kaltes und beobachtendes Auge den Briten verrieth . Es war Master Alison , der orientalische Secretair der britischen Gesandtschaft in Constantinopel , die rechte Hand des Viscount de Redcliffe , und durch seine Gewandtheit und Kenntniß der orientalischen Verhältnisse zur Zeit eine der einflußreichsten Personen in Constantinopel . Jeder , der mit den Geheimnissen der türkischen Diplomatie einigermaßen bekannt war , wußte sehr wohl , daß bis jetzt sämtliche Antworten und Noten der Pforte aus der Feder Master Alison