, so daß der Präsident erschrocken aus seinem Bette aufgefahren war und sogleich nach seiner Nase gegriffen hatte , weniger , um sich zu überzeugen , ob sie ihm nicht weggeschossen worden , als vielmehr , um , während er diese treue Freundin sanft befühlte , mit sich zu Rathe zu gehen , wie dem heillosen Unfuge ein- für allemal gründlich zu steuern wäre . Nach der geräuschvollen Sylvesternacht folgte nun ein heiterer Neujahrstag , heiter insofern , und auch freundlich und gefällig , als er in starkem Froste und blauem Himmel erschien , die nasse Erde trocknete und sich auf diese Art der vielen lackirten Stiefel und Stiefelchen , auch schwarzer Fräcke und weißer Strümpfe erbarmte , die namentlich am heutigen Vormittag in der Stadt umherschwärmten . Das lief und rannte , behend und eilfertig , durch einander mit vergnügten Gesichtern , bald hier einem Freunde zurufend , dort einem Bekannten winkend , jetzt plötzlich stehen bleibend , um mit herabgerissenem Hute einen Vorgesetzten zu grüßen , dann wieder davon springend , um in irgend ein ansehnliches Haus zu verschwinden , wo die schwarzen Fräcke und weißen Handschuhe in langer Reihe auf einander folgten . Auch vielerlei ward von den Gratulanten in der Hand und unter dem Arme getragen , als : zierliche Paketchen von weißem Papier mit rothen und blauen Schnüren , Düten mit Zuckerwerk , Blumenbouquets ; und alles das wurde sorgfältig gehütet , daß man es nicht in dem Menschengewühl zerdrückte oder zerstieß , und damit es wohlbehalten an den Ort seiner Bestimmung gelange . Dort angekommen , blinzelte man an dem Hause in die Höhe , nöthigte die schüchternen Hemdkragen ein Weniges aus dem schwarzen Halstuche heraus , besah die Handschuhe und schlüpfte dann in den Hausflur . Dazwischen rollten Wagen in großer Anzahl durch die Hauptstraßen der Stadt , die Pferde mit den besten Geschirren bedeckt , die Kutscher en grand tenue , die Lakaien hinten auf , ordentlich triefend von Wichtigkeit . Wenn man zufällig in die Gegend kam , wo sich die Ministerien befanden , so war man ordentlich betäubt von all ' dem Gerassel , von dem Rufen der Bedienten , von dem Zuschlagen der Wagenthüren . Am allergrößten war das Gedränge der Equipagen an den Einfahrten des königlichen Residenzschlosses , und obgleich die allerhöchsten und höchsten Herrschaften die förmliche Gratulationscour abgesagt hatten , so entleerte doch ein Wagen nach dem andern seinen Inhalt in reichgestickter Uniform mit Hut und Degen an der großen Freitreppe , die vermittelst des Marmorvestibuls zu einem Vorzimmer führte , wo ein großes Buch aufgeschlagen lag , in welchem alle ihre Namen und Titel einschrieben . Der gewöhnliche Rapport war natürlicherweise heute ebenfalls in großer Uniform erschienen , wo Jeder , der das Glück hatte , vor Seine Majestät zu gelangen , durch ein unbeschreibliches Achselzucken , durch eine außergewöhnliche Neigung des Kopfes , ja durch ein paar sanft gelispelte Worte kund und zu wissen that , wie doppelt glücklich er sich schätze , am heutigen Tage , wo alle Gratulationen verboten seien , dieselben doch wenigstens pantomimisch anbringen zu können . Die Rapporte dauerten übrigens am Neujahrstage nie lange , und sobald sie beendigt , beeilte sich Jeder aus dem Schlosse und aus der engen Uniform zu kommen , um zu Hause im Kreise der Seinigen frei und behaglich aufzuathmen . Das Gefolge frühstückte alsdann allein , natürlicherweise , weil es die höchsten Herrschaften ebenso machten , und weil man sich doch ein wenig vorbereiten mußte auf das große Hofdiner des heutigen Tages , bei dem ein paar kleine Toaste fielen , und wo man doch seinem Nachbar und seiner Nachbarin etwas Angenehmes sagen mußte . Wie überhaupt an Sonn- und Feiertagen , so besonders am Neujahrstage , namentlich wenn das Wetter so schön wie heute war , lag das Schloß ziemlich öde und leer . Die Herrschaften waren alsdann spazieren gefahren , das große und kleine Gefolge befand sich zu Hause , von den Kammerdienern und Lakaien hatte sich hinweg gestohlen , wer dies nur mit seiner Dienstpflicht zu vereinbaren wußte , so daß sich oft im Vorzimmer , wo zu anderer Zeit drei , vier an den Wänden zusammen standen , oder in den Ecken mit einander flüsterten , sich jetzt höchstens eine einzelne Livrée zeigte , aus der ein melancholisches Gesicht verdrießlich auf den mit Menschen bedeckten Kastellplatz blickte . Ueber allen Gängen und Treppen lag eine tiefe Stille ; nur zuweilen hörte man in der Ferne eine Thür öffnen , einen Lakaien niesen oder draußen eine Schildwache husten . Wahrhaft traurig und schwermüthig war an solchen Tagen , wo auf Häusern und Straßen ein heller Sonnenschein glänzte , das Zimmer der Adjutanten . Es lag gegen die Nordseite und ging , wie wir bereits wissen , auf einen kleinen finsteren Hof hinaus , eigentlich auf einen von drei Gebäuden gebildeten Winkel , durch den man nicht reiten und nicht fahren durfte , durch den nur sehr wenige Menschen gingen , und den , namentlich an Wintertagen , beständig kalte und frostige Schatten ausfüllten . Die vorderen und Hauptgebäude ließen dorthin kein Licht , und das Einzige , was man von diesem sah , waren die hoch oben auf einer vergoldeten Windfahne recht wie zum Hohne glänzenden und blitzenden Sonnenstrahlen . Es wird den geneigten Leser einigermaßen befremden , daß , so oft wir ihn in dieses Adjutantenzimmer führen , jedesmal Graf Fohrbach den Dienst hatte ; doch erstens traf dieser ihn sehr häufig , alle vier bis fünf Tage einmal , und zweitens ist es angenehmer , sich diesen wichtigen Räumen nur dann zu nahen , wenn man einen Bekannten dort zu finden weiß . Der Graf hatte also , wie bemerkt , den Dienst , und saß in einer der tiefen Fensternischen auf einem kleinen Lehnstuhle , von dem schweren dunklen Vorhange nach außen zu fast verdeckt und ganz wie auf der Lauer . Er betrachtete nämlich angelegentlich aus seinem Verstecke hervor einige Fenster des zweiten Stocks , die in