von je einem Exemplare über ganz Deutschland hin so tiefsinnig verlegen , daß sie kein Teufel wiederfinden könnte ! « » Lieber Mann , was befällt dich , wo willst du hin ? « rief Rosalie , die wie die anderen mit offenem Munde dagestanden und abwechselnd bald den über und über bekritzelten Rahmen , bald den Redner betrachtet hatte , indessen Heinrich , mit Rot begossen , dann bleich werdend , in der unglückseligsten Laune verharrte . » Laßt es gut sein ! « sagte Erikson , » dieser Witz , dieses Geschwätz sei für einmal mein gerührter Abschied von Deutschland ! Von nun an wollen wir dergleichen hinter uns werfen und uns eines wohlangewandten Lebens befleißen ! « Dann nahm er mit ernsterm Blicke Heinrich bei der Hand , führte ihn hinter einen großen Karton und sagte leise zu ihm » Lys läßt dich freundlichst grüßen ; der Arzt hat ihm geraten , nun sogleich nach dem Süden zu gehen und sich dort wenigstens zwei Jahre aufzuhalten . Er wird nach Palermo und dort genesend in sich gehen ; die Krankheit scheint doch etwas an ihm geändert zu haben . Dein Gekritzel da auf dem Rahmen zeigt mir , daß du dich übel befindest und nicht mit dir einig bist ; sieh , wie du aus der verfluchten Spinnwebe herauskommst , die du da angelegt hast , und wenn du dich mit dem Ding , mit der Kunst oder deren Richtung irgend getäuscht fändest , so besinne dich nicht lange und stelle die Segel anders ! Ich bin im gleichen Falle und muß erst jetzt sehen , wie ich noch etwas Tüchtiges hantieren werde , daß einige nützliche Bewegung von mir ausgeht ! « Heinrich ward sehr beklemmt und erwiderte nichts als » Wann geht Ferdinand fort ? « - » ln den nächsten Tagen « , sagte Erikson , » er wünscht indes , daß ihr euch für jetzt nicht sehet ; überhaupt laßt uns alle drei aufs Geratewohl auseinandergehen , ernst und doch leicht , und es der Zukunft überlassen , was sie aus jedem machen und ob sie uns wieder zusammenführen wird ! Ein dreifaches stilles Gedenken mag um so treuer in uns leben ; du besonders bist uns beiden anderen lieb , wie ein kleiner Benjamin , und es nimmt uns höchlich wunder , was aus dir , welcher soviel jünger ist als wir , eigentlich sich noch hervorspinnen wird . « Als sie wieder hinter ihrer Kulisse hervorgetreten , wurde rasch Abschied genommen . Erikson und der Gottesmacher drückten ihm kräftig die Hand ; Rosalie , welche mit feinem Sinne wohl ahnte , daß Heinrich etwas fehlte , dämpfte mit zartem Gefühl den muntern Glanz des Glückes in ihren Augen , als sie ihm die Hand reichte und freundlich lächelte , und Agnes , welche sich zugleich herandrängte , schoß vollends einen warmen , dunklen Blick in seine Augen , und zwischen ihren schwarzen Wimpern schimmerte es wie silberner Tau . Er fühlte , daß das wundersame Wesen ihm mit wenigem viel sagen möchte , daß sie dem Vertrauten jener schmerzlichen Freudentage ihre tiefbewegte Verwunderung über sich selbst , Über den Lauf der Welt verschweigen mußte . Selbst verwundert stand Heinrich einen Augenblick zwischen zwei reizvollen Weibern , dann sah er sich allein und schaute in dem grauen , zum Teil düstern , zum Teil mit grellem Lichte durchstrahlten Raum herum , in welchem soeben sich kräftige und schöne , glücklich gepaarte Menschengestalten bewegt hatten . Er sah auf die Tür , durch welche sie verschwunden und welche mit ihrer weißgestrichenen Fläche vor seinen Augen schwirrte und flimmerte wie eine Leinwand , von welcher mit einem Zuge ein lebendiges Gemälde weggewischt worden . Er sah durch das hohe Fenster , dessen untere Hälfte verhüllt war , in die leere Luft hinaus , das freundliche Stück blauen Himmels schien anderswohin niederzublicken auf rüstig bewegtes Menschengewimmel ; sein Blick irrte hierauf über die umherstehenden anspruchsvollen Arbeiten hin , welche grau in grau , als wesenlose Fiktionen von Bäumen und Steinen , ineinanderschwammen . Eine beklemmende Unruhe bemächtigte sich seiner , heftig schritt er auf und nieder , und sich Raum schaffend , rückte und schob er die Bilder und Kartons ringsherum zurück , zusammen , drängte sie auf einen Haufen an die Wand , bis das große Zimmer leer und geräumig erschien . Wie einen guten tröstenden Freund entdeckte er da die Gipsfigur des borghesischen Fechters , welche aus ihrem Winkel zutage trat . Unwillkürlich hob er sie empor und setzte sie auf ein Tischchen mitten in das hereinströmende Licht . Alles war Leben in dem von Sonne , Wind und Wetter gereiften Körper dieses abgehärteten Kriegers , der mit ehrlichem Fleiße sich seiner Haut wehrte . Den feindlichen Angriff abwehrend und zugleich selbst kraftvoll angreifend , war der ganze Mann mit allen Gliedern in der Anregung dieses Doppelzweckes gespannt ; Verteidigung und Ausfall , Selbsterhaltung und Wirkung nach außen , Zusammenziehen und Ausdehnung vereinigten sich in einem Momente , in welchem das schönste Spiel der Muskeln darstellte , wie das Leben recht eigentlich durch sich selbst um sich selber kämpfte in dieser munteren Menschenkrabbe . Trotz des bröckligen beschmutzten Gipses ging ein Licht von dem rüstigen , tapfern Bilde aus , welches erhellend in Heinrichs Augen fiel . Er hatte sonderbarerweise noch nie einen ernstlichen Versuch zur kundigen Nachahmung der menschlichen Gestalt gemacht und gerade seit seinem Aufenthalte in der Kunstresidenz , wo Mittel und Aufforderung genug im größten Maßstabe sich aufdrängten , sich eigensinnig davon zurückgehalten , in der willkürlich bescheidenen Einbildung , daß Beruf und Bestimmung die ausschließliche Ausbildung des einmal gewählten Zweiges erforderten . Nicht nur verkannte er das Gesetz , daß , je weiter und mannigfaltiger die Kunde verwandter Gegenstände ist , desto freier und vollkommener ein Auserwähltes betrieben werde , sondern es verbarg sich in jener Bescheidenheit auch die Anmaßung , schließlich in dem einen Fache so glänzen zu wollen , daß alle andere Kenntnis entbehrlich erschiene . Nicht