hinab , in dessen Grunde sie das Boot erblickten , und am Rande des Meeres die dunkle Gestalt des Verfolgten , welcher , Lady Maria auf seinen Armen tragend , in wilder Eile das Boot zu erreichen strebte . Wüthend stürzte sich Richmond ihm entgegen . Ihn ergreifend , schlug er ihm das nicht mehr geladene Pistol , das er noch in der Hand hielt , ins Gesicht und riß ihm Lady Maria aus seinen Armen . Dem Schmerze , der schweren Last und der vorangegangenen Anstrengung weichend , überließ er dem Lord fast ohne Gegenwehr die jetzt werthlos gewordene Beute und trachtete nur das Boot zu erreichen , ehe die Entdeckung des Vorgefallenen ihn der Rache preisgäbe . Erschrocken über den leblosen Zustand der Lady , die keine Frage beantwortete , kein Zeichen der Selbsthülfe machte , wandte Lord Richmond auf den Entfliehenden keine Aufmerksamkeit und eilte den Weg zurückzunehmen , den er gekommen , als sich abermals die Scene änderte und ein neuer Gegenstand sich ihm entgegen setzte . Pater Johann hatte den Schauplatz erreicht , und von demselben Schuß , der Richmond leitete , hierher gezogen , erkannte und überschaute sein Falkenauge augenblicklich die Lage der Dinge . Während er brüllend den fliehenden Schiffer zurück rief , lief er gegen den Lord an , und Beide erkannten sich nun sogleich als die Tischgefährten des verflossenen Tages . Halt , mein Herr , rief der Pater , den Arm des Lords ergreifend , unsere Freundschaft von gestern Mittag ist wohl nicht ausreichend , Euch eine Einmischung in meine Angelegenheiten zu gestatten ; darum geht , wohin Ihr wollt , und bald , rathe ich Euch . - Diese Dame aber bleibt bei mir , sie ist mir anvertraut . Da sei Gott vor , rief Richmond , ehrloser Pfaffe , daß sie Dir überlassen bliebe . Der letzte Blutstropfen in mir wird sie noch gegen Dich vertheidigen . Und ohne ihn weiter zu beachten , eilte er , so schnell es ihm der immer schwerer werdende Körper der Lady erlaubte , der eben verlassenen Gegend zu , da die bangen Ahnungen , die in ihm über den Zustand seines Schützlings aufstiegen , vor allen Dingen es ihm wichtig machten , Menschen und Hülfe für sie zu erreichen . Doch war Pater Johann kein so schnell zu besiegender Feind , und Richmond war kaum einige Schritte vorgedrungen , als Lanci aufseufzte , denn er hörte das kleine Hörnchen blasen , welches der Pater stets auf seiner Brust trug , und welches den ihm untergebenen Hüttenbewohnern ein unüberhörbares Zeichen war , sich seinem Schalle nach zu sammeln . Der Sturm hatte die Mehrzahl zu Hause gehalten oder in der Nähe der Hütten beschäftigt ; doch aufmerksam gemacht durch die gefallenen Schüsse und das wiederholte Hülferufen , hatten sie sich schon in der Stille gesammelt , ihre Neugierde zu befriedigen . Der Ton des wohlbekannten Horns überzeugte sie nun , daß ihr mächtiger Zwingherr , in dessen Hände ihr bescheidenes Loos gelegt war , ihrer Hülfe bedürfe , und in größter Schnelligkeit drangen von allen Seiten jetzt schwarze Schatten heran , die sich durch Anrufen kund gaben , während Andere , von Weibern und Kindern geschäftig begleitet , nach den Hütten liefen , um Kienfackeln anzuzünden , welche dort für den Gebrauch der Fischer bereit lagen . Richmond übersah die Gefahr seiner Lage sehr wohl , und die Ahnung , ihr unterliegen zu müssen , wenn ihm keine wirksamere Hülfe würde , als Lanci ' s schwacher Arm , mischte in das Gefühl des Muthes und der Entschlossenheit , das ihn beseelte , jenen bittern Tropfen der Verzweiflung , der die Kräfte steigert , aber die Besonnenheit unterjocht . Er faßte krampfhaft den bewegungslos bleibenden Körper der Lady in seinen linken Arm , und seinen Degen in der Rechten , schickte er sich an , die Gruppe der Männer zu durchbrechen . Doch es war ein Leichtes , ihn , der nur einen Arm zur Vertheidigung behielt , durch zehn starke Arme , die auf Pater Johannes Befehl auf ihn eindrangen , zu entwaffnen , und er fühlte sich übermannt und seines Schwertes beraubt , binnen weniger Augenblicke . Hoch auf schäumte sein Blut bei dem Gedanken dieser Gewaltthat , und das Schicksal , welches nun Lady Maria bevorstand , steigerte seine Kräfte bis zum Uebermenschlichen . Er riß sich noch ein Mal los und schlang beide Arme so fest um den leblosen Körper , den er trug , daß er den Bemühungen trotzte , sie zu trennen . Da durchdrang plötzlich eine helle Stimme das dumpfe Gemurmel der Wuth , und Lanci erkannte Margarith , welche laut rufend herbei lief und unablässig ein Wort ausstieß , das plötzlich die geschäftigen Hände von Richmond abzog und den ungleichen Kampf unterbrach . Die Miliz ! Die Miliz aus Dunferling ! Rette sich , wer kann ! schrie das brave Mädchen , athemlos neben Richmond niederstürzend , der bei der augenblicklichen Stille sogleich das Pferdegetrappel erkannte , welches ihm Rettung verhieß . Ha ! rief Pater Johann , wie ein gereizter Tiger vorspringend , wer that mir das ? Woher kommt diese Gaunerbande und so schnell herbei ? Die Fackeln , die , zu andern Zwecken herbeigeschafft , jetzt aus den Hütten ihr blutrothes Licht näherten , beleuchteten die wilden Züge des Verrath ahnenden Priesters , dessen racheglühender Blick wie ein Pfeil hervorschoß . Sorgfältig sich noch immer schützend , aber freier in der Hoffnung der Rettung , streckte Richmond den Nahenden den verhüllten Arm entgegen . Wahret Euch ! rief er , so laut er vermochte , Euer Stunde hat geschlagen , der Tod der Herzogin von Sommerset ist bekannt , die Milizen nahen , Euch und das Schloß im Namen des Königs in Beschlag zu nehmen . Alle wichen entsetzt bei dieser lauten Rede zurück . Pater Johannes warf einen Blick umher , in welchem er mit Wuth und Entsetzen zu fragen schien , ob der Augenblick gekommen , der seiner