in den Hof begleitete , wo die Pferde hielten , reichte dem alten Dübois freundschaftlich die Hand und schwang sich in den Sattel . Ihm folgte Thorfeld , der mit derselben Leichtigkeit zu Pferde saß , indeß der Arzt etwas mehr Mühe verwenden mußte , um sein Thier zu besteigen , wobei ihm besonders das große Schwert hinderlich war . Die begleitenden Diener folgten , und bald hatte der Graf Alle aus den Augen verloren , und der kurze Aufenthalt der Freunde dünkte den Bewohnern des Hauses wie ein Traum , als dieselbe Stille nun wieder in den Sälen und Zimmern herrschte , die auf kurze Zeit so erfreulich war unterbrochen worden . XI Es waren einige Stunden seit der Abreise der kriegerischen Freunde verflossen , als sich der Graf nach dem Zimmer des Generals begab und , indem er freundlich an dessen Lager trat , ihn lächelnd fragte : Willst Du mich noch länger von Deinem Angesicht verbannen ? Die Frage kann nicht Dein Ernst sein , antwortete der General , indem er sich auf seinem Lager empor richtete und dem Grafen die Hand des gesunden Armes bot . Er zwang sich zum Lächeln , indem er hinzusetzte : Sehr verschieden von dem ersten Male siehst Du mich jetzt zum zweiten Mal unter Deinem Dache . Daß dieß möglich sein könnte , würde ich noch vor Kurzem nicht geglaubt haben . Der Graf hatte während dieser Rede seinen Freund genauer betrachtet , und er erstaunte über die große Veränderung , die er bemerken mußte . Auffallend alt war der General in den wenigen Jahren geworden , und die Heiterkeit , die sonst unzerstörbar in seinen Augen glänzte und um seine Lippen spielte , war durch eine finstere Schwermuth verdrängt worden , die dem Gesichte einen für den Grafen fremden Ausdruck gab . Auf die mit einiger Bitterkeit ausgesprochene Bemerkung des Generals erwiederte der Graf , um dessen trübe Stimmung zu mildern , daß der Krieg so manchen Wechsel des Geschicks herbei führe , daß man sich eigentlich über keinen wundern dürfe . Der General schwieg unmuthig und fragte endlich : Sind Deine siegenden Freunde weiter gezogen ? Sie sind alle abgereist , antwortete der Graf . Aber vergib , fuhr er fort , ich kann es nicht mit dem ritterlichen Charakter eines französischen Kriegers vereinigen , daß Du so finster grollend einen glücklichen , tapferen Feind betrachtest . Du hast weder meinen Vetter noch seinen Freund sehen wollen , die doch , wie Du zugeben mußt , nur ihre Pflicht erfüllten , indem sie Dich bekämpften , und ich gestehe Dir , daß es mich befremdet , zu sehen , daß Du Feindschaft bewahrst , wenn der Kampf geendigt ist , denn das ist gegen alle mir bekannte französische Sitte . Du beurtheilst mich ganz falsch , sagte der General ; ich müßte eine lange Geschichte erzählen , um Dich darüber aufzuklären . Es ist das Tragische des Krieges , daß gerade die bravsten Leute sich gegenseitig erschlagen , denn die Feigen suchen sich in Sicherheit zu bringen . Man gewöhnt sich an solche Erschütterungen wie an jede andere und achtet den braven Feind , der unsere braven Kameraden vernichtet ; aber zuweilen ist ein solcher Fall mit so schmerzlichen Nebenumständen verbunden , daß man doch , wenn es möglich ist , den Anblick des Gegners meidet , wo man nur friedlich mit ihm zusammen treffen darf und ihm noch obendrein verpflichtet ist . Es trat ein neues Schweigen ein . Der Graf hielt die Hand seines Freundes und betrachtete ihn stumm , denn er mochte nicht durch eine Frage , die zudringlich hätte erscheinen können , das Gespräch wieder erneuern . Endlich begann der General wieder die Unterredung , indem er sagte : Wenn ich Dir die letzten Ereignisse meines Lebens mittheile , wirst Du es natürlich finden , daß ich ernster gestimmt bin als früher . Der Graf drückte die Hand des Freundes zum Zeichen , daß er bereit sei zu hören , und dieser fuhr fort : Du weist , daß ich mich in Paris verheirathet hatte . Ich besaß eine junge , schöne , reiche und liebenswürdige Frau , und dieß wäre ein großes Glück gewesen , wenn uns Napoleon verstattet hätte , ein solches Glück zu genießen ; aber bald in Spanien , bald in Deutschland und im hohen Norden kämpfend lebte ich getrennt von meiner Gattin , und das kurze , flüchtige Beisammensein , das die Umstände zuweilen erlaubten , diente nur dazu , den Schmerz der Trennung zu schärfen . Indem ich mir bewußt war ein großes Vermögen zu besitzen , mußte ich Entbehrungen erdulden , die zu schauderhaft sind , um sie zu wiederholen ; und nicht allein in meiner Brust entstand ein Unwillen über Kriege , deren Zweck wir nicht einzusehen vermochten , sondern die Stimmung wurde ziemlich allgemein in der Armee , besonders , als der entsetzliche Rückzug aus Moskau angetreten werden mußte . Die furchtbarste Kälte , der schauderhafteste Mangel wüthete mehr als der Feind in unseren Schaaren , und der Einfluß dieses Elends war so mächtig , daß alle Bande der Ordnung und des Gehorsams sich auflösten . In diesem Zustande war jedes Gefecht für uns verderblich , und als endlich der Uebergang über die Beresina möglich wurde , drängte sich Alles ohne Ordnung hinzu , Heil und Rettung am jenseitigen Ufer hoffend . Auch ich , zu Fuß , in Lumpen gehüllt , auf mein Schwert wie auf einen Stab gelehnt , drängte mich der Brücke zu , um hinüber zu gelangen , und hielt mich vorsichtig in der Mitte des Menschenstroms , um nicht , wie viele Andere , seitwärts in den Fluß gedrängt zu werden und in den Wogen zu versinken . Die furchtbare Kälte , mit dem Mangel vereinigt , hatte jedes andere Gefühl als die dumpfe Sehnsucht , sich selbst zu erhalten , in der Brust der Menschen ersterben lassen , und auch ich dachte nur an mich und sah mit wahrhaft