Posthause , sehr betrübt über die verfehlte Post und entschlossen , noch diese Nacht nach Neapel zu gehen , um am heiligen Sonntag noch früh genug nach Ischia zu kommen , wo ihre Eltern waren . » Aus Santa Agata « ( sagte sie ) » komme sie her , heiße aber nur Agata , und nicht Santa . « - » Wahrscheinlich ihr alter Spaß « , sagte Dian , war aber nun - bei seinem Umschweben jeder schönen Form - selber recht zur Nachtreise aufgelegt , damit man die Schwarzäugige , die freudig und hell in fremdes Augenfeuer blickte , fortbringen könnte . Sie nahm es lustig an und schwatzte vertraut wie ein Naturforscher viel vom Epomeo und Vesuv und weissagte ihnen unzählige Freuden auf der Insel und zeigte überall eine verständige Besonnenheit weit über ihr Alter . Endlich flogen sie alle unter die hellen Sterne in die schöne Nacht hinaus . 109 . Zykel Albano fährt in der Beschreibung seiner Reise so fort : » Eine helle Nacht ohnegleichen ! Die Sterne allein erhellten schon die Erde , und die Milchstraße war silbern . Eine einzige , mit Weinblüten durchflochtene Allee führte der Prachtstadt zu . Überall hörte man Menschen , bald nahes Reden , bald fernes Singen . Aus schwarzen Kastanienwäldern auf mondhellen Hügeln riefen die Nachtigallen einander zu . Ein armes schlafendes Mädchen , das wir mitgenommen , hörte das Tönen bis in den Traum hinab und sang nach und blickte , wenn es sich damit geweckt , verwirrt und süßlächelnd umher , mit dem ganzen Ton und Traum noch in der Brust . Singend rollte auf einem dünnen leichten Wagen mit zwei Rädern ein Fuhrmann , auf der Deichsel stehend , lustig vorüber . - Weiber trugen in der Kühle schon große Körbe voll Blumen nach der Stadt ; - in den Fernen neben uns dufteten ganze Paradiese aus Blumenkelchen ; und das Herz und die Brust sogen zugleich den Liebestrank der süßen Luft . Der Mond war hell wie eine Sonne an den hohen Himmel heraufgezogen , und der Horizont wurde von Sternen vergoldet - und am ganzen wolkenlosen Himmel stand die düstere Wolkensäule des Vesuvs in Osten allein . Tief in der Nacht nach zwei Uhr rollten wir in und durch die lange Prachtstadt , worin noch der lebendige Tag fortblühte . Heitere Menschen füllten die Straßen - die Balkons warfen sich Gesänge zu - auf den Dächern blühten Blumen und Bäume zwischen Lampen , und die Horen-Glöckchen vermehrten den Tag , und der Mond schien zu wärmen . Nur zuweilen schlief ein Mensch zwischen den Säulengängen gleichsam an seinem Mittagsschlafe . - Dian , aller Verhältnisse kundig , ließ an einem Hause auf der Süd- und Meerseite halten und ging tief in die Stadt , um durch alte Bekannte die Abfahrt nach der Insel zu berichtigen , damit man gerade bei Sonnenaufgang aus dem Meere herüber die herrliche Stadt mit ihrem Golf und ihren langen Küsten am reichsten auffassete . Die Ischianerin wickelte sich in ihren blauen Schleier gegen Mücken und entschlief am schwarzsandigen Ufer . Ich ging allein auf und ab , für mich gabs keine Nacht und kein Haus . Das Meer schlief , die Erde schien wach . Ich sah in dem eiligen Schimmer ( der Mond sank schon dem Posilippo zu ) an dieser göttlichen Grenzstadt der Wasserwelt , an diesem aufsteigenden Gebürg von Palästen hinauf , bis wo das hohe Sant Elmo-Schloß weiß aus dem grünen Strauße blickt . Mit zwei Armen umfassete die Erde das schöne Meer , auf ihrem rechten , auf dem Posilippo , trug sie blühende Weinberge weit in die Wellen , und auf dem linken hielt sie Städte und umspannte seine Wogen und seine Schiffe und zog sie an ihre Brust heran . Wie eine Sphinx lag dunkel das zackige Kapri am Horizont im Wasser und bewachte die Pforte des Golfs . Hinter der Stadt rauchte im Äther der Vulkan , und zuweilen spielten Funken zwischen den Sternen . Jetzt sank der Mond hinter die Ulmen des Posilipps hinab , die Stadt verfinsterte sich , das Getöse der Nacht verklang , Fischer stiegen aus , löschten ihre Fackeln und legten sich ans Ufer , die Erde schien einzuschlafen , aber das Meer aufzuwachen . Ein Wind von der sorrentinischen Küste trieb die stillen Wellen auf - heller schimmerte Sorrentos Sichel vom Monde zurück und vom Morgen zugleich wie silberne Fluren - Vesuvs Rauchsäule wurde abgeweht , und vom Feuerberg zog sich eine lange reine Morgenröte über die Küste hinauf wie über eine fremde Welt . O es war der dämmernde Morgen , voll von jugendlichen Ahnungen ! Spricht nicht die Landschaft , der Berg , die Küste gleich einem Echo desto mehr Silben zur Seele , je ferner sie sind ? Wie jung fühlt ' ich die Welt und mich , und der ganze Morgen meines Lebens war in diesen gedrängt ! Mein Freund kam - alles war berichtigt - die Schiffer angekommen - Agata wurde zur Freude geweckt - - und wir stiegen ein , als die Morgenröte die Gebürge entzündete , und aufgebläht von Morgenlüften , flog das Schiffchen ins Meer hinaus . Ehe wir noch um das Vorgebürg des Posilippo herumschifften , warf der Krater des Vesuvs den glühenden Sohn , die Sonne , langsam in den Himmel , und Meer und Erde entbrannten . Neapels halber Erdgürtel mit morgenroten Palästen , sein Marktplatz von flatternden Schiffen , das Gewimmel seiner Landhäuser an den Bergen und am Ufer hinauf und sein grünender Thron von S. Elmo standen stolz zwischen zwei Bergen , vor dem Meere . Da wir um den Posilippo kamen , stand Ischias Epomeo wie ein Riese des Meers in der Ferne , mit einem Wald umgürtet und mit kahlem weißen Haupt . Allmählich erschienen auf der unermeßlichen Ebene die Inseln nacheinander wie zerstreuete Dörfer , und wild drangen und wateten die Vorgebürge in das Meer . Jetzt tat sich , gewaltiger und lebendiger als das