fiel von seiner Härte und seinem Despotismus . Und als ich diese Eigenschaften in ihm entdeckt hatte , sah ich seine Unvollkommenheit und faßte Mut . Ich stand meinesgleichen gegenüber – einem Menschen , mit dem ich disputieren konnte – dem ich widerstehen konnte , wenn ich es für gut und notwendig hielt . Als ich die letzten Worte gesprochen , schwieg er ; ich wagte einen Blick auf sein Antlitz zu werfen . Sein Auge , das auf mich gerichtet , drückte zugleich ernstes Erstaunen und scharfe Neugierde aus . Es schien zu sagen : » Ist sie sarkastisch ? Und sarkastisch mir gegenüber ? « » Was bedeutet dies ? « Und nach einer Weile fuhr er fort : » Laß uns nicht vergessen , daß dies eine ernste Angelegenheit ist , eine Sache , von welcher wir nicht ungestraft leichtsinnig sprechen dürfen . Ich hoffe , Jane , daß es dein Ernst ist , wenn du sagst , daß du Gott dein Herz geben willst , – das ist alles , was ich verlange . Wenn du dein Herz erst von allem Irdischen losgemacht und es deinem Schöpfer gegeben hast , so wird die Ausbreitung des Reiches dieses deines Schöpfers deine höchste Wonne , dein einziges Bestreben sein , und du wirst zu jeder Stunde bereit sein alles zu thun , was jenen Zweck fördert . Du würdest sehen , welche mächtige Triebkraft dein und mein Streben durch unsere geistige und leibliche Vereinigung in der Ehe erhalten würde – diese einzige Vereinigung , welche den Schicksalen und Bestrebungen menschlicher Geschöpfe den Charakter dauernder Übereinstimmung verleiht – ; und , indem ich über alle anderen kleinen Kapricen – alle trivialen Schwierigleiten und Zartheiten der Empfindungen – alle Skrupel über den Grad , die Art , die Macht oder Zärtlichkeit rein persönlicher Neigung fortgehe – du wirst dich beeilen , diese Verbindung auf der Stelle zu schließen ! « » Werde ich ? « sagte ich kurz , und ich blickte auf seine Züge , die so schön in ihrer Harmonie , aber seltsam furchteinflößcnd in ihrer stillen Strenge waren , auf seine Stirn , die herrschsüchtig und mächtig , aber nicht offen war ; auf seine Augen , die hell und glänzend und tief und durchdringend , aber niemals sanft blickten ; auf seine schlanke , imposante Gestalt – und dann stellte ich mich mir selbst im Geiste als sein Weib vor , O ! das wäre unmöglich ! Als seine Helferin , sein Kamerad , meinetwegen ! In diesen Eigenschaften würde ich Meere mit ihm durchkreuzen ; in diesem Amt würde ich in asiatischen Wüsten unter einer tropischen Sonne mit ihm arbeiten und streben , seinen Mut , seine Hingebung , seine Kraft bewundern und anspornen ; mich ruhig seiner Herrschaft unterwerfen ; ruhig und unbewegt über seinen unausrottbaren Ehrgeiz lächeln ; den Christen von dem Menschen zu scheiden wissen , den einen im höchsten Grade achten und dem andern von ganzem Herzen vergeben . Ohne Zweifel würde ich oft und schwer leiden , wenn ich ihm nur in dieser Eigenschaft beigegeben wäre ; mein Körper würde unter einem qualvoll drückenden Joche leiden , aber mein Herz , meine Seele , mein Ich würden frei sein ! Ich könnte dann noch immer zu meinem ungestörten Selbst zurückkehren , ich hätte noch mein ungefesseltes Empfinden für die Augenblicke trauriger Einsamkeit . Es würde in meiner Seele Zufluchtsorte geben , die nur mir gehörten , in welche er niemals eindringen könnte ; Gefühle könnten dort frisch und ungestört keimen und wachsen , welche seine Strenge nicht zu versengen , sein gemessener Kriegerschritt nicht zu zertreten vermöchte – aber als sein Weib , stets ihm zur Seite , stets unterdrückt und stets beschränkt – gezwungen , das Feuer meiner Natur , meines Temperaments unaufhörlich zu bewachen , es zu zwingen , daß es sich in meinem Innern selbst verzehre , und niemals einen Schrei ausstoßen , wenn auch die eingeschlossene Flamme ein Lebenswerkzeug nach dem andern verzehrte – nein ! das würde unerträglich sein ! » St. John ! « schrie ich auf , als ich in meinem Sinnen bis hierher gekommen war . » Nun ? « fragte er eisigkalt . » Ich wiederhole es noch einmal , ich willige ein als Ihre Gefährtin , Ihre Hilfsmissionärin mit Ihnen zu gehen – aber nicht als Ihre Gattin . Ich kann Sie nicht heiraten – ich kann nicht ein Teil von Ihnen werden . « » Du mußt ein Teil von mir werden , « entgegnete er entschlossen , » oder der ganze Handel ist ungültig . Wie könnte ich , ein Mann , der noch nicht dreißig Jahre alt ist , ein Mädchen von neunzehn Jahren mit mir nach Indien nehmen , wenn es nicht meine Gattin ist ? Wie könnten wir für immer beisammen sein – zuweilen in abgelegenen Einöden , zuweilen unter wilden Stämmen – und nicht verheiratet ? « » Sehr wohl , « entgegnete ich kurz . » Sehr wohl unter solchen Umständen ; gerade so gut , als ob ich Ihre wirkliche Schwester oder ein Mann und Geistlicher wäre wie Sie selbst . « » Man weiß , daß du nicht meine Schwester bist ; ich kann dich nirgend als solche hinführen ; es hieße beleidigendes Mißtrauen an unser beider Fersen heften , wenn ich es versuchte . Und überdies – wenn du auch den starken Verstand eines Mannes hast , so hast du doch das Herz eines Weibes , – und – und es ginge nicht . « » Es würde gehen , « versicherte ich ziemlich verächtlich , » es würde ausgezeichnet gehen . Ich habe das Herz einer Frau – aber nicht , wenn Sie im Spiele sind ; für Sie hege ich nur die beständige Freundschaft eines Gefährten , die Offenherzigkeit , die Treue , die brüderliche Empfindung eines Kriegskameraden ; die Achtung und die Unterwürfigkeit eines Neubekehrten für seinen Oberpriester . Nichts mehr ! Fürchten Sie also nichts !