Brief ? - Von wem ? Von meiner Mutter Lepida ? Sie räth , anständigen Tod zu wählen ? - Rast die Frau ? Warum ? - Anständiger Tod ? Meint sie freiwilligen ? Ich willig aus dem Leben scheiden ? Nimmermehr ! - VI. In ungewissem Jugendbrüten , als mein Geist Noch nicht zur nackten Klarheit der Erkenntniß kam , Daß Alles Rauch und Unsinn , außer Sinnlichkeit , Daß Scham und Scheu nur Dummheit , Frechheit Größe ist - Da blättert ' ich in faden Philosophen oft , Nach einem Etwas suchend , das ich würfe froh Der Langeweile in den nimmersatten Schlund . Die faselten nun ewig von Unsterblichkeit , Von Seelenleben . Seele ? Was ist Seele denn ? Ausfluß des Blutes und Gehirns , so ahne ich , Abhängig völlig von des Leibes Regungen , Bethätigung des Körperlebens in Gedank ' und Wort Durch ihn geboren , sterbend mit dem Leibe auch . O süßer Leib , du der Genüsse Zeugerin ! Dich schmähen sie und nennen ein Gefängniß Dich , Das nur die Seele hemme in dem freien Schwung . Was soll das heißen ? Dunkel ist mir dieser Spruch . Hab ' je von freiem Schwung ich einen Hauch verspürt ? Nichts da ! Auf sogenannte Seele habe ich Nie viel geachtet , nur den Sinnen unterthan . Der Leib ein morsch Gefängniß ? - Dies ist leider wahr , Daß er höchst unvollkommen für Genuß gebaut Und daß ich oft der Thiere Loos beneidete . Des Löwen Stärke und des Affen Leistungskraft , Des Elephanten Magen ist wohl neidenswerth . Insofern hab ' ich allerdings gar oft gestrebt , Mich auszudehnen , diese schwächliche Natur Hätt ' mit des Nashorns dickem Leib ich gern vertauscht . Doch sonst schien grad ' die Seele mir ein Folterknecht , Ein dummer Richter , der mit frostiger Mahnung stets Durch das Gewissen uns die Lust vergällen will . Wenn wirkliche eine künftige Unsterblichkeit , Wo von dem Leib die Seele , wie man ' s nennt » befreit « , Verzicht ' ich gern darauf , darf ich nur länger hier Im Erdenkothe waten . Ohne Leib - was nützt Mir weit ' res Dasein noch ? Giebt ' s drüben Straf ' und Lohn , Für meiner Sünden Rechnung müßt ' ich zittern dann . Doch Sünde - was ist Sünde ? Sünde giebt es nicht an sich . Gesetz und Menschenbrauch erschuf nur diesen Wahn , Ein Freier höhnt der blöden Menge Formelzwang . Und jene Götter , ( diese Dichter-Spottgeburt Sie sünd ' gen wie die Menschen , übermenschlich fast . Der Göttervater , prachtvoll ist er nach dem Bild Der Künstler , die zwar lügen wie die Dichter auch . Die Locken , die ambrosischen , die Stirn , das Aug ' Vor allem seine majestätisch breite Brust , Die mächt ' gen Knie , der massige gewölbte Arm - Ach , ein Phantom , ein unerreichter Weibertraum , Ein Mann in jedem Zoll ! Wie gerne wär ' Ich seine Jo-Kuh und schmiegte tastend mich Europa gleich an ihn in brünst ' ger Stiergestalt ! Und wahrlich , wenn der Tod nun einmal droht , Den würd ich wählen , zu vergehn in seinem Arm , Semelegleich im Gipfel des Genusses grad ' . Ach , all die prächtigen Götter lieb ' ich sehnsuchtsvoll , Nur Amor nicht , obwohl ich ihm verpflichtet bin . Er ist ein Kind und kost und schmeichelt mir zu zart : Ich will kein Spielen unter Blumen , keinen Scherz , Nein grimmen Ernst und brünst ' gen Kampf der Leidenschaft , Der strammen Mannheit Ringen nur befriedigt mich . Den sonnenlockigen Apoll , so schön er ist , Lieb ' ich am mind ' sten : Zu erhaben ist er mir . Der Mann , den ich begehre , habe wenig Herz Und gar kein Hirn - so paßt er mir zur Liebelei . Der listige Merkur , den auch sein Gold empfiehlt , Ist mir schon theurer . Ueppig schöner Bacchus gar , Wie möcht ' ich dankbar pressen Deiner Lenden Rund , Weil Du den Wein , der Liebe Bruder , uns verliehn ! Viel Reize hat der grimmig finst ' re Pluto auch : Er ist so süß gewaltsam , greift so unverzagt Mit Fäusten zu und wirbt nicht lange , stürmt sogleich ; Vielleicht darf ich im Hades seinem Lager nahn , Abschmeichelnd als Proserpina ihm manche Gunst . Neptun , der sehnige Seemann , er gefällt mir sehr Mit seiner Muskeln strotzend rauher Ueberkraft , Ich denk ' ihn mir ein wenig grob , er schimpft und schlägt , Ist sonst gemüthlich , kurz ein Muster-Ehebär . Doch ganz besonders , Mars , verehr ' ich Deinen Reiz , Starkschenkliger Anbeter der Kythera Du ! Wie oft genoß ich dieser Episode Kunst Im langweiligen Epos , das Homer geschmiert , Wo euch Vulkan in traulichster Zusammenkunft Verkettete ! Wie lüstern das geschildert ist ! - - Nun , wenn Du so der Venus huldigst , holder Gott , Ist nicht mein Mund gleich schwellend und gleich weich mein Schooß Gleich üppig nicht mein Busen wie der ihrige , Wenn meiner Wang ' gesunde Röthe auch verblüht Im Fieberroth und schwülen Blaß der Leidenschaft ? - Man sagt , das Roma ' s Stamm erzeugt , weil Du bezwangst Im Tiberhain die Rhea Silva , deren Kind Nachher die Wölfin säugen mußte . Nahtest Du Auch mir doch überraschend ungeladen so ! Denn hier der Park Lukulls hat manche Rasenbank , Weich-warm und dunkle Lauben voll Verschwiegenheit : Besuche mich , ich lade Dich als Gast zu mir . Und brauchst Du eine Wölfin , dien ' ich selbst dafür : Der Wölfin Brunst verglich man mit der meinen oft ! Doch leider ist dies Alles Fabel und Phantom - Nicht Götter sind noch Dauer nach dem Tode , nein ! Und dennoch möcht ' ich ' s glauben