Uhr schlug und Mittag heranrückte . Da tat ich mit einem Seufzer das letzte Buch zu und sagte : » Fort damit ! Es ist jetzt nicht die Zeit solchen Überflusses , später wollen wir wieder Bücher sammeln ! « Ich holte rasch einen Mann , der den ganzen Pack mit einem Stricke zusammenband , auf den Rücken schwang und mir auf dem Wege zu einem Antiquarius damit folgte . In einer halben Stunde war ich aller Gelehrsamkeit entledigt und trug dafür die Mittel in der Tasche , das Leben während einiger Wochen zu fristen . Das dünkte mich schon eine unendliche Zeit ; allein auch sie ging vorüber , ohne daß meine Lage sich änderte . Ich mußte also auf eine neue Frist denken , um die Wendung zum Bessern und den Glückesanfang abzuwarten . Die einen Menschen verhalten sich unablässig höchst zweckmäßig , rührig und ausdauernd , ohne einen festen Grund unter den Füßen und ein deutliches Ziel vor Augen zu haben , während es andern unmöglich ist , ohne Grund und Ziel sich zweckmäßig und absichtlich zu verhalten , weil sie eben aus Zweckmäßigkeit nicht aus nichts etwas machen können und wollen . Diese halten es dann für die größte Zweckmäßigkeit , sich nicht am Nichtssagenden aufzureiben , sondern Wind und Wellen über sich ergehen zu lassen , jeden Augenblick bereit , das leitende Tau zu ergreifen , wenn sie nur erst sehen , daß es irgendwo befestigt ist . Sind sie dann am Lande , so wissen sie , daß sie wieder Meister sind , indessen jene immer auf ihren kleinen Balken und Brettchen herumschwimmen und aus lauter Ungeduld vom Ufer wegzappeln . Ich war nun allerdings keine große Figur in der Geisterwelt , um ein so vornehmes Mittel , wie die Geduld ist , gebrauchen zu dürfen ; allein ich hatte damals kein anderes zur Hand , und im Notfall bindet der Bauer den Schuh mit Seide . Das letzte , was ich außer meinen unverkäuflichen Bildern und Entwürfen besaß , waren die mit meinen Naturstudien angefüllten Mappen . Sie enthielten fast den ganzen Fleiß meiner Jugend und stellten ein kleines Vermögen dar , weil sie lauter reale Dinge aufwiesen . Ich nahm zwei der besseren Blätter , von ansehnlichem Format , welche ich schon im Freien als Ganzes abgeschlossen und in zufällig glücklicher Weise leicht gefärbt hatte . Dieselben wählte ich , um wegen der größeren Wirkung sicherzugehen , da ich keinen der oberen Kunsthändler , sondern das freundliche Trödelmännchen heimzusuchen gedachte und von vornherein nicht einen wirklichen Wert zu erhaschen hoffte . Vor seinem Geschäfts- und Wohnwinkel angekommen , sah ich erst durch das Fenster und bemerkte die alten Gegenstände dahinter , die Klarinette wie die Kupferstiche und Bildchen , dagegen nicht mehr das Flötenkästchen . Dadurch ermutigt , trat ich bei dem Alten ein , der mich sogleich erkannte und fragte , was ich Neues bringe . Er war günstig gelaunt und ließ mich wissen , daß er jene Flöte längst verkauft habe . Als ich die Blätter entrollt und auf seinem Tische so gut als möglich ausgebreitet , fragte er zuvörderst , gleich dem israelitischen Bild- und Kleiderhändler , ob ich sie selbst gemacht , und ich zögerte mit der Antwort ; denn noch war ich zu hochmütig für das Geständnis , daß die Not mich mit meiner eigenen Arbeit in seine Spelunke treibe . Er schmeichelte mir jedoch ohne Verzug die Wahrheit ab , deren ich mich nicht zu schämen brauche , vielmehr zu rühmen hätte ; denn die Sachen schienen ihm in der Tat nicht übel , und er wolle es damit wagen und ein Erkleckliches daranwenden . Er gab mir auch so viel dafür , daß ich ein paar Tage davon leben konnte , und mir schien das ein nicht zu verachtender Gewinn , obgleich ich seinerzeit lust- und fleißerfüllte Wochen über den Gebilden zugebracht hatte . Jetzt wog ich das winzige Sümmchen nicht gegen den Wert derselben , sondern gegen die Not des Augenblickes ab , und da erschien mir der ärmliche Handelsgreis mit seiner kleinen Kasse noch als ein schätzenswerter Gönner ; denn er hätte mich ja auch abweisen können . Und das wenige , was er mit gutem Willen und drolligen Gebärden gab , war so viel , als wenn reiche Bilderhändler größere Summen für eine unsichere Laune ihres zweifelnden Urteiles hingeben . Aber noch in meiner Anwesenheit befestigte der Kauz die unglücklichen Blätter an seinem Fenster , und ich machte , daß ich fortkam . Auf der Straße warf ich einen flüchtigen Blick auf das Fenster und sah die sonnigen Waldeinsamkeiten aus der Heimat wehmütig an diesem dunklen Pranger der Armut stehen . Nichtsdestoweniger ging ich in zwei Tagen abermals mit einem Blatte zu dem Manne , der mich munter und freundschaftlich empfing . Die zwei ersten Zeichnungen waren nicht mehr zu sehen ; das Männchen , oder Herr Joseph Schmalhöfer , wie er eigentlich laut seinem kleinen alten Ladenschilde hieß , wollte aber keineswegs sagen , wo sie geblieben seien , sondern verlangte zu sehen , was ich gebracht habe . Wir wurden bald des Handels einig ; ich machte zwar eine kleine Anstrengung , einen barmherzigern Kaufpreis zu erwischen , war aber bald froh , daß der Alte nur kauflustig blieb und mich aufmunterte , ihm ferner zu bringen , was ich fertigmachte , immer hübsch bescheiden und sparsam zu sein , wobei aus dem kleinen Anfang gewiß etwas Tüchtiges erwachsen würde . Er klopfte mir wieder vertraulich auf die Achsel und lud mich ein , nicht so trübselig und einsilbig dreinzuschauen . Der ganze Inhalt meiner Mappen wanderte nun nach und nach in die Hände des immer kaufbereiten Hökers . Er hing die Sachen nicht mehr ans Fenster , sondern legte sie sorgfältig zwischen zwei Pappdeckel , die er mit einem langen Lederriem zusammenschnallte . Ich bemerkte wohl , daß sich die Blätter , große und kleine , farbige wie Bleistiftzeichnungen , zuweilen längere Zeit ansammelten , bis der Behälter plötzlich