unseren Schwächen sind wir am empfindlichsten , Sie , ich , jeder . Seien wir froh , daß wir ihn haben ; er ist doch der Sanspareil unseres Kreises und von Kopf zu Fuß ein Edelmann . Die meisten heißen bloß so ; er aber hat den Vorzug , einer zu sein . « Bamme stimmte bei ; damit brachen sie das Gespräch ab und setzten ihre Pferde in Trab . In Hohen-Vietz angekommen , hatten alle das Bedürfnis nach Ruhe und zogen sich zurück , unter den ersten Hirschfeldt und Tubal , die dasselbe Zimmer innehatten . Sie plauderten noch eine kleine Weile , dann wurde Hirschfeldt still . Er schlief . Nur Tubal wachte noch . Allerlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf , deren er nicht Herr werden konnte . » Bin ich verlobt ? « fragte er sich , als er endlich das Licht gelöscht hatte . » Ich glaube ja ... Da müßt ich ja glücklich sein ! Und bin ich es ? O gewiß , ich bin es , ich bin glücklich ... Aber nicht glücklich genug ; ich würde sonst jubeln und nichts hören und sehen als sie . Und seh ich sie ? Sonderbar , ich habe kein deutliches Bild von ihr . Kaum ein Bild überhaupt ... Und doch lieb ich sie . Wer liebte sie nicht ! sagte die Tante ... Ach , Glück , Glück . Hab ich dich ? Und ich frage noch ... Undankbarer , der ich bin ! « So sann er weiter . Immer schattenhafter zogen die Bilder an ihm vorüber , bis auch er entschlief . Vierzehntes Kapitel Eingeschlossen Der nächste Tag , ein Sonnabend , war ein Tag der Vorbereitungen . Bamme saß über Plänen und Karten , während Berndt in aller Frühe aufgebrochen war , um die ferner stehenden Truppenteile heranzubeordern . Gleich nach drei Uhr war er von diesem Ausfluge zurück . Als er wenige Minuten später in das Parterrezimmer des alten Generals eintrat , fand er diesen in eifrigem Gespräche mit Drosselstein , der eben über seine Sendung ins russische Hauptquartier rapportierte . Tschernitscheff war ihm nicht nur mit ausgesuchter Artigkeit entgegengekommen , sondern hatte sich auch dahin geäußert , daß er auf Vorschläge wie diese , mit andern Worten auf Kooperation , recht eigentlich gerechnet habe . Nur diese verspreche bei dem kleinen Kriege , der voraussichtlich in den nächsten Wochen bevorstände , die gewünschten Erfolge . Der Überfall Frankfurts , wenn nur von allen Seiten rechtzeitig eingegriffen würde , böte geringere Schwierigkeiten , als es auf den ersten Blick erscheinen möchte . Die französischen Truppen seien decouragiert , unter allen Umständen aber erheische die Parkierung eines so bedeutenden Geschützmaterials einen raschen Versuch . Er proponiere deshalb die Nacht von Montag auf Dienstag und werde seinerseits im Laufe des voraufgehenden Tages bis in die Kunersdorfer Gegend rücken , um von dort aus zu näher festzusetzender Stunde die Dammvorstadt angreifen zu lassen , und zwar mit zweitausend Mann Elitetruppen . Seines Eifers dürfe man sich versichert halten ; er werde persönlich zugegen sein und den Angriff leiten . So Drosselsteins Bericht , dem Berndt und Bamme mit wachsendem Interesse gefolgt waren . Beide glaubten in dem guten Ausgange dieser Mission das Unterpfand weiteren Gelingens erblicken zu dürfen und setzten die schon vorher geplante » Rekognoszierung gegen Frankfurt « auf den nächsten Vormittag fest . Zugleich dankten sie dem Grafen für den diplomatischen Takt , mit dem er die Verhandlungen geführt habe , woran sich dann die Bitte reihte , wenigstens bis zu Tische bleiben zu wollen . Drosselstein indessen lehnte , Geschäfte vorschützend , ab und empfahl sich , nachdem er noch einmal gebeten hatte , die Nacht von Montag auf Dienstag , » schon um den guten Willen Tschernitscheffs nicht zu verwirren « , zu Ausführung des Unternehmens im Auge behalten zu wollen . Gegen Abend kam Seidentopf , und Jeetze wartete , daß der Kartentisch befohlen werden würde . Die Tarockpartie fiel aber aus , ein Zeichen , daß die Generalspflichten schwer auf Bamme zu lasten begannen . Er selber scherzte darüber und suchte sich durch Selbstpersiflierung , die dann wieder mit Übermütigkeit wechselte , die Last etwas leichter zu machen ; aber er kam nicht weit damit , und nur als Berndt von der Heiligkeit des Sonntags zu sprechen und , zu Seidentopf gewandt , ein Mal über das andere ein Bedauern auszudrücken begann , daß er , um der Frankfurter Rekognoszierungsfahrt willen , die Kirche , die Predigt und die Verlesung des Aufrufs versäumen müsse , regte sich der alte Widerspruchsgeist in ihm , und er fuhr mit einem in höchster Stimmlage gesprochenen » Ich für mein Teil versäume nicht viel « scharf und trocken dazwischen . Einige Minuten später zogen sich alle zurück , nachdem man noch übereingekommen war , sich am andern Morgen eine halbe Stunde früher als gewöhnlich am Frühstückstische zu treffen . Und nun war dieser andere Morgen da , und die Glocken des Hohen-Vietzer Turmes klangen durch die winterklare Luft . In dem Herrenhause war alles Leben und Bewegung ; die einen rüsteten sich zum Gange in die Kirche , die andern zu der Frankfurter Fahrt . Es fehlten nur noch zehn Minuten an zehn ; Krist fuhr vor ( wieder die Ponies ) , und erst Berndt und Bamme , dann Hirschfeldt und Grell bestiegen das offene Gefährt . Nur Lewin und Tubal blieben zurück , vielleicht weil die Sitzplätze des Wagens nicht recht ausreichten , vielleicht auch , um an einem so wichtigen Tage wie der heutige den herrschaftlichen Chorstuhl nicht unbesetzt erscheinen zu lassen . Und jetzt begannen die Glocken zum dritten Mal zu läuten , und während mit den Abfahrenden noch Grüße gewechselt wurden , boten die beiden zurückbleibenden Freunde den schon zum Kirchgange bereitstehenden Damen ihren Arm und schritten mit ihnen erst durch die verödeten Gänge des Parkes , dann durch die Lindenallee bis zur Kirche hinauf . Die kleine Seitenpforte war verschlossen , so daß