unterrichtet , als ihr lieb war . In Erinnerung an die frühere Anwesenheit des gräflichen Ehepaares , bei welcher man das erste Frühstück auf der nach dem Parke gelegenen Terrasse eingenommen hatte , damit die Leute aus den Dörfern die Eltern ihrer Herrschaft sehen könnten , hatte man auch jetzt an dem Tage nach der Rückkehr der Baronin , der ein Sonntag war , am Nachmittage den Park geöffnet und ein Vesperbrod im Freien aufgetragen . Ganz wie damals war die Mahlzeit an dem oberen Ende der Terrasse vor dem chinesischen Häuschen hergerichtet . Wie damals standen die Diener in ihrer Gala-Livree bereit , es zu präsentiren ; die Baronin ging nur nicht mehr so freundlich plaudernd und so schön an dem Arme der Gräfin einher , der Graf und der Freiherr trugen nicht mehr die stattlichen Röcke aus farbigem Sammt , auch sie hatten allmählich die goldbesetzten dreieckigen Hüte und die wohlfrisirten Perrücken abgelegt . Aber die runde , breitkrämpige Kopfbedeckung , die weiten , schmucklosen Tuchröcke , die breitklappigen Westen , die dicken Halstücher machten immer noch einen fremden Eindruck an ihnen , und sie schienen den Degen an ihrer Seite doch immer noch zu vermissen . Ausgestreckt auf ihrem Ruhebette , in ihren weißen Kleidern , mit dem weißen Schleier über dem blonden Haare , sah die Baronin einer Nonne gleich . Sie war nicht mehr die hohe , gebietende Gestalt , deren Schleppkleid einst so prächtig ihren gemessenen Bewegungen gefolgt war ; sie und die Gräfin hatten nicht mehr die kleinen Federhütchen auf , und es war auch Niemand aus den Dörfern gekommen , sich an der Schönheit und Stattlichkeit der Herrschaften zu erfreuen . Die Leute waren nicht begierig , dem Freiherrn unter die Augen zu treten , und noch weniger begierig , ihn zu sehen . Die Gartenarbeiter , welche im Vorübergehen verstohlen nach den Herrschaften hinaufsahen , meinten , daß die Diener sich jetzt besser als die Herren ausnähmen . Die Zeiten hatten sich eben geändert , und die Menschen mit ihnen . Die Gräfin saß mit ihrem Sonnenschirme an der Seite ihrer Tochter und hielt ihr das zu grelle Licht ab ; die Herzogin , mit einer Filetarbeit beschäftigt , leistete ihnen Gesellschaft . Den Enkelsohn an der Hand haltend , spazierte der Graf mit seinem Schwiegersohne umher ; aber es waren nicht die sie zunächst umgebenden Dinge , nicht die leuchtende Pracht des Abends , nicht die Schönheit des Parkes , welche sie beschäftigten . Der Krieg hatte die Grenzen Frankreichs lange schon überschritten , große Ereignisse , große Gefahren standen an dem Horizonte , die Welt ging unverkennbar einer Neugestaltung mit raschem Schritte entgegen , und es fragte sich , ob man darauf hoffen dürfe , sich in ihr zu behaupten , wenn man ihr Schranken zu setzen versuchte , oder ob man sich ihr fügen müsse , um nicht in ihr unterzugehen . Des Grafen und des Freiherrn Meinungen waren sehr verschieden ; sie verständigten sich nicht wie sonst , und weil sie entschlossen waren , das kaum hergestellte gute Einvernehmen zwischen sich aufrecht zu erhalten , sprach keiner von ihnen seine letzte Ueberzeugung aus . Man gab von beiden Seiten mit vorsichtiger Zurückhaltung nach , man überwand sich , man schwieg , man beobachtete einander , man suchte zu errathen , was der Andere meinte , sich ihm gefällig zu zeigen , ohne der eigenen Ansicht etwas zu vergeben . Ein solcher Verkehr ist aber eine schwere Arbeit und kein Genuß , und die Männer wendeten sich bald wieder der Gesellschaft der Frauen zu , in welcher die Unterhaltungsgabe der Herzogin die Fremden zu fesseln und von allem Störenden mit kluger Berechnung abzulenken wußte . Inzwischen sann der Freiherr über die Weise nach , in der er der Flies ' schen Familie seine Erkenntlichkeit für die der Baronin geleisteten großen Dienste bezeigen möchte , und bei dem Wohlstande jenes gastlichen Hauses war das keine leichte Sache . Man konnte nicht daran denken , Herrn Flies eine Entschädigung für die gehabten Kosten anzubieten ; eines jener Geschenke von Werthgegenständen , denen man den Charakter eines Andenkens verleiht , war in diesem Falle auch nicht angebracht , denn die Frau und die Tochter des Juweliers hatten unter seinen Vorräthen nur zu wählen , und weil der Freiherr glaubte , daß er sowohl den Wünschen seiner Frau als dem Gefühle ihrer Pflegerin gleichzeitig am besten begegnen könne , wenn er sich zu einer jener Liebesgaben erbötig zeigte , die man sonst nur mit seines Gleichen austauscht , that er der Baronin den Vorschlag , Seba mit der Copie ihres bald nach ihrer Verheirathung in der Residenz gemalten Miniatur-Bildes zu beschenken . Man hatte diese Copie damals gleich nach der Vollendung des Originals nehmen lassen , um sie der Gräfin zum Weihnachtsfeste zu bescheren . Das Familienzerwürfniß hatte diese Absicht vereitelt ; jetzt mochte man auf eben diese Gabe für die Gräfin aus begreiflichem Grunde nicht zurückkommen , und einfach in einen emaillirten Goldreif als Medaillon gefaßt , schien das Portrait vor allem Andern geeignet , den Dank des Freiherrn und die Freundschaft der Baronin am edelsten und ehrenvollsten auszusprechen . Indeß wider sein Erwarten fand der Freiherr bei Angelika nicht gleich die freudige Zustimmung , auf welche er gerechnet hatte . Sie war verlegen , ihre Blicke richteten sich nach ihrer Mutter , als sei sie unsicher , ob diese eine solche Liebesgabe billigen würde ; aber grade dieses Letztere bestimmte den Freiherrn , seinen Vorschlag geltend zu machen , und Angelika zeigte sich dann auch schnell und völlig mit der Absicht einverstanden . Der Freiherr selber schrieb den Brief , denn er selbst wollte der Geber des Angedenkens sein und in einer über jedes Abwägen hinausgehenden Weise sich mit der Flies ' schen Familie abgefunden haben ; aber er ermächtigte Angelika , ihren Dank hinzuzufügen . Das bedingte sowohl , was sie schreiben , als die Art , in welcher sie schreiben konnte , sie mußte sich an Allgemeines halten